"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Sündenfall mit Anlauf" (Von Peter Nindler)

Ausgabe vom 25. Jänner 2008

Innsbruck (OTS) - Im Land der Titel und Orden reiht sich Peter Haßlacher mit seinem jahrelang verwendeten Magister-Titel ohne Studienabschluss nahtlos ein. Der ehemals in einer führenden Funktion tätige Alpenvereins-Mitarbeiter ist Teil eines Schein-Systems:
Doktor, Magister, Hofrat und die Frau Doktor ohne Dissertation an der Seite ihres promovierten Ehemanns gelten oftmals mehr - nicht nur beim Frisör. Die Gesellschaft züchtet so ihre eigenen Auswüchse.

Nur eines ist die ganze Geschichte sicher nicht: ein Kavaliersdelikt. Verniedlichungstendenzen sind nicht angebracht, allerdings sollte man auch nicht den Stab über Haßlacher brechen. Inhaltlich gilt er als fundierter Experte und Anwalt der Natur - der auch zu Kompromissen fähig ist.

Trotzdem: Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. So wie ein akademischer Grad nicht gleichzeitig etwas über die Kompetenz der Magistra oder des Magisters aussagt. Doch Haßlacher hat über Jahre eine falsche Tatsache vorgespiegelt. Er wollte mehr sein, als er ist - eben ein Magister. Und das ist nicht zu rechtfertigen. Weder in einer exponierten öffentlichen Funktion noch im kleinen Kreis.

Der Alpenverein musste ihn aus der Schusslinie nehmen und von seiner Funktion als Leiter der Fachabteilung Raumplanung-Naturschutz abberufen, schließlich geht es um die Glaubwürdigkeit des Vereins. Doch Haßlacher wird nicht fallen gelassen, was die Wertschätzung des OeAV gegenüber seinem langjährigen Mitarbeiter ausdrückt. Ein Glücksfall, denn nicht jeder erhält wie Haßlacher eine zweite Chance. Das muss ihm bewusst sein, obwohl seine Reputation im Keller und seine Karriere beendet ist.

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