Zum Tag der Kinderrechte: Neues Chancengesetz für Kinder/Jugendliche

Innsbruck/Wien (OTS) - SOS-Kinderdorf und andere
Hilfsorganisationen fordern mit Nachdruck ein zeitgemäßes "Chancengesetz für Kindeswohl und Jugendhilfe" statt der geplanten "Mininovelle" des verstaubten Jugendwohlfahrtsgesetzes (JWG 1989).

Seit Monaten arbeitet SOS-Kinderdorf an Vorschlägen für die vom Familienministerium geplante Novelle des Jugendwohlfahrtgesetzes. Neben der Erstellung eines Positionspapiers mit fünf zentralen Themen und Forderungen wurde mit den politisch Verantwortlichen der Dialog gesucht. Es gab im März erste Gespräche mit Bundesministerin Kdolsky. Bundespräsident Fischer erhielt bei der 50-Jahr-Feier im SOS-Kinderdorf Hinterbrühl ein entsprechendes Schreiben, das er in seiner Rede öffentlich befürwortete. Auch die Minister Hahn und Buchinger waren anwesend.

Zu dem zur Begutachtung aufgelegten Entwurf des Ministeriums gibt es bislang 23 Stellungnahmen. Viele Hilfsorganisationen zeigen sich enttäuscht und vor den Kopf gestoßen. Von der noch im Frühjahr angekündigten großen Novelle mit Beteiligung der Betroffenen und Praktiker ist leider nichts mehr übrig. SOS-Kinderdorf-GF Wilfried Vyslozil: "Das ist eine Mini-Novelle. Die Inhalte greifen viel zu kurz! Eine große Novelle, idealerweise in Form eines 'Chancengesetzes', bleibt unser Ziel. Sie muss fundamental von den Ansprüchen des Kindes(wohls) her angelegt sein. Diese Novelle dagegen wurde aus Sicht von Verwaltungsbeamten gemacht und nicht aus der Perspektive, was Kinder/Jugendliche wirklich brauchen."

Um die Forderungen auf eine breite Basis zu stellen, hat SOS-Kinderdorf gemeinsam mit anderen NGO`s die "Interessensgemeinschaft Chancengesetz" gegründet. Ziel ist es, dass ihre Stimmen zumindest gehört und ihre Ideen für die geplante Novelle berücksichtigt werden. Gefordert wird daher ein Inklusionstisch im Familienministerium. Es kann nicht sein, dass die betroffenen jungen Menschen, die Trägervereine mit ihren Fachleuten und SozialarbeiterInnen keinen Zugang zur Novellierung haben.

"Wenn schon junge Menschen nicht selbst in die JWG-Novelle eingebunden werden, fordern wir an ihrer Stelle den für sie bislang fehlenden Rechtsanspruch auf Jugendwohlfahrts-Leistungen und bundeseinheitliche, zeitgemäße Standards", sagt der pädagogische Leiter der SOS-Kinderdörfer, Christian Posch. "Starke regionale Unterschiede in der Handhabung der JWF sind inakzeptabel. Insgesamt gilt es jenseits aller Ideologien und Verwaltungspraxen genau hinzusehen, was junge Menschen in schwierigen Lebenslagen brauchen. Sie sollen nicht im Finanzierungs- und Kompetenz-gerangel zwischen Jugendwohlfahrt, Schule, Gesundheitswesen und Justiz auf der Strecke bleiben."

Mitglieder der Interessensgemeinschaft "Chancengesetz":
National Coalition (Kinderrechte Netzwerk), Rettet das Kind, Vorarlberger Kinderdorf, Österreichische Kinder- und Jugendanwaltschaften, DÖJ- Dachverband österreichischer Jugendwohlfahrtsträger, Pro Juventute Österreich, IGSWG Wien/NÖ/Bgld, ARGE JURE, Plattform freie Jugendohlfahrtsträger NÖ, Esperanza-Zentrum für tiergeschützte Pädagogik, Institut für Sozialdienste-Familienarbeit Feldkirch, SOS-Kinderdorf Österreich.

Weitere Infos und Positionspapier mit den Forderungen auf www.sos-kinderdorf.at (Startseite)

Rückfragen & Kontakt:

Michael Gnauer, Chancengesetz/JWG Vernetzung
Tel.: 0676/9229393, michael.gnauer@sos-kinderdorf.at

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