• 30.01.2008, 09:00:00
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  • OTS0012 OTW0012

Rückgang der Krankenstände in Österreich: Bestimmungsfaktoren und Ausblick

Wien (WIFO) - Die Krankenstandsquote war in Österreich in der
Periode 2000/2006 rückläufig, und auch gegenüber den Höchstwerten in
den späten siebziger Jahren ist ein Rückgang der Krankenstände zu
beobachten. Im Jahr 2006 waren die unselbständig Beschäftigten in
Österreich im Durchschnitt 11,5 Tage krank, das war in der
Krankenstandsstatistik der bisher niedrigste Wert, 1980 waren es noch
17,4 Tage gewesen.

Diese Entwicklung hängt mit den großen Veränderungen auf dem
Arbeitsmarkt seit den achtziger Jahren zusammen. Die Verfestigung der
Arbeitslosigkeit dürfte dazu beigetragen haben, die durchschnittliche
Zahl der Krankenstandstage pro Kopf der Beschäftigten zu dämpfen.
Arbeitsmarkt-, Beschäftigungs- und Sozialpolitik haben ebenfalls auf
die Veränderung der Rahmenbedingungen reagiert und dadurch vor allem
das Krankenstandsniveau älterer Beschäftigter beeinflusst. Die hohe
Fluktuation der Krankenstände älterer Arbeitskräfte zeigt, dass die
Gestaltung des Übergangs zwischen Beschäftigung, Arbeitslosigkeit und
Ruhestand für die Krankenstandsentwicklung eine wichtige Rolle
spielt: Häufig oder chronisch kranke Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmer sind den Anforderungen ihres Arbeitsplatzes oft nicht
mehr voll gewachsen und wählen, je nach betriebs-, arbeits- und
sozialpolitischen Möglichkeiten und Rahmenbedingungen, einen
Frühausstieg aus dem Erwerbsleben.

Auch der Wandel der Branchen- und Berufsstruktur der Beschäftigung
beeinflusst die Krankenstandsentwicklung. Die Verlagerung von
arbeitsintensiven Prozessen und körperlich anspruchsvollen
Tätigkeiten ins Ausland sowie der technologische Fortschritt dämpfen
die Zahl der Krankenstandstage. Damit verringert sich vor allem die
hohe Krankenstandsquote der Arbeiter und nähert sich dem Niveau der
Angestellten an. Zugleich verändert sich die Bedeutung einzelner
Krankenstandsursachen - Verletzungen verlieren an Gewicht, während
psychische Erkrankungen an Bedeutung gewinnen.

Diese Effekte des wirtschaftlichen Strukturwandels werden von
demographischen Veränderungen überlagert. Ältere Beschäftigte weisen
überdurchschnittlich hohe Krankenstände auf. Die Alterung der
Erwerbsbevölkerung und das Ziel, die Erwerbsbeteiligung von Älteren
zu erhöhen, bedeutet eine Herausforderung, wenn die
Krankenstandsquote niedrig gehalten werden soll. Berechnungen zeigen
allerdings, dass der demographische Effekt geringfügig ist und auch
in Zukunft die Alterung der Erwerbsbevölkerung für sich genommen nur
einen mäßigen Anstieg der Krankenstandsquote mit sich bringen wird.
Von großer Bedeutung ist dagegen, unter welchen
Arbeitsplatzbedingungen Ältere am Erwerbsprozess beteiligt und welche
beschäftigungs- und arbeitsmarktpolitischen Akzente gesetzt werden.

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
1/2008
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?fid=23923&id=31045&typeid=8&
display_mode=2) und der folgenden WIFO-Studie im Auftrag der
Wirtschaftskammer Österreich: Thomas Leoni, Gudrun Biffl, Alois
Guger, Fehlzeitenreport 2007. Krankheits- und unfallbedingte
Fehlzeiten in Österreich (154 Seiten, 50 Euro, Download 40 Euro,
http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?fid=
23923&id=30919&typeid=8&display_mode=2)!

Rückfragehinweis:
Mag. Thomas Leoni
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-215 * Fax. +43 1 798 93 86
mailto:[email protected]

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