- 21.02.2008, 18:05:20
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DER STANDARD-KOMMENTAR "Hilfloses Schweigen" von Thomas Trenkler
Claudia Schmied weiß keine Antwort auf Rudolf Leopolds peinliche Provokation - Ausgabe vom 22.2.2008
Wien (OTS) - Man kann Rudolf Leopold sehr vieles unterstellen.
Naiv aber ist der Augenarzt, Sammler und Museumsdirektor auf
Lebenszeit nicht. Die Egger-Lienz-Retrospektive feiert daher nicht
nur, wie das Leopold Museum in einer Aussendung unschuldig beteuert,
den "großen Künstler Albin Egger-Lienz": Die Schau ist eine
kalkulierte Provokation. Denn Leopold zeigt - unbeeindruckt von
vielerlei Bemühungen im letzten Jahrzehnt, das schändliche Kapitel
der in der NS-Zeit geraubten Kunst aufzuarbeiten - vierzehn Werke des
Osttiroler Malers, bei denen nach wie vor Verdacht besteht, unter
zweifelhaften Umständen in öffentliche Sammlungen gekommen zu sein.
Die Fakten liegen seit Jahren auf dem Tisch: Am 20. Oktober 2001
hatte der Standard die umfangreiche Recherche "Das Gieren nach
Egger-Lienz" veröffentlicht. Passiert ist seither wenig, denn das
Rückgabegesetz aus 1998 bezieht sich nur auf die Bundesmuseen, nicht
aber auf Stiftungen (wie die vom Staat zusammen mit Leopold
gegründete) beziehungsweise auf die Sammlungen der Länder und
Gemeinden. In Innsbruck wie Klagenfurt stellt man sich daher taub.
Und die Stadt Lienz, die den weit größten Bestand an
Egger-Lienz-Bildern mit fragwürdiger Provenienz hat, nahm nur in den
zwei augenscheinlichsten Fällen Restitutionen vor.
Die Retrospektive ist daher, wie es Wolfgang Zinggl formulierte, die
"wahrscheinlich größte Präsentation von Raubkunst in Österreich seit
vielen Jahren". Der Kultursprecher der Grünen hält sie für unzumutbar
- und forderte Kulturministerin Claudia Schmied auf, endlich Taten zu
setzen.
Doch am Minoritenplatz ist man ziemlich schmähstad: Schmied war
bisher zu keiner Stellungnahme (beispielsweise des Bedauerns) bereit.
Das stimmt in mehrerlei Hinsicht nachdenklich. Denn Schmieds
Ministerium musste von Leopolds Plänen, im Museumsquartier
raubkunstverdächtige Werke zu präsentieren, unterrichtet gewesen
sein. Im achtköpfigen Vorstand der Stiftung Leopold sitzen
schließlich zwei vom Kulturministerium entsandte Personen. Und einer
davon, Helmut Moser, der Vorsitzende, ist sogar leitender Beamter.
Da auch das Finanzministerium mit zwei Personen im Vorstand
vertreten ist, liegt der Schluss nahe: Diese Provokation von Leopold
wurde stillschweigend von der Republik Österreich geduldet.
Claudia Schmied mag die Kritik als ungerechtfertigt empfinden.
Schließlich hatte sie vor einem Dreivierteljahr im Standard-Interview
beteuert, die Restitution als "moralische Pflicht" zu sehen. Damals
zog sie eine Novellierung des einschränkend formulierten
Ermächtigungsgesetzes in Betracht. Und sie kündigte Gespräche mit
Rudolf Leopold an. Doch auch jetzt kann ihr Pressesprecher nur das
Gleiche wiederholen: Man sei an einer "sauberen Lösung" interessiert.
Denn weder wurde in diesem Dreivierteljahr eine Novelle zur
Rückgabegesetz ausgearbeitet, noch das Gespräch mit Leopold gesucht.
Die Provenienzforschung wird daher weiterhin von einem Historiker
betrieben, der, von der Stiftung entlohnt, pro domo argumentiert. Und
weiterhin prallen an Rudolf Leopold, der partout nichts von
Restitutionen wissen will, die berechtigten Vorwürfe von Zinggl ab:
Die Stiftung sei "nicht in der Lage, politisch oder privat
motivierten Zurufen ohne entsprechende Legitimation zum Schaden der
Stiftung nachzukommen".
Wohlwollend könnte man meinen, Schmieds Schweigen ist angesichts der
ungeheuren Behauptungen Leopolds in den letzten Tagen ein betretenes.
Es dürfte aber eher ein hilfloses sein. Die Öffentlichkeit wird nur
vertröstet: Am 26. März - das bedeutet einen Zeitgewinn von einem
Monat - will Schmied zusammen mit Clemens Jabloner, seit letztem
Sommer Vorsitzender des Rückgabebeirats, erste Schritte bekanntgeben.
Diese fußen auf einem Gutachten, das grundsätzliche Möglichkeiten im
Zusammenhang mit der Stiftung auslotet. Die Idee zum Gutachten hatte
leider nicht das Ministerium - sondern die Kultusgemeinde, die es in
Auftrag gab und bezahlte. Auch das ist beschämend.
Rückfragehinweis:
Der Standard
Tel.: (01) 531 70/445
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