- 18.01.2008, 11:42:17
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Hautzinger: Lebensmittel so günstig wie nie zuvor
Preisdiskussion beeinflusst Kaufverhalten nur wenig
Wien (OTS) - "Lebensmittel sind heute günstig wie nie zuvor.
Zwischen 1986 und 2006 sind die Preise in Österreich allgemein um
54%, die Preise für Lebensmittel jedoch nur um 33% gestiegen. Eine
noch stärkere Diskrepanz ergibt sich, wenn man die Preisentwicklung
von Nahrungsmitteln mit dem Netto-Lohn-Index in Österreich
vergleicht. Dieser ist im selben Zeitraum um mehr als 70% gestiegen.
Nach realer Kaufkraft berechnet, sind Lebensmittel in den vergangenen
20 Jahren also sogar günstiger geworden. Anfang der 1950er-Jahre
beispielsweise gaben die Menschen noch rund die Hälfte ihres
Einkommens für Lebensmittel aus, im Jahre 2007 waren es nicht einmal
13%." Dies stellte heute der Vorsitzende des Verwaltungsrates der
Agrarmarkt Austria (AMA), Franz Stefan Hautzinger, bei der Grünen
Woche in Berlin zur jüngsten Diskussion über Inflation und
Preissteigerungen fest. Die Inflationsrate sei zwar im Dezember
relativ hoch gewesen, im gesamten Jahr 2007 aber nur bei 2,2% gelegen
und Tatsache sei, dass Lebensmittel seit Jahrzehnten in Österreich
als Inflationsbremse wirken, gab Hautzinger, der seit Oktober 2007 in
dieser Funktion tätig ist, zu bedenken.
Er verwies in diesem Zusammenhang auf eine von der AMA im Herbst
2007 durchgeführte Motivanalyse. Diese ergab, dass kaum Auswirkungen
auf das Kaufverhalten der Konsumenten aufgrund der Preissituation zu
erwarten sind. "Die Kunden zeigen Verständnis für die Situation der
Bauern", so Hautzinger. Wer die Preissteigerungen für gerechtfertigt
halte, tue dies in erster Linie aus Solidarität mit den Landwirten
(45%), oder ganz einfach aus dem Bewusstsein heraus, dass auch andere
Preise steigen (26%). Als Profiteure von den höheren Preisen würden
von den Konsumenten ganz klar die Handelsketten (51% aller Befragten)
und die Lebensmittel verarbeitenden Betriebe gesehen. "Lediglich 3%
glauben, dass auch die Bauern etwas vom großen Preiskuchen
abbekommen", zitierte der Vorsitzende aus der Studie.
Vertrauen in Qualität, Herkunft und Kontrolle wichtig
"Das AMA-Gütesiegel genießt in Österreich einen sehr hohen
Bekanntheitsgrad und bewirkt bei den Konsumenten ein hohes Maß an
Vertrauen in heimische Lebensmittel. Dieses Vertrauen kommt auch im
Kaufverhalten deutlich zum Ausdruck. Das AMA-Gütesiegel gibt es
mittlerweile seit rund zwölf Jahren. Es ist das einzige Gütesiegel,
das durch strengste und sehr umfassende Kontrollen garantiert, dass
die Tiere in Österreich geboren, aufgezogen und geschlachtet worden
sind. Die Bekanntheit dieses Gütesiegels ist in Österreich in den
letzten Jahren auf 97% gestiegen", ergänzte Hautzinger.
Agrarprodukte im Aufwind
In einer Zeit, wo sich die agrarischen Märkte stark im Wandel
befinden und das Prognostizieren des Marktverlaufes immer schwieriger
werde, sei eine gewisse Planungssicherheit bei agrarpolitischen
Rahmenbedingungen für die Bäuerinnen und Bauern ein Gebot der Stunde.
Auch in Österreich sei der Getreidemarkt geprägt von den rasant
bewegten Preisentwicklungen.
"Auch für den Energie- und Verarbeitungssektor wird das Jahr 2008
sehr entscheidend sein. Das mittlerweile fertig gestellte Werk in
Pischelsdorf sowie die geplante Stärkefabrik im Norden
Niederösterreichs werden die Getreidebilanz in Österreich stark
beeinflussen. Die Aufhebung der Flächenstilllegungen ab dem Jahr 2008
und die damit zu erwartenden höheren Erntemengen werden daher
dringend benötigt", stellte Hautzinger fest. Die aktuelle
Marktsituation gebe den Bauern wieder das Gefühl, gebraucht zu
werden, das bedeute einen enormen Motivationsschub für ihre Arbeit.
Nahrungsmittelproduktion steht für Landwirtschaft an erster Stelle
Die gestiegenen Futtermittelkosten beeinflussten jedoch den Preis
bei Fleisch und Milch. Während sich der Erlös für Rindfleisch
momentan auf einem entsprechenden Niveau befinde, stehe beim
Schweinefleisch, das preislich im vergangenen Jahr unter Druck kam,
die erhoffte Erholung noch bevor. Besser erging es in diesem
Zusammenhang dem Geflügel- und Eiersektor, der die gesteigerten
Futtermittelkosten durch höhere Preise ausgleichen konnte. "Auch wenn
die Nachfrage weiterhin steigt, die Nahrungsmittelproduktion steht
für die Landwirtschaft an erster Stelle, danach kommen Rohstoffe für
Energie und Industrie", stellt Hautzinger ganz klar fest.
Programm Ländliche Entwicklung bringt Planungssicherheit
Das neue Programm für die Ländliche Entwicklung sei mit rund EUR
7,8 Mrd. bis 2013 ein wichtiges Förder- und Impulsprogramm für den
gesamten ländlichen Raum. Es biete große Chancen für die
österreichische Landwirtschaft und bringe Planungssicherheit für die
nächsten Jahre. "Es kann damit ein weiterer Innovations- und
Wachstumsschub ausgelöst werden. Davon profitiert nicht nur die
Umwelt, sondern es steigert die Wertschöpfung, die Wettbewerbskraft
der Wirtschaft und erhöht die Lebensqualität der Menschen", so
Hautzinger. Österreich hat den Landwirten noch im Dezember die
Leistungsentgelte aus dem "Grünen Pakt" für das Umweltprogramm und
Bergbauernprogramm sowie für die Einheitliche Betriebsprämie
angewiesen. Die Überweisung der Direktzahlungen für die Tierprämien
erfolgt Ende Februar.
AMA hat Auszahlung der Leistungsentgelte trotz Zeitdruck rechtzeitig
bewältigt
"Aufgrund der späten Genehmigung des "Grünen Paktes" musste die
AMA in sehr kurzer Zeit eine sehr umfangreiche Auszahlung umsetzen.
Diese Leistung konnte nur durch eine professionell agierende
Organisation und durch die sehr gute Zusammenarbeit mit dem
Lebensministerium und den Landwirtschaftskammern in dieser Zeit
umgesetzt werden. Die AMA ist eine der meist geprüften Organisationen
und ein verlässlicher moderner Partner der Bäuerinnen und Bauern",
hielt Hautzinger fest. Die AMA wurde seit 1995 über 100-mal von
internen und externen Stellen überprüft und verzeichnet im
internationalen Vergleich die geringsten Rückforderungen von
Agrargeldern.
(Schluss)
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