- 21.11.2007, 12:06:34
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"Paukenschlag" der Orchestermusiker: Mehr Bedeutung als nur Musik!
Konferenz "Orchester in Österreich: Mehrwert für Gesellschaft, Bildung, Wirtschaft"
Wien (kmsfb/ÖGB) - Zu einem Paukenschlag holen die heimischen
Orchestermusiker aus, die sich in ihrer Bedeutung weit unter ihrem
Wert geschlagen fühlen. "Orchester in Österreich: Mehrwert für
Gesellschaft, Bildung, Wirtschaft" hieß demgemäss eine Mitte November
abgehaltene Konferenz der Fachgruppe Orchester in der Sektion Musik
der Kulturgewerkschaft KMSfB und Vorsitzender Peter Siakala räumte
dabei mit einem weit verbreiteten Irrtum auf: "Die Orchester haben
nicht nur eine vordergründig musikalische Bedeutung". Für Rückenwind
sorgten drei Experten und Kulturministerin Dr. Claudia Schmied, die
in der Eröffnungsrede festhielt, dass "Kultur zweifelsohne ein
bedeutender ökonomischer Faktor ist", was unleugbar sei "angesichts
der Umsätze, die mit Kunst und Kultur erzielt werden".++++
Schmied betonte allerdings auch, sie bekenne sich "zur
Kunstförderung als Förderung der Kunst" und "möchte Kunst niemals auf
marktwirtschaftliche Interessen reduziert sehen", weshalb sie Mittel
der Kunstförderung nicht als Wirtschaftsförderung ansehe. Musik in
den Ohren der Orchestergewerkschafter war es, als Schmied hervorhob,
dass sie sich "auch für die verfassungsrechtlich geschützte Freiheit
der Kunst ausspreche, die der Staat niemals antasten darf."
Schmerzdämmung: Musik bringt Morphiumreduktion um 50 Prozent
Eine Lanze für die weit über das rein Musikalische hinaus
reichende Bedeutung der Orchester brach Univ. Prof. Dr. Gertraud
Berka-Schmid, die sich mit deren Bedeutung für den Gesundheit,
Soziales und Bildung beschäftigte. Die Koordinatorin des
interuniversitären Studiums Musiktherapie zwischen medizinischer
Universität und Musikuniversität Wien strich dabei vor allem die
überraschend hohe Wirkung auf die Gesundheit hervor: "In der Musik
liegt ein ungeheures Potenzial an Medikament-Reduzierung und
Schmerzlinderung", Berka-Schmid sprach von einer Morphiumreduktion um
50 Prozent allein durch Musikeinwirkung. Sie nannte auch den Grund
dafür: "Der Mensch ist Musik, der Körper sein Instrument und die
Stimme das hörbare Ergebnis." Logische Folge: "Wenn man ein
Instrument spielt, kann man Krisen viel besser meistern." Kaum jemand
wisse aber um den engen Zusammenhang von Musik und Gesundheit bzw.
Prävention, meinte Berka-Schmid, denn leider seien "die Leistungen,
die große Orchester hier erbringen, nicht in unseren Köpfen." Auch im
Bildungsbereich wirke Musik enorm: "Es gibt keine größere
Umwegrentabilität von Bildung als bei Kunstschulen, wo auch Tanz und
Musik unterrichtet wird: Dort sind die höchsten
Durchschnittsleistungen auch in Mathematik usw. gegeben."
Datenmaterial zu "Wirtschaftsfaktor Orchester" fehlt
Im Laufe der Konferenz wurde insbesondere beim Referat von Univ.
Prof. Dr. Hanns Abele (Ordinarius für Volkswirtschaftlehre,
Wirtschaftsuniversität Wien) offenkundig, dass es zwar genaue
Erhebungen betreffend den Wirtschaftsfaktor Kultur gibt, nicht jedoch
gesondert für den Teilbereich Orchester. Siakala kündigte daher als
konkretes Ergebnis der Konferenz an, dass nun durch die
Gewerkschafts-Fachgruppe ein Fragenkatalog zur Erstellung
ausreichenden Datenmaterials erarbeitet werden soll. Als
"erschütternd" bezeichnete er das Ergebnis einer europaweiten
Umfrage, ob einem persönlich die Kultur wichtig ist: Franzosen und
Polen bejahten dies zu 90 Prozent, hingegen bildete die
(selbsternannte) Kulturnation Österreich mit nur 53 Prozent das
Schlusslicht.
"Bei Kultur glaubt jeder Politiker, mitreden zu können"
Hart ins Gericht mit der Politik ging der Geschäftsführer der
deutschen Orchestervereinigung, Rechtsanwalt Gerald Mertens: "Bei
Kultur glaubt jeder Politiker, mitreden zu können, der schon
irgendwann im Theater war und ein Kind hat, das in der Volksschule
Blockflöte gelernt hat!" Solche Politiker bestimmen aber über die
Förderungsgelder, hielt Mertens fest. Kultur benötige jedoch
Förderung, und dies regelmäßig steigend, denn "im Gegensatz zur
Industrie ist bei klassischer Musik keine Produktionssteigerung
möglich: Ein Beethoven-Konzert benötigt heute ebenso viele Musiker
wie vor 100 Jahren!" Als beispielhaft beim Marketing lobte Mertens
die NÖ Tonkünstler: "Da können sich auch in Deutschland viele
Orchester eine Scheibe abschneiden!" (schluss)
FOTOS bei Bedarf anfordern bei: [email protected];
oder bei [email protected]
FOTOS: Michael Kress/PRofi-Press
(Abdruck bei Namensnennung honorarfrei)
Foto 1
Kulturministerin Dr. Claudia Schmied beizeichnete die Kultur als
"zweifelsohne bedeutenden ökonomischen Faktor" (rechts im Bild
Orchester-Fachgruppenvorsitzender Peter Siakala und
Bundesländerorchester-Fachgruppenvorsitzender Reinhard Pirstinger).
Foto 2
Kulturministerin Dr. Claudia Schmied bei der Eröffnungsrede der
Konferenz "Orchester in Österreich: Mehrwert für Gesellschaft,
Bildung, Wirtschaft".
Foto 3
Referenten und Organisatoren bei der Konferenz "Orchester in
Österreich: Mehrwert für Gesellschaft, Bildung, Wirtschaft"
(v.r.n.l.): Orchester-Fachgruppenvorsitzender Peter Siakala, Univ.
Prof. Dr. Hanns Abele, Univ. Prof. Dr. Gertraud Berka-Schmid, Gerald
Mertens und Bundesländerorchester-Fachgruppenvorsitzender Reinhard
Pirstinger.
Foto 4
Univ. Prof. Dr. Gertraud Berka-Schmid, Koordinatorin des
interuniversitären Studiums Musiktherapie zwischen medizinischer
Universität und Musikuniversität Wien, betonte die überraschend hohe
Wirkung der Musik auf die Gesundheit.
Foto 5
Univ. Prof. Dr. Hanns Abele (Ordinarius für Volkswirtschaftlehre,
Wirtschaftsuniversität Wien) hielt fest, dass genaue Daten fehlen.
Foto 6
Gerald Mertens, Geschäftsführer der deutschen Orchestervereinigung,
zeigte die Situation in Deutschland auf.
ÖGB, 21. November 2007 Nr.688
Rückfragehinweis:
Pressesprecher Michael Kress Tel.: 0664/201 70 45, e-mail: [email protected] Peter Siakala Tel.: 0699/144 11 740, [email protected] Zentralsekretärin Mag. Sabine Herold Tel. 01/31316/838 00, 0664/614 54 02 e-mail: [email protected]
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