- 07.03.2008, 18:05:05
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"Presse"-Kommentar: Brave Mädchen, böse Buben (von Martina Salomon)
Ausgabe vom 8. März 2008
Wien (OTS) - Frauenpolitisch gibt es noch viel zu tun - zum
Beispiel, über manch ideologischen Schatten zu springen.
Der 100. Frauentag und Wehklagen überall: Frauen in Österreich
verdienen weniger, rutschen sogar ab - speziell bei Top-Positionen.
Dabei überflügeln sie doch die jungen Männer längst in der Bildung
und verzichten für den Job zunehmend auf Kinder, ist das nicht
paradox?
Dafür gibt es landestypische Erklärungen, zum Beispiel: In
Österreich herrscht extremer Jugendwahn. Man vergleiche nur deutsche
und österreichische TV-Moderatoren: dort zahlreiche soignierte Damen
und Herrn, die - huch - sogar graue Schläfen haben. Hier viele Junge,
die manchmal mehr Model-Erscheinung als Erfahrung mitbringen.
Immerhin holt der ORF jetzt Hannelore Veit auf den Bildschirm zurück.
Bravo, eine positive Ausnahme!
Doch üblicherweise schlägt die Alterskeule bei Frauen viel
unbarmherziger als bei Männern zu. Ab 50 plus sollen sie gefälligst
unsichtbar werden. Also genau dann, wenn Männer noch einmal zum
großen, lukrativen Karriereschritt ausholen. Und diese
Ungerechtigkeit - das frühere Pensionsantrittsalter - wird
ausgerechnet von jenen Frauenorganisationen mit Zähnen und Klauen
verteidigt, die sonst zu Recht Diskriminierung beklagen. Wundert sich
da wirklich jemand, dass Verdienst, Pension und Frauenquoten in der
höchsten Hierarchieebene geringer ausfallen?
Ja, und es stimmt auch: Frauen bleiben in Österreich länger als
anderswo daheim bei den - wenigen - Kindern. Seit auch die Wirtschaft
die weibliche Arbeitskraftressource entdeckt hat, gilt das von links
wie von rechts als total verpönt. Nur wer eine (mindestens) 40
Stunden-Woche vorweisen kann, ist eine "gute" Frau. Nicht besonders
fantasievoll - und auch bestürzend, weil so wenig bis überhaupt nicht
von den Bedürfnissen der Kinder die Rede ist. Natürlich fehlen
dringend Ganztagsschulen und Kinderbetreuungsplätze - aber auch eine
Debatte darüber, wie deren Qualität aussehen soll, damit man Kinder
dort guten Gewissens unterbringen kann. Warum bitte, gibt es auch im
seit ewigen Zeiten rot regierten Wien funktionierende
Ganztagsbetreuung vorzugsweise in privaten (katholischen)
Einrichtungen? Warum wird nicht österreichweit schon seit Jahrzehnten
massiv in neue moderne, gut ausgestattete Schulen - inklusive Küche
und Aufenthaltsräumen - investiert?
Absurd ist auch das Wehklagen - unter anderem der Grünen -
darüber, dass die steigende Frauenerwerbsquote "nur" auf
Teilzeitarbeit beruht. Ist es wirklich so schlecht, wenn Menschen für
Kinder, Pflege oder Bildung eine Zeitlang kürzer treten (können)?
Definieren wir uns alle zu 100 Prozent über den Job? Ziemlich
unmenschlich! Der diskutierte Papamonat (der wie auch sonst alles an
Sachpolitik in dieser absurden Krach-Regierung untergeht) wäre ein
sinnvolles Signal, dass Kindersache auch Vätersache ist. Eine
Zeitlang beim Kind zu bleiben, ist nicht per se problematisch.
Schwierig wird es, wenn sich Mütter viele Jahre komplett vom Job
abkoppeln. Der Wiedereinstieg ist eine Schlüsselstelle, um die sich
Politik und Wirtschaft viel mehr kümmern muss - und auch will, wie
Staatssekretärin Marek angekündigt hat.
Und die steigende Armut - speziell bei Frauen? Die ist zu einem
guten Teil importiert. Österreich achtet zu wenig darauf, wer ins
Land kommt. Sehr oft waren es arme, ungebildete Schichten mit einem
rückständigen Frauenbild. Natürlich ist dort dann die Frauen-Armut
daheim, genauso wie alte Machismo-Ideologien, die - im Sinne einer
alles umfassenden und alles missverstehenden Toleranz - auch wieder
in Mitteleuropa Fuß fassen.
Geschlechterunterschiede werden sogar vom Schulwesen perpetuiert.
Seltsam, wo doch die Mädchen mehrheitlich von weiblichem Lehrpersonal
unterrichtet werden, erfolgreicher sind, weniger durchfallen,
häufiger die Matura erreichen! Stimmt, aber ihr Erfolg ist auf die
Regeln der Schule gut abgestimmt, wo motorische Unruhe,
Unangepasstheit und Maulheldentum (also eher männliche
Charaktereigenschaften) bestraft wird. Die Strebsamkeit der Mädchen
wird belohnt, und sie schweigen lieber, wenn sie nicht gefragt
werden. Später machen dann aber bevorzugt die "bösen" Buben Karriere.
Was ist mit der jungen Generation, denkt sie partnerschaftlicher?
Welch eine Illusion! Emanzipatorisches Denken ist bei den Teens so
out wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Fazit: Der Marsch durch die
Institutionen, den die 68er-Generation ausgerufen hat, ist bei den
Frauen längst nicht zu Ende. Im Übrigen waren gerade die 68er ja
wahrlich keine partnerschaftlichen Vorbilder, sondern Machos in
Reinkultur.
Rückfragehinweis:
Die Presse
Chef v. Dienst
Tel.: (01) 514 14-445
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