• 24.01.2008, 11:55:39
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  • OTS0157 OTW0157

Österreich darf sich nicht drücken!

Die EU-Richtlinie für erneuerbare Energien und ihre Konsequenzen für Österreich

Wien (OTS) - "Der Österreichische Biomasse-Verband begrüßt die
vorgeschlagene EU-Richtlinie für erneuerbare Energien und sieht darin
einen entscheidenden Schritt zum beginnenden Umbau des Energiesystems
Richtung mehr Effizienz und erneuerbaren Energieträgern", erklärt
Heinz Kopetz, Vorsitzender des Verbandes und Präsident des
Europäischen Biomasse-Verbandes AEBIOM. "Die Richtlinie eröffnet
riesige wirtschaftliche Chancen für die starke österreichische
Umwelt- und Erneuerbare-Energien-Industrie, weil jetzt alle Länder
der Europäischen Union enorme Anstrengungen zum Ausbau der
Erneuerbaren setzen müssen und sich daher einmalige Exportchancen
eröffnen. Aber auch der Heimmarkt muss wesentlich ausgeweitet werden,
um die EU-Ziele zu erreichen."

Nach ersten Berechnungen des Österreichischen Biomasse-Verbandes
sind die Vorgaben aus Brüssel mit der aktuellen Energie- und
Klimapolitik nicht zu erreichen. Laut den Prognosen des WIFO würde
bei business as usual ("Baseline-Szenario") der
Primärenergieverbrauch bis 2020 auf über 1750 Petajoule (PJ) steigen
und der Betrag der Erneuerbaren auf knapp 400 PJ.

Um die Zielsetzungen gemäß Richtlinie zu erreichen, müsste der
Verbrauch unter 1500 PJ bleiben (derzeit ca. 1440 PJ), der Beitrag
der Erneuerbaren auf 500 PJ (derzeit 305 PJ) steigen. Der Einsatz der
fossilen Energieträger muss spürbar zurückgehen.

Die Umsetzung der neuen Direktive erfordert in Österreich einen
Paradigmenwechsel in der Energiepolitik, weniger fossile Energie,
weit gehender Stopp des Verbrauchsanstieges durch eine drastische
Effizienz-verbesserung und Sparbemühungen sowie wesentlich
beschleunigter Ausbau der Erneuerbaren Energien.

Klimaziele der EU müssen korrigiert werden

Die Einhaltung der Kyoto-Ziele ist für Österreich nach wie vor
verbindlich. Nach den Vorstellungen der Europäischen Kommission
könnte Österreich die CO2-Emissionen nach Erfüllung des
Kyoto-Vertrags wieder erhöhen. Das ist inkonsequent, die neuen
Klimaschutzziele für Österreich müssen jedenfalls von geringeren
Emissionen ausgehen als jene des Kyoto-Vertrags.

Inhalte der Richtlinie

Die Richtlinie ist in mehrfacher Hinsicht eine historische
Weichenstellung:

- Erstmals werden verbindliche Ziele festgelegt, deren 
   Nichterreichung mit Sanktionen gemäß EU-Recht belangt werden.
 - Alle Energiemärkte werden einbezogen - Wärme, Strom und 
   Treibstoffe; das ist ebenfalls ein Novum.
 - Die Länder werden verpflichtet einen klaren Zeitplan und einen 
   Maßnahmenkatalog vorzulegen  und müssen regelmäßig berichten.
 - Der nationale Aktionsplan, in dem diese Angaben zusammengefasst 
   werden, muss spätestens bis 31. 3. 2010 notifiziert sein.

Für Österreich gelten folgende Vorgaben:

Anteil Erneuerbare Energien in %

2005         23,3
 2011/12      26,0
 2013/14      27,0
 2015/16      28,1
 2017/18      30,3
 2020         34,0

Biotreibstoffe 2020: 10 %

Mit dem Ziel von 34 % zählt Österreich zu den vier Ländern mit den
höchsten Zielen, diese sind:

Schweden     49 %
 Lettland     42 %
 Finnland     38 %
 Österreich   34 %

Am unteren Ende rangieren Ungarn 13 % (derzeit 4,3 %), die
tschechische Republik 13 % (derzeit 6,1 %) und England 15 % (derzeit
1,3 %).

Die Richtlinie enthält außerdem umfangreiche Regelungen über die
Herstellung von Herkunftszertifikaten für erneuerbare Wärme und
Strom. Diese Passagen sind nach Ansicht des Österreichischen
Biomasse-Verbandes nicht notwendig und führen zu überflüssiger
Bürokratie. Auch umfangreiche Bestimmungen über die Nachhaltigkeit
von Biotreibstoffen sind vorgesehen - diese sind weit gehend
berechtigt.

Ziele für Österreich zu nieder

Die österreichische Regierung hat in ihrem Programm einen Anteil
von 45 % an Erneuerbaren Energien für 2020 festgelegt. Das nunmehr
deutlich geringere Ziel ist enttäuschend. Es kam offensichtlich
zustande, weil die Regierung in den Verhandlungen ihr eigenes Ziel
nicht vertreten hat.

