• 13.12.2007, 12:01:21
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  • OTS0151 OTW0151

Anzeigepflicht versus Kinderschutz

Die österreichischen Kinder- und JugendanwältInnen fordern einen runden Tisch zum Thema Kinderschutz!

Wien (OTS) - Mit der von der Justizministerin forcierten
Erweiterung und Vereinheitlichung der Anzeigepflicht für alle
Personengruppen, die professionell mit Kindern und Jugendlichen zu
tun haben, werden die der Gewalt zugrunde liegenden Probleme nicht
gelöst. Im Gegensatz zur Meinung der Justizministerin greift eine
Anzeigepflicht nach Auffassung der österreichischen Kinder- und
Jugendanwaltschaften häufig viel zu spät und zu kurz. Kinder können
effektiv nur dann vor Gewalt geschützt werden, wenn dafür gesorgt
wird, dass Kinder gar nicht erst Opfer von Gewalt werden bzw. andere
ausreichende Hilfs- und Unterstützungssysteme zusammenarbeiten!

Forderung nach Einbindung von Fachleuten
Denn: Die wenigsten Fälle von Gewalt gegen Kinder sind auf eine hohe
"kriminelle Energie" der Täter zurückzuführen - sie haben ihre
Ursache (meist) in der massiven Überforderung der Eltern, vor allem
wenn diese unter psychischen Belastungen und/oder sozialer
Benachteiligung leiden. Wenn Kinderschutz ernst gemeint wird, muss
die notwendige Hilfe in die Familien gebracht werden! Die
österreichischen Kinder- und Jugendanwaltschaften fordern dazu
Konsultationen mit Fachleuten wie KinderpsychologInnen,
KinderärztInnen, MitarbeiterInnen der Jugendwohlfahrt, der Exekutive
und FamilienrichterInnen.

Bedenken gegen eine automatische undifferenzierte
Anzeigeverpflichtung:

-Indem die polizeiliche Anzeigepflicht in den Vordergrund gerückt
wird, wird der "Kinderschutz" in der Öffentlichkeit zu einer Aufgabe
der Polizei verlagert;
-Eine undifferenzierte Anzeigepflicht kann eine Verschlimmerung der
Situation von Kindern, die Gewalt erleben, zur Folge haben: wenn etwa
Eltern und/oder Kinder aus Angst vor einer automatischen Anzeige
zögern, eine Beratungsstelle aufzusuchen oder ärztliche Versorgung in
Anspruch zu nehmen.
-Auch ist es mit einer Anzeige gegen eine Verdachtsperson allein
nicht getan: Bleibt die verdächtige Person auf freiem Fuß, so bleiben
auch die Kinder weiterhin - unter Umständen sogar verstärkt - ihren
MisshandlerInnen ausgesetzt!

Wichtig: Ein funktionierendes Meldesystem!
Was Not tut, ist ein funktionierendes Meldesystem bei Verdacht auf
Misshandlungen oder Gewalt, woraufhin Fachleute rasch und kompetent
nach an den Bedürfnissen der Kinder orientierten Lösungen suchen, um
frühzeitig die Gewalt gegen das betroffene Kind abzustellen und um
die präventiven Angebote für Eltern in Krisensituationen in Gang zu
bringen und so Kindern zuerst Schutz zu geben.

Einrichtung eines "Großen Runden Tisches"
Die österreichischen Kinder- und Jugendanwaltschaften fordern daher
nachdrücklich die unverzügliche Einrichtung eines "Großen Runden
Tisches" mit allen Ressorts unter Hinzuziehung von ExpertInnen, die
ihre Vorschläge und Forderungen vorstellen können, um notwendige
Antworten auf massive gesellschaftliche Änderungen zu finden, und um
ein Gesamtpaket an "Maßnahmen zum Schutz der Kinder in Österreich" zu
schnüren.

Für die Kinder- und JugendanwältInnen Österreichs

Dr.in Andrea Holz-Dahrenstaedt
Kinder- und Jugendanwältin Salzburg

DSA Monika Pinterits
Kinder- und Jugendanwältin Wien

Dr. Ewald Filler
Kinder- und Jugendanwalt BMGFJ

Mag.a Christine Winkler-Kirchberger
Kinder- und Jugendanwältin OÖ.

Rückfragehinweis:
Kinder- & Jugendanwaltschaft Wien
Frau DSA Monika Pinterits
Tel: (++43-1) 70 77 000

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