- 06.11.2007, 14:46:25
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ProgTrans-Studie: Anhaltend hohe Dynamik im europäischen Güterverkehr
Rommerskirchen: Transitverkehr wird weiter zunehmen - "Bei der Bahn könnte es eine Trendwende geben" - Pressekonferenz des Fachverbandes Güterverkehr
Wien (PWK842) - Der österreichische Güterverkehr wird bis 2020 um
mehr als die Hälfte der heutigen Verkehrsleistung zulegen, was einem
durchschnittlichen Jahreswachstum von drei Prozent entspricht. Leicht
über dem Durchschnitt wird der Straßengüterverkehr zulegen, während
die Schiene in moderatem Ausmaß Marktanteile verlieren wird. Dies
geht aus dem ProgTrans-Report 2007/08 hervor, der Prognosen zum
Güter- und Personenverkehr in Europa und Übersee bis 2020 enthält.
Der starke Außenhandel und die zentrale geografische Lage
Österreichs fordern ihren Tribut. So wachsen Importverkehr und
Transit deutlich stärker als der Binnenverkehr, erklärte
ProgTrans-Geschäftsführer Stefan Rommerskirchen (Basel) heute,
Dienstag, in einem Pressegespräch des Fachverbandes Güterbeförderung
in der WKÖ. Rommerskirchen untermauerte die Position Österreichs als
Transitland mit deutlichen Zahlen: Fast ein Drittel aller
Tonnenkilometer stehen in keinem Zusammenhang mit der
österreichischen Nachfrage, sondern werde von den europäischen
Nachbarn, insbesondere im Italien-bezogenen Verkehr, generiert. Damit
besitzt Österreich nach Luxemburg, Litauen und der Schweiz den
vierthöchsten Anteil im Durchgangsverkehr. Absolut gesehen belegt die
Transitleistung nach Deutschland und Frankreich sogar den dritten
Rang in Europa, mit mehr als doppelt so vielen
Transit-Tonnenkilometern als in der Schweiz.
In den nächsten 15 Jahren werde der Transitverkehr nochmals um gut
die Hälfte anwachsen. Der Großteil davon wird im alpenquerenden
Nord-Süd-Verkehr realisiert. Bemerkenswerterweise werde dabei der
Verkehr in Richtung Süden (plus 2,4 Prozent p.a.) weniger stark
zunehmen als in der Gegenrichtung (mehr als 4 Prozent jährlich).
Weiterhin dynamisch, so Rommerskirchen, werden sich auch die
anderen Österreich-bezogenen grenzüberschreitenden Verkehre
entwickeln. "Die vielfach erwartete Verkehrslawine aus dem Osten
bleibt dennoch aus". Denn die hinter den beeindruckenden
Wachstumsraten stehenden absoluten Zahlen gehen, so der
Trendforscher, im Güterverkehr Westeuropas beinahe unter. So besitze
allein Deutschland einen größeren Güterverkehrsmarkt als ganz
Osteuropa zusammengenommen. Die auf österreichischen Verkehrswegen
erbrachten Güterverkehrsleistungen werden 2020 diejenigen von Ländern
wie Schweden, Rumänien, Finnland oder Ungarn klar übertreffen.
Heute werden auf der Schiene knapp 18 Prozent der europäischen
Güterverkehrsleistung abgewickelt (Straße: 77 Prozent). An dieser
Dominanz der Straße werde sich auch in Zukunft nichts ändern. In
Osteuropa verliere die Bahn nach wie vor überdurchschnittlich hoch
Marktanteile. Dies könne auch durch punktuelle Marktanteilsgewinne
der Schiene in Westeuropa nicht aufgefangen werden. Weiters setze
sich in Europa der "Güterstruktureffekt" weiter fort: Weg von
(bahnaffinen) Massengütern hin zu hochