• 07.03.2008, 09:00:00
  • /
  • OTS0024 OTW0024

Konjunktur klingt in Österreich langsam ab

Wien (WIFO) - Im IV. Quartal 2007 wuchs die heimische Wirtschaft
saison- und arbeitstägig bereinigt um 0,6% und damit immer noch sehr
schwungvoll. Allerdings verringert sich die Dynamik bereits seit dem
II. Quartal 2007 und auch in den ersten Monaten 2008, wie
Unternehmensumfragen zeigen. Bis zum Jänner war noch keine
Beschleunigung dieser Tendenz zu erkennen, die durch die Eintrübung
der Konjunktur in den USA hervorgerufen worden wäre; erst im Februar
wurden die Produktionsaussichten deutlich ungünstiger beurteilt. Die
Wechselkursentwicklung wird zu einer immer größeren Gefahr für die
europäische Exportwirtschaft.

Gemäß der zweiten Berechnung übertraf das BIP den Wert der
Vorperiode im IV. Quartal 2007 saison- und arbeitstägig bereinigt um
0,6%. Damit verlangsamte sich das Wachstum neuerlich (I. Quartal 2007
+0,9%, II. und III. Quartal +0,8%), wenngleich die Dynamik nach wie
vor hoch war. Die Wachstumsrate erreicht üblicherweise einige
Quartale vor dem eigentlichen Konjunkturhöhepunkt ihren Höchstwert.
Zum Konjunkturwendepunkt sinkt die Wachstumsrate wieder auf ihr
durchschnittliches Niveau. In dieser Phase ist die Wirtschaft in
höchstem Maße ausgelastet. Betrachtet man die Entwicklung des BIP als
geeigneten Konjunkturindikator, so war dieser Konjunkturhöhepunkt in
Österreich um den Jahreswechsel 2007/08 angesiedelt.

Die Industrieproduktion läuft der gesamtwirtschaftlichen
Konjunktur üblicherweise etwas voraus. Hier waren die höchsten
Wachstumsraten bereits im IV. Quartal 2006 zu beobachten. Der
Höhepunkt der Industriekonjunktur dürfte ein halbes Jahr danach zu
datieren sein. Dies bestätigen auch die Angaben der Unternehmen zur
Kapazitätsauslastung, die gemäß dem WIFO-Konjunkturtest im II.
Quartal 2007 ihren Höchstwert erreichte.

Das internationale Konjunkturgeschehen wird durch die Entwicklung
in den USA überschattet: Nachdem das BIP in den USA im IV. Quartal
2007 mit +0,2% gegenüber der Vorperiode nahezu stagniert hat, deuten
die jüngsten Unternehmensumfragen auf einen Rückgang in der
Sachgütererzeugung hin. Die Notenbank steht vor dem Dilemma, entweder
die Wirtschaft durch eine weitere Zinssatzsenkung zu stützen oder die
sich beschleunigende Inflation durch Zinssatzerhöhungen zu bekämpfen.
Die Fiskalpolitik hat in den USA bereits umfangreiche Maßnahmen zur
Stützung des privaten Konsums ergriffen.

Weitestgehend unabhängig von möglichen Auswirkungen der
Finanzkrise in den USA ließ das Wirtschaftswachstum im Euro-Raum Ende
2007 nach - es war im IV. Quartal 2007 mit +0,4% gegenüber der
Vorperiode nur halb so hoch wie im III. Quartal. Diese Abschwächung
darf nicht überinterpretiert werden - auch im II. Quartal 2007 war
die Rate mit +0,3% deutlich niedriger gewesen als in der Vorperiode
(+0,8%). Allerdings weisen sowohl die Entwicklung der
Industrieproduktion als auch die Unternehmensumfragen auf eine
Verringerung der Dynamik hin.

Gemäß dem jüngsten WIFO-Konjunkturtest scheint sich die Lage der
heimischen Bauwirtschaft, nach einer Schwächephase im IV. Quartal,
Anfang 2008 wieder zu bessern. Besonders kräftig expandierte der
Tourismus, sowohl die Zahl der Nächtigungen als auch die Erlöse
übertrafen das Vorjahresergebnis in der ersten Hälfte der
Wintersaison 2007/08 deutlich.

Übersicht 1: Ergebnisse der vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen
Gesamtrechnung - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)

Nach wie vor ist der Preisauftrieb in Österreich außerordentlich
hoch. Im Jänner betrug die Inflationsrate 3,3%. Sie war damit zwar
etwas niedriger als im Dezember, doch sorgt die Preisentwicklung auf
den Rohöl- und Agrarmärkten für anhaltende Teuerungsimpulse.

Äußerst günstig ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt. Dieser reagiert
üblicherweise mit einiger Verzögerung auf die Konjunktur. Während die
Beschäftigung weiterhin zügig ausgeweitet wird, geht die
Arbeitslosigkeit neuerlich zurück. Im Februar sank die
saisonbereinigte Arbeitslosenquote nach österreichischer
Berechnungsmethode auf 5,9%. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote
laut Eurostat verringerte sich im Jänner auf 4,2% (für Februar sind
noch keine Daten verfügbar). Österreich wies damit die
fünftniedrigste Arbeitslosenquote aller 27 EU-Länder auf.

Abbildung 1: Entwicklung des realen Bruttoinlandsproduktes - auf der
WIFO-Website (http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
3/2008!

Rückfragehinweis:
Dr. Marcus Scheiblecker
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-245 * Fax. +43 1 798 93 86
mailto:[email protected]

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | WFO

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel