- 18.01.2008, 11:31:58
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Gemeinsames Europa mit hohem sozialem Anspruch
Arbeitstagung im Rahmen des Europäischen Sozialdialogs in Wien: "Ausbildung und Kompetenzentwicklung im Postsektor
Wien (ÖGB/GPF) - "Wir bekennen uns zu einem gemeinsamen Europa, in
dem sich die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wieder finden, ein
Europa, in dem nicht nur der Wettbewerb vorherrscht", sagte
ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer heute in seiner Eröffnungsrede bei
der EU-geförderten Arbeitstagung "Ausbildung und Kompetenzentwicklung
im Postsektor" in Wien. Er bekannte sich zum lebenslangen Lernen und
dem sozialen Dialog als Faktoren zur Sicherung des hohen sozialen
Anspruchs. Als Vorbild nannte der ÖGB-Präsident die funktionierende
österreichische Sozialpartnerschaft, die sich auf 1000 Euro
Mindestlohn und eine Ausbildungsgarantie für junge Menschen bis 18
geeinigt hat.
"Wir kennen die gegenseitigen Positionen, aber auch die Grenzen. Es
kann nur gemeinsame Lösungen geben", sagte der ÖGB-Präsident.
Der Postsektor ist einer der größten Arbeitgeber Europas mit 1,8
Millionen Beschäftigten und steht wegen der bevorstehenden
Marktöffnung seit Jahren unter Veränderungsdruck.
Liberalisierung von Postaktivitäten, aber auch die Einführung neuer
Technologien stellen im Bereich der Kommunikation eine erhebliche
Gefahr für die traditionellen Posttätigkeiten dar. Andererseits geht
es um die Erweiterung des Produktangebotes in den verschiedenen
Bereichen.
Flexible Bearbeitungsweisen, moderne Infrastruktur und gut
ausgebildete Bedienstete sind Voraussetzungen, damit die
Wettbewerbsfähigkeit und Qualität der Dienstleistungen verbessert
werden können.
Unter der Schirmherrschaft der Kommunikationsgewerkschaft GPF und
der heimischen Post AG nehmen mehr als 50 Experten aus den
Postgewerkschaften und Postunternehmen der Länder Bulgarien,
Griechenland, Malta, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn,
Rumänien, Zypern und Österreich an den Beratungen teil. Interessierte
Gäste kommen aus Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und
Kroatien.
"Nach jahrelanger Arbeit ist es uns gelungen, zwischen Europäischer
Arbeitgeber- und Unternehmervertretung - PostEurop und UNI Post &
Logistics Global Union - endlich eine gemeinsame Vorgangsweise zu
vereinbaren", merkte GPF-Bundesvorsitzender Gerhard Fritz erfreut an.
"Lebenslanges Lernen und noch mehr Kundenorientierung allein werden
nicht ausreichen. Jetzt sind auch die Unternehmen gefordert,
geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen. Kompetente Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter brauchen zuverlässige Strukturen und attraktive
Arbeitsplätze", so Fritz. Er sieht diese Veranstaltung "als
Mosaikstein für den Weg, die sozialen Bedürfnisse und Angelegenheiten
der Kollegenschaft in einem sozialen Europa" zu sichern.
Die Sozialpartner im Postsektor sehen folgende sechs Orientierungen
als vordringlich für die zukünftige Entwicklung:
- Ausbildung und Kompetenzentwicklung sollen eng mit
Berufstätigkeiten verbunden und Arbeitsorganisationsformen, die
Vielseitigkeit und Qualifikationsverbesserung begünstigen, sollen
gefördert werden.
- Erworbene berufliche Kompetenzen sollen nach auf dem Arbeitsmarkt
üblichen oder vergleichbaren Standards anerkannt werden.
- Das Personal soll umfassend und kontinuierlich über Ausbildung,
Kompetenzentwicklung und berufliche Karrieren informiert werden.
- Der Zugang zur externen Ausbildung außerhalb der Arbeitszeit soll
- bei Betonung der geteilten Verantwortung zwischen Unternehmen und
Personal - besonders gefördert werden.
- Die Förderung von Prognosewerkzeugen für das Management und
verbesserte Kommunikation im Hinblick auf zukünftige Entwicklungen
sind weitere gemeinsame Anliegen.
- Letztlich sollen zur Steigerung der Effizienz von Ausbildung und
Kompetenzentwicklung neue Technologien eingesetzt werden, um den
geänderten Anforderungen nahe zu kommen.
"Besonders für Frauen ist dieser Soziale Dialog eine wesentliche
Komponente zur Steigerung der Beschäftigungsfähigkeit und für eine
verstärkte Motivation. Die Verbesserung von Vielseitigkeit und
Eigenständigkeit wird auch die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen
stärken", ist Johanna Skuk, Internationale Referentin und
Frauenvorsitzende der GPF überzeugt.
Ausbildung und Kompetenzentwicklung sind Schlüsselfaktoren zur
ständigen Anpassung von Aktivitäten und zur Verbesserung der
Flexibilität der Strukturen. Deshalb ist lebenslanges Lernen nicht
nur notwendig, sondern eine gute persönliche Investition in die
Zukunft.
Die Sozialpartner wollen jetzt gemeinsam beobachten, wie sich der
Postsektor unter der Vorgabe von "best-practice"-Modellen entwickelt,
die dann europaweit berücksichtigt werden sollen.
ÖGB, 18. Jänner 2008 Nr. 022
Rückfragehinweis:
Thomas Linzbauer
Kommunikationsgewerkschaft GPF
Biberstraße 5, 1010 Wien
Tel. 01/5125511-21
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