DER STANDARD-KOMMENTAR "Meinl-Chaos" von Andreas Schnauder

Ausgabe vom 22.11.2007

Wien (OTS) - Eigentlich hätte die Entscheidung der Finanzmarktaufsicht im Verfahren gegen Meinl European Land Licht ins Dunkel bringen sollen. Nun ist genau das Gegenteil der Fall.

Klar ist nur, dass die Behörde der MEL Irreführung und somit Kursmanipulation vorhält. Doch das ist so ungefähr der geringste Vorwurf, der in der Meinl-Affäre erhoben wurde. Weit schwerer wiegen die Verdachtsmomente, dass der einstige Immo-Star bei den Aktienrückkäufen die Börsengesetze ignorierte, die Eigentümerstruktur über teileinbezahlte Aktien verschleierte und möglicherweise durch Scheingeschäfte mit der Meinl Bank diese zulasten der MEL-Aktionäre begünstigte. Sogar der Straftatbestand des Insiderhandels steht im Raum, wenngleich die Unschuldsvermutung gilt.

Wie weit die Ermittlungen bei all diesen etwaigen Verstößen gediehen sind, ist unbekannt. Die Finanzmarktaufsicht verweigert die Auskunft. Und das ausgerechnet in einer Affäre, die nicht nur ein paar Börsen-Freaks, sondern den gesamten Finanzplatz erschüttert. Nicht einmal über die aktuelle Entscheidung der FMA weiß man Genaueres. Stattdessen fliegen via Presseaussendungen die Fetzen.

Meinl behauptet, die FMA habe auch die Wiener Börse in die Pflicht genommen, was die Behörde entrüstet zurückweist. Zudem soll die Aufsicht in alle Einzelschritte rund um den inkriminierten Aktienrückkauf der MEL involviert gewesen sein, verlautet aus dem Hause Meinl. Das hieße nicht mehr und nicht weniger, als dass die FMA dem ganzen Skandal von Anfang an tatenlos zugesehen hätte. Was davon wahr ist und was nicht, ist derzeit ebenso wenig abschätzbar wie die Frage, welche Verfahren in der Causa noch wie lange anhängig sind. Die Forderung nach Transparenz richtet sich somit nicht nur an Meinl.

Rückfragen & Kontakt:

Der Standard
Tel.: (01) 531 70/445

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PST0001