• 07.03.2008, 08:39:13
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Täglich suchen 9 Frauen und Kinder Zuflucht in Frauenhäusern

Gewalt-Statistik 2007 der Dachorganisation der Frauenhäuser (AÖF) zum Int. Frauentag

Wien (OTS) - Im Jahr 2007 fanden 3.190 Personen Schutz und
Unterkunft in den 26 autonomen österreichischen Frauenhäusern. Von
den 1.641 Frauen und 1.549 Kindern wurden lediglich 4 Prozent der
Frauen über ÄrztInnen oder Spitäler vermittelt. Weitaus besser
funktioniert die Kooperation mit der Polizei mit 13 Prozent oder den
Jugendämtern mit 8 Prozent der Vermittlungen. Eine große Rolle spielt
auch das soziale Umfeld, 16 Prozent der Frauen haben über Verwandte
und Bekannte vom Frauenhaus erfahren. Die Anzahl von 3.190 Personen
entspricht im Vergleich zum Jahr 2006 mit 3.143 Personen einer
leichten Zunahme an Frauenhausaufenthalten um 1,5 Prozent. In Summe
hielten sich die von Gewalt betroffenen Frauen und Kinder 170.723
Tage in den Frauenschutzeinrichtungen auf. Die Mitarbeiterinnen der
Frauenhäuser haben darüber hinaus 17.275 Beratungen und
Nachbetreuungsgespräche mit Frauen, die noch nicht bzw. nicht mehr im
Frauenhaus leben, durchgeführt.

Sensibilisierung im Gesundheitswesen fehlt

Die AÖF-Statistik 2007 zeigt, dass von 1.641 Frauen 1.549 Kinder
lediglich 4 Prozent der Frauen über ÄrztInnen und Spitäler in die
Frauenhäuser vermittelt wurden. "Dabei sind niedergelassene ÄrztInnen
und auch Spitalspersonal häufig die erste Anlaufstelle für Frauen,
die Gewalt erlebt haben. Dass belegt die deutsche Repräsentativstudie
zur Gewalt gegen Frauen aus 2004 eindeutig", so Geschäftsführerin des
AÖF, Mag.a Maria Rösslhumer: "Gewalt gegen Frauen stellt ein kurz-,
mittel und langfristiges Gesundheitsproblem dar. Bei Erstversorgung
von Gewaltopfern ist eine wichtige Voraussetzung das Erkennen der
Gewaltsituation, um hier adäquate medizinische Versorgung zu
gewährleisten und ggf. auch Opferschutzinterventionen einzuleiten."

Eine flächendeckende Schulung des medizinischen Personals wird nur
in Niederösterreich seit 2000 durchgeführt. Gänzlich fehlt der
Bereich "körperliche und psychosomatische Folgeschäden von
geschlechtsspezifischer Gewalt" als fixer Bestandteil im
Medizinstudium. Familiäre Gewalt verursacht eine enorme Belastung der
Volkswirtschaft, wie die internationale Stocktaking Study des
Europarats von Carol Hagemann-White nachwies. Dem könnte durch
entsprechende Früherkennung mit flächendeckend geschulten ÄrztInnen
entgegengewirkt werden.

Einkommensschere begünstigt Gewaltspirale

Bei Einzug ins Frauenhaus verfügten 27 Prozent der Frauen über
kein eigenes Einkommen. Im Vergleich dazu sind nur 5 Prozent der
Misshandler ohne Einkommen. Hier zeigt sich deutlich die ökonomische
Dimension von Gewalt, die durch finanzielle Abhängigkeit und durch
die bekannte Einkommensschere begünstigt wird. Das bestätigt sich
auch im Jahresvergleich: im Jahr 2006 waren 25 Prozent der Frauen und
3 Prozent ihrer Misshandler, im Jahr 2005 sogar 28 Prozent der Frauen
und 5 Prozent ihrer Misshandler ohne Einkommen. Für 2007 ist erstmals
auch die Einkommenssituation bei Auszug aus dem Frauenhaus in der
AÖF-Statistik erfasst. Die Anzahl der Frauen ohne Einkommen
verringert sich beim Auszug auf 19 Prozent - also um rund ein
Drittel! Dies verdeutlicht die Wirksamkeit der Unterstützungsarbeit
in den Frauenhäusern.

Gesamtstatistik zum DOWNLOADEN unter: www.aoef.at/start.htm

Rückfragehinweis:
Informationsstelle gegen Gewalt
Birgit Wolf, Maria Rösslhumer
Tel. 01/544 08 20, [email protected]
www.aoef.at/start.htm

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