Nachruf - Klaus Albrecht Schröder zum Tod von Peter Kamm

Wien (OTS) - Wie wir soeben mit tiefer Betroffenheit erfahren
haben, ist am vergangenen Dienstag, dem 26. Februar 2008, der bedeutende Kunstsammler Peter Kamm in Davos nach einem längeren schweren Leiden verstorben. Peter Kamm war 72 Jahre alt.

Der Tod von Peter Kamm bedeutet für die Kunstwelt einen schweren Verlust. Österreich schuldet diesem großen Schweizer in vielfacher Hinsicht tiefsten Dank.

Peter Kamm ist am 21. März 1935 als Sohn von Fritz Kamm und dessen Frau Editha in Zug geboren. Von seinen Eltern erbte Peter Kamm die neben Ronald Lauders Neuer Galerie in New York größte Sammlung an österreichischer Moderne außerhalb Österreichs. Diese Sammlung reicht jedoch mit Hauptwerken von Franz Marc und August Macke, von Kandinsky und Paul Klee weit über die Wiener Moderne mit den Schwerpunkten Klimt, Schiele, Kokoschka, Gerstl und Böckl hinaus.

1952 erwarb Fritz Kamm auf Initiative von Fritz Wotruba die wichtige Wiener Galerie Würthle. 1964 beendete Fritz Wotruba seine Tätigkeit für die Galerie, kurz darauf zog sich auch Fritz Kamm sukzessive von der Galerie zurück. Nach dem Tod seines Vaters 1967 übernahm Peter Kamm die Galerie Würthle von seinem Vater und versuchte sie vorerst noch gemeinsam mit der legendären Frau Luise und einer neuen künstlerischen Leitung, dem Kunstkritiker und späteren Chef des Rupertinums, Otto Breicha, zu führen.

Aber nicht zuletzt veränderte Verhältnisse und wohl auch eingeschränkte finanzielle Möglichkeiten zwangen Peter Kamm Ende der 60er-Jahre die für die Etablierung der internationalen Moderne so wichtige Galerie in der Wiener Weihburggasse zu verkaufen.

Die kapitale Sammlung seiner Eltern - die Albertina zeigte sie zuletzt 2004 unter dem Titel Wotruba und die Moderne - Gustav Klimt bis Paul Klee - wurde in der Folge von Peter Kamm und seiner Frau Christine gepflegt und weiter ausgebaut. So erwarb Peter Kamm von der Witwe Hans Hofmanns dessen Bibliothek und den gesamten zeichnerischen Nachlass.

Peter Kamm fühlte sich daneben auch zutiefst der zeitgenössischen Kunst verpflichtet. Lange, ehe Roman Signer als einer der einflussreichsten Schweizer Gegenwartskünstler erkannt wurde (im Hamburger Bahnhof in Berlin wurde soeben eine Retrospektive gezeigt), sammelten bereits Peter und Christine Kamm dessen aktionistisches Werk.

Das bleibende Verdienst von Peter Kamm ist das Vermächtnis der großen Kunstsammlung. 1998 übergaben er und seine Frau die Stiftung Sammlung Kamm an das Kunsthaus Zug. Dadurch wurde dieses bis dahin ein Schattendasein führende zu einem Hauptansprechpartner und Leihgeber aller wichtigen Wien um 1900-Ausstellungen.

Die Feier des zehnjährigen Jubiläums der Domizilierung seiner Sammlung im Kunsthaus Zug sollte Peter Kamm ebenso wenig mehr erleben wie die Errichtung eines neuen Zubaus an das alte Museumsgebäude für die Sammlung Kamm. Das Anliegen, den Wirtschaftsstandort Zug auch zu einem Kulturstandort zu machen, verband Peter Kamm zutiefst mit seiner Frau Christine und seiner Schwester Christa.

"Meine persönlichen Erinnerungen an Peter Kamm sind von seiner großen Ernsthaftigkeit und uneingeschränkten Leidenschaft für die Kunst geprägt. Sein Interesse an der Kunst ist immer einer persönlichen Notwendigkeit entsprungen. Kunst war ihm nie Prestige oder Renomée. Daher resultierte auch sein oft stilles, aber umso nachhaltigeres Wirken als Sammler und großzügiger Mäzen." (Klaus Albrecht Schröder)

Man wird Peter Kamm nicht gerecht, wenn man nicht auch seine Rolle als Architekt würdigt.

Nachdem Peter Kamm in Zürich Architektur studiert hatte, volontierte er bei Roland Rainer in Wien: eine Zeit, die ihn tief geprägt hat. In diesen Jahren entwickelte Peter Kamm sein philosophisch determiniertes Baukonzept, das von Beginn an zukünftige, nicht vorhersehbare Umbauten einschließt und zu späteren Veränderungen durch Nachnutzer geradezu ermutigt. Anstelle starrer Wände basiert Kamms Baukonzept auf einem Stützensystem, das flexible Anpassungen nach Widmungsänderungen kosten- und energiesparend ermöglicht. Peter Kamm nannte dieses Bauen 4 D; die vierte Dimension der Zeit und ihrer Veränderungen sollte bereits in den Entwurfsprozess Eingang finden.

Den Prototyp dieses in der Schweiz heute einflussreichen Bauens bildete sein eigenes Wohnhaus in Zug aus den frühen 70er-Jahren. Von diesem berichtete er noch zuletzt stolz, dass nach den mehrmaligen Besitzerwechseln keine einzige Wohnung mehr den ursprünglichen Grundriss aufweist.

Der Höhepunkt seines architektonischen Wirkens ist zweifelsohne die Errichtung des Universitätsspitals in Bern, wo er seine Idee der flexiblen Gebäudestruktur erstmals an einem Großbau verwirklichen konnte. Die kurz bevor stehende Fertigstellung dieses Spitals sollte Peter Kamm nicht mehr erleben.

Klaus Albrecht Schröder
Direktor der Albertina

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