- 18.01.2008, 13:12:45
- /
- OTS0177 OTW0177
Post-Kyoto-Ziele, Lebensmittelpreise und Health Check beschäftigen Agrarsektor
Klimaschutz: Österreich setzt weiterhin auf Energieeffizienz und Bioenergie
Berlin (AIZ) - "In wenigen Tagen wird die Europäische Kommission
für jedes EU-Mitgliedsland im Rahmen des Energie- und Klimapaktes die
sogenannten Post-Kyoto-Ziele und die jeweiligen Landesanteile an
erneuerbarer Energie veröffentlichen", betonte der Präsident der
Landwirtschaftskammer Österreich, Gerhard Wlodkowski, heute bei einer
mit Reinhard Mang, Generalsekretär im Lebensministerium, und Franz
Stefan Hautzinger, dem Vorsitzenden des Verwaltungsrates der
Agrarmarkt Austria (AMA), gemeinsam abgehaltenen Pressekonferenz
anlässlich der Internationalen Grünen Woche in Berlin. Auch wenn
konkrete Zahlen zu diesen Post-Kyoto-Zielen noch nicht bekannt seien,
sei klar, dass Österreich noch mehr auf Energieeffizienz und
Ökoenergie setzen müsse, betonte Wlodkowski.
Auch Generalsekretär Mang hob hervor, dass die Bereitstellung und
Weiterentwicklung nachhaltiger Energieträger zu einem immer
wichtigeren Bereich für die heimische Landwirtschaft werde. Gerade
für ein waldreiches Land wie Österreich sei dies eine besonders
sinnvolle Alternative zur klimabelastenden Energie aus Erdöl. Wie
Mang hervorhob, geht eine aktuelle Studie zur Verfügbarkeit von
Biomasse von einem jährlichen Mehrpotenzial an Holz und Biomasse von
7,6 Mio. Erntefestmeter bis 2020 aus. Das sei um 70% mehr Biomasse
als angenommen. Die Studie des Forschungszentrums Wald komme auch zu
dem Ergebnis, dass die Mehrnutzung ökonomisch rentabel und ökologisch
vertretbar sei und die in Österreich im Rahmen des nationalen
Biomasse-Aktionsplans gesteckten Ziele erreichbar seien. Weiters
unterstreiche die kürzlich vorgestellte Klimabilanz 2006 die positive
Wirkung von Biokraftstoffen. So sei der Rückgang des
Treibhausgas-Ausstoßes von 93,2 auf 91,1 Mio. t im Jahr 2006 zur
Hälfte auf die Beimischung von Biosprit zurückzuführen, so Mang.
Verschiedene Ursachen für höhere Lebensmittel-Preise
Nach wie vor stünde in der österreichischen Landwirtschaft aber
die Lebensmittel-Produktion an erster Stelle. Die EU-Getreideernte
2007 habe insgesamt rund 250 Mio. t betragen, wobei nur 1,5% für
nachhaltige Energieproduktion verwendet worden seien. Ursache für die
im Vergleich zu den Vorjahren höheren Lebensmittel-Preise seien
vielmehr die schlechten Ernten in vielen Regionen der Welt, die
gestiegene Nachfrage in Asien, wachsende Lohn- und Energiekosten und
steigende Futtermittelpreise, ergänzte Mang.
Lebensmittelpreise gemessen an realer Kaufkraft sogar gesunken
Dass die Lebensmittelpreise jedoch den Konsumenten nur so hoch
erscheinen, hob Hautzinger hervor. Zwischen 1986 und 2006 seien die
Preise allgemein um 54%, die Preise für Lebensmittel jedoch nur um
33% gestiegen. Eine noch krassere Diskrepanz zeige sich, wenn man die
Preisentwicklung von Lebensmitteln mit dem Netto-Lohn-Index in
Österreich vergleiche, der im selben Zeitraum um mehr als 70%
gestiegen sei. Gemessen an der realen Kaufkraft, seien Lebensmittel
in den vergangenen 20 Jahren also sogar günstiger geworden. "Uns ist
wichtig, dass es faire Preise für Konsumenten und Bauern gibt", so
Mang. Österreichs Landwirte lieferten höchste Qualität zu einem
fairen Preis und seien keineswegs Preistreiber, betonte der
Generalsekretär. Die höheren Preise stabilisierten erstmals nach
vielen Jahren die bäuerlichen Einkommen und dienten Wirtschaft,
Arbeitsmarkt und dem ländlichen Raum.
Betriebsprämienmodell beibehalten, Mutterkuhprämie verteidigen
Ein weiteres zentrales Thema 2008 ist auch - wie erwähnt - der
"Health Check" der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Begrüßenswert und
wichtig sei, dass die Vorschläge der Kommission nicht wie 2003 zu
einer Totalreform führten, so Mang. Die Sicherheit für die Bauern bis
2013 sei entscheidend. Im Hinblick auf die angekündigten Änderungen
wolle man "sich intensiv in die Diskussion einbringen", so der
Generalsekretär in Vertretung von Bundesminister Josef Pröll.
Entscheidend dabei seien vor allem eine Verteidigung des gewählten
Betriebsprämienmodells bis 2013, eine Beibehaltung der
Mutterkuhprämie und eine gute Lösung für den Milchsektor im Hinblick
auf die von der Kommission angekündigte Erhöhung und darauffolgende
Abschaffung der Milchquoten. Nach wie vor setzt sich Österreich laut
Wlodkowski und Mang für eine Beibehaltung des derzeit gültigen
Systems ein, allerdings werden, da eine Quotenbeibehaltung von den
meisten EU-Ländern abgelehnt wird und damit höchst unwahrscheinlich
ist, bereits jetzt Lösungen für Berg- und benachteiligte Gebiete
gesucht.
Mang: Mit Frankreich großen Partner in Gentechnik-Fragen
Erfreut zeigte sich Mang, dass Österreich im Bereich der
Gentechnik mit Frankreich nun einen großen und mächtigen Partner mit
neuerdings ebenso kritischer Haltung gefunden habe. "Wir hoffen, dass
sich damit die Chancen für Österreichs Position verbessern", so Mang.
Sorgenkind Schweineproduktion
Während die allgemeine Stimmung in der Landwirtschaft somit sehr
gut ist, bereitet den Bauern jedoch der europäische Schweinesektor
noch große Sorgen, da viele Betriebe angesichts der geringen
Erzeugerpreise nach wie vor rote Zahlen schrieben. Speziell die
Kommission müsse intensiv darüber nachdenken, wie man diesem Bereich
über die bereits gesetzten Maßnahmen hinaus helfen könne. Österreich
will außerdem verstärkt auf Gütesiegelprogramme setzen und die gute
Qualität der heimischen Ware hervorheben.
(Schluss) leith
Rückfragehinweis:
AIZ - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst
Tel: 01/533-18-43, mailto:[email protected]
http://www.aiz.info
FAX: (01) 535-04-38
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | AIZ






