"Paukenschlag" der Orchestermusiker: Mehr Bedeutung als nur Musik!

Konferenz "Orchester in Österreich: Mehrwert für Gesellschaft, Bildung, Wirtschaft"

Wien (kmsfb/ÖGB) - Zu einem Paukenschlag holen die heimischen Orchestermusiker aus, die sich in ihrer Bedeutung weit unter ihrem Wert geschlagen fühlen. "Orchester in Österreich: Mehrwert für Gesellschaft, Bildung, Wirtschaft" hieß demgemäss eine Mitte November abgehaltene Konferenz der Fachgruppe Orchester in der Sektion Musik der Kulturgewerkschaft KMSfB und Vorsitzender Peter Siakala räumte dabei mit einem weit verbreiteten Irrtum auf: "Die Orchester haben nicht nur eine vordergründig musikalische Bedeutung". Für Rückenwind sorgten drei Experten und Kulturministerin Dr. Claudia Schmied, die in der Eröffnungsrede festhielt, dass "Kultur zweifelsohne ein bedeutender ökonomischer Faktor ist", was unleugbar sei "angesichts der Umsätze, die mit Kunst und Kultur erzielt werden".++++

Schmied betonte allerdings auch, sie bekenne sich "zur Kunstförderung als Förderung der Kunst" und "möchte Kunst niemals auf marktwirtschaftliche Interessen reduziert sehen", weshalb sie Mittel der Kunstförderung nicht als Wirtschaftsförderung ansehe. Musik in den Ohren der Orchestergewerkschafter war es, als Schmied hervorhob, dass sie sich "auch für die verfassungsrechtlich geschützte Freiheit der Kunst ausspreche, die der Staat niemals antasten darf."

Schmerzdämmung: Musik bringt Morphiumreduktion um 50 Prozent

Eine Lanze für die weit über das rein Musikalische hinaus reichende Bedeutung der Orchester brach Univ. Prof. Dr. Gertraud Berka-Schmid, die sich mit deren Bedeutung für den Gesundheit, Soziales und Bildung beschäftigte. Die Koordinatorin des interuniversitären Studiums Musiktherapie zwischen medizinischer Universität und Musikuniversität Wien strich dabei vor allem die überraschend hohe Wirkung auf die Gesundheit hervor: "In der Musik liegt ein ungeheures Potenzial an Medikament-Reduzierung und Schmerzlinderung", Berka-Schmid sprach von einer Morphiumreduktion um 50 Prozent allein durch Musikeinwirkung. Sie nannte auch den Grund dafür: "Der Mensch ist Musik, der Körper sein Instrument und die Stimme das hörbare Ergebnis." Logische Folge: "Wenn man ein Instrument spielt, kann man Krisen viel besser meistern." Kaum jemand wisse aber um den engen Zusammenhang von Musik und Gesundheit bzw. Prävention, meinte Berka-Schmid, denn leider seien "die Leistungen, die große Orchester hier erbringen, nicht in unseren Köpfen." Auch im Bildungsbereich wirke Musik enorm: "Es gibt keine größere Umwegrentabilität von Bildung als bei Kunstschulen, wo auch Tanz und Musik unterrichtet wird: Dort sind die höchsten Durchschnittsleistungen auch in Mathematik usw. gegeben."

Datenmaterial zu "Wirtschaftsfaktor Orchester" fehlt

Im Laufe der Konferenz wurde insbesondere beim Referat von Univ. Prof. Dr. Hanns Abele (Ordinarius für Volkswirtschaftlehre, Wirtschaftsuniversität Wien) offenkundig, dass es zwar genaue Erhebungen betreffend den Wirtschaftsfaktor Kultur gibt, nicht jedoch gesondert für den Teilbereich Orchester. Siakala kündigte daher als konkretes Ergebnis der Konferenz an, dass nun durch die Gewerkschafts-Fachgruppe ein Fragenkatalog zur Erstellung ausreichenden Datenmaterials erarbeitet werden soll. Als "erschütternd" bezeichnete er das Ergebnis einer europaweiten Umfrage, ob einem persönlich die Kultur wichtig ist: Franzosen und Polen bejahten dies zu 90 Prozent, hingegen bildete die (selbsternannte) Kulturnation Österreich mit nur 53 Prozent das Schlusslicht.

"Bei Kultur glaubt jeder Politiker, mitreden zu können"

Hart ins Gericht mit der Politik ging der Geschäftsführer der deutschen Orchestervereinigung, Rechtsanwalt Gerald Mertens: "Bei Kultur glaubt jeder Politiker, mitreden zu können, der schon irgendwann im Theater war und ein Kind hat, das in der Volksschule Blockflöte gelernt hat!" Solche Politiker bestimmen aber über die Förderungsgelder, hielt Mertens fest. Kultur benötige jedoch Förderung, und dies regelmäßig steigend, denn "im Gegensatz zur Industrie ist bei klassischer Musik keine Produktionssteigerung möglich: Ein Beethoven-Konzert benötigt heute ebenso viele Musiker wie vor 100 Jahren!" Als beispielhaft beim Marketing lobte Mertens die NÖ Tonkünstler: "Da können sich auch in Deutschland viele Orchester eine Scheibe abschneiden!" (schluss)

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Kulturministerin Dr. Claudia Schmied beizeichnete die Kultur als "zweifelsohne bedeutenden ökonomischen Faktor" (rechts im Bild Orchester-Fachgruppenvorsitzender Peter Siakala und Bundesländerorchester-Fachgruppenvorsitzender Reinhard Pirstinger).

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Kulturministerin Dr. Claudia Schmied bei der Eröffnungsrede der Konferenz "Orchester in Österreich: Mehrwert für Gesellschaft, Bildung, Wirtschaft".

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Referenten und Organisatoren bei der Konferenz "Orchester in Österreich: Mehrwert für Gesellschaft, Bildung, Wirtschaft" (v.r.n.l.): Orchester-Fachgruppenvorsitzender Peter Siakala, Univ. Prof. Dr. Hanns Abele, Univ. Prof. Dr. Gertraud Berka-Schmid, Gerald Mertens und Bundesländerorchester-Fachgruppenvorsitzender Reinhard Pirstinger.

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Univ. Prof. Dr. Gertraud Berka-Schmid, Koordinatorin des interuniversitären Studiums Musiktherapie zwischen medizinischer Universität und Musikuniversität Wien, betonte die überraschend hohe Wirkung der Musik auf die Gesundheit.

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Univ. Prof. Dr. Hanns Abele (Ordinarius für Volkswirtschaftlehre, Wirtschaftsuniversität Wien) hielt fest, dass genaue Daten fehlen.

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Gerald Mertens, Geschäftsführer der deutschen Orchestervereinigung, zeigte die Situation in Deutschland auf.

ÖGB, 21. November 2007 Nr.688

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