Allgemeinmediziner 2: WGKK-Pleite durch politische Rahmenbedingungen verursacht

"Aktueller Rechnungshofbericht unter falschen Grundvoraussetzungen erstellt"

Wien (OTS) - Im Zentrum der heutigen Pressekonferenz der Ärztekammer stand auch die aktuelle Lage der Wiener Gebietskrankenkasse. In diesem Zusammenhang warnten die Hausärzte vor einer drohenden Verschlechterung der Versorgung, sollten weitere restriktive Maßnahmen von der Politik als Einsparungsmöglichkeiten vorgeschlagen werden. Nach Auffassung der Ärztekammer sind weder die Arzthonorare noch die ärztlichen Leistungen für das Finanzloch der WGKK verantwortlich, sondern vielmehr die politischen Rahmenbedingungen, die die Einnahmen der Gebietskrankenkassen deutlich hinter dem Bruttoinlandsprodukt hinterherhinken lassen. ****

Rudolf Hainz betont, dass die Grundvoraussetzungen, unter denen der Bericht des Rechnungshofs erstellt wurde, "gänzlich falsch" gewesen seien. "Ich kann keine Weltstadt wie Wien mit einer ländlichen Region wie Oberösterreich, speziell dem Mühlviertel, vergleichen", so Hainz.

Keine weiteren Sparmaßnahmen und Restriktionen

"Wenn wir unsere Patienten auch künftig nach State of the Art und dem aktuellen medizinischen Fortschritt entsprechend behandeln sollen, dann müssen uns auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen dazu geboten werden", sagt Hainz weiter. Aktuell würde die Gefahr drohen, dass die Regierung den Ärzten noch mehr Restriktionen via Gesetze auferlegen möchte und die Gebietskrankenkasse weitere Leistungen nicht mehr bezahlen kann. "Wir sind dazu verpflichtet, unseren Patienten die bestmögliche medizinische Behandlung zukommen zu lassen, doch das gestaltet sich zunehmend schwieriger bis unmöglich", so Hainz.

Es müsse absolute Priorität sein, die medizinische Versorgung der Patienten stetig zu verbessern. Stattdessen drohe durch weitere restriktive Maßnahmen der Politik eine Verschlechterung der Versorgung, stimmt auch Norbert Jachimowicz zu. Die Regierung sei nun am Zug, um die Krankenkassen massiv dabei zu unterstützen, aus der finanziellen Misere wieder herauszukommen. "Wenn dieses Kaputtsparen nicht bald gestoppt wird, droht uns eine enorme Leistungsverminderung", warnt Jachimowicz.

Kassenverhandlungen: Hausärzte fordern Aufwertung ihrer Tätigkeit

Insbesondere im urbanen Umfeld hat der Hausarzt eine andere Rolle inne als in anderen Regionen Österreichs. Im Rahmen der aktuellen Verhandlungen mit der Wiener Gebietskrankenkasse fordern die ärztlichen Standesvertreter daher die Aufwertung der Hausärzte durch die Aufnahme von spezifischen hausärztlichen Leistungen in den Tarifkatalog.

Damit der Arzt für Allgemeinmedizin diese Rolle sowie auch die Funktion eines Lotsen durch das Wiener Gesundheitswesen erfüllen kann, "ist es unabdingbar, dass die Wiener Allgemeinmediziner für die Leistungen, die sie erbringen, auch bezahlt werden", so der Obmann der Sektion Allgemeinmedizin der Ärztekammer für Wien, Rolf Jens.

Aus diesem Grund hat die Ärztekammer den hausärztlichen Leistungskatalog "der heutigen Zeit entsprechend formuliert" und wesentliche Leistungen inkludiert, die bis dato nicht ausreichend abgegolten wurden. "Die Allgemeinmediziner sind mit der Zeit gegangen und haben sich den neuen Anforderungen bereits angepasst - dies muss sich nun auch in den
Ergebnissen der Honorarverhandlungen niederschlagen", fordert Jens.

Die Forderungen der Allgemeinmediziner im Überblick: - Erhöhung des ärztlichen Honorars für die Hausvisite von 29,72´ Euro auf 60 Euro - Anpassung von seit einiger Zeit nicht erhöhten Honorarpositionen - Einführung neuer Tarifpositionen, wie etwa die präoperative Diagnostik, Visiten im Krankenhaus durch den nachbehandelnden Hausarzt vor der Entlassung und Koordinierungsleistungen für die Betreuung und Pflege sowie weiterer Therapien nach der Entlassung - Einführung einer Mitvisite - Honorierung der ärztlichen Koordinationstätigkeit (kp) (Schluss)

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