Allerdings: der Umbau des Energiesystems wird im Jahre 2020 nicht
aufhören. Er wird beschleunigt weiter gehen. Der Österreichische
Biomasse-Verband vertritt daher den Standpunkt, die EU-Vorgaben sind
Mindestziele, Österreich soll an seinen weitergehenden Zielen
festhalten und im Sinne einer längerfristigen Planbarkeit bis
2025-2030 einen Anteil an Erneuerbaren von 50 % anpeilen.

Fundamentaler Umbau des Energiesystems muss jetzt beginnen!

1. Energieeffizienz und Sparen

Ein Schwerpunkt in den kommenden Jahren ist die Bremsung des
Verbrauchsanstiegs bei Energie - das gilt insbesondere für Wärme,
Treibstoffe und Strom. Dazu sind jetzt neue Konzepte und eine Reihe
legistischer Maßnahmen notwendig.

2. Forcierung der Erneuerbaren Energien

Alle Formen der Erneuerbaren müssen beschleunigt ausgebaut werden,
um diese Vorgaben zu erreichen.

Entwicklungsziele erneuerbarer Energien in Österreich in PJ

Technologie                                2004     2020

 Photovoltaik                               0,05      0,6
 Solarthermie                               3,4      19,0
 Windkraft                                  3,3      21,0
 Kleinwasserkraft                          14,0      23,0
 Geothermie/Umgebungswärme                  4,7      10,0
 Großwasserkraft                          115,0     147,0
 Zwischensumme 1 (sonstige Erneuerbare)   140,45    220,6
 Feste Biomasse                           155,1     225,0
 Flüssige Biomasse                          1,0      35,0
 Gasförmige Biomasse                        0,9      20,0
 Zwischensumme 2 (Biomasse)               157,0     280,0
 Gesamtsumme                              297,45    500,6


Wärmebereich und Kühlung

Einige Beispiele sollen verdeutlichen, was in Zukunft notwendig wird:

- Thermische Sanierung des Altbestandes auf 4 % pro Jahr anheben
 - Bauordnung generell auf Standards in der Wohnbauförderung anheben
 - Investitionen in Öl und Gas zur Wärmeversorgung weit gehend 
   einstellen
 - Anregung: Wettbewerb auf Bezirks- und Gemeindeebene: 'Wer 
   erreicht Wärmeversorgung ohne fossile Energie?', 'Wer erreicht 
   zwei Quadratmeter Solarkollektorfläche pro Einwohner?' etc.

Strombereich

- Fossile Großkraftwerke erhöhen den Anteil der fossilen Energie, 
   statt ihn zu verringern, und haben in der neuen Richtlinie keinen 
   Platz.
 - Stromproduktion aus Wind muss vervielfacht werden, Strom aus 
   Biomasse aus Abfall (Gülle, Mist) sowie aus Stroh und in kleinen 
   KWK-Anlagen (unter 500 kW) soll rasch ausgebaut werden. Ziel: 
   85 % Strom aus Erneuerbaren (z. B. 42 % Wasser, 17 % Wind, 6 % 
   Biomasse)
 - Stromeffizienzgesetz

Industrie teilweise Opfer der verfehlten Strategie der
Industriellenvereinigung

Die Industrie ist wegen der CO2-Reduktion zu recht besorgt. Es
wäre besser, mehr CO2-Zertifikate der Industrie zu reservieren und
weniger der Stromerzeugung - das aber erfordert den raschen Ausbau
der erneuerbaren Stromerzeugung. Durch die Bremsmanöver der
Industriellenvereinigung ist jetzt der Wettbewerb um Zertifikate
größer, und die Industrie muss mehr zahlen. Daher ist zu hoffen, dass
die IV in Zukunft Strom aus Erneuerbaren Energien wirksam unterstützt
und nicht bremst.

Steuerreform

In den Dienst der Energieeffizienz stellen, Energie höher
besteuern und Ökobonus an Haushalte zahlen und Lohnnebenkosten
senken, um so Sparanreize zu verstärken.

Ausblick

Auch Österreich braucht jetzt so rasch wie möglich ein
integriertes Konzept einer Energie- und Klimapolitik mit den
Schwerpunkten Effizienz und erneuerbare Energien. Die Investitionen
in fossile Energie sind drastisch zurückzuschrauben, da schon
abzusehen ist, dass in 15 bis 25 Jahren der Druck zur CO2-Reduktion
und die Preise der fossilen Energie noch zunehmen werden. Es wäre
wenig sinnvoll, jetzt noch viel Geld in eine auslaufende Technologie
zuinvestieren.

Die EU-Richtlinie eröffnet riesige Chancen puncto Beschäftigung,
Sicherheit und Umwelt - sie gilt es rasch zu nutzen. Die Biomasse
sieht jetzt den Beginn eines echten Booms im Wärmebereich und
hoffentlich auch bei kleinen KWK-Anlagen sowie eine baldige
Inbetriebnahme der Biotreibstoffanlagen. Die Ausweitung der
Biomasseproduktion ist jetzt eine wichtige Aufgabe der Land- und
Forstwirtschaft.

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AOM/Original Text Service sowie beim Aufruf der Meldung im Volltext
auf http://www.ots.at

Rückfragehinweis:

DI Stephan Grausam
   Österreichischer Biomasse-Verband
   Franz Josefs-Kai 13, A-1010 Wien
   Tel: +43-1-533 07 97-32
   Fax: +43-1-533 07 97-90
   mailto:[email protected]

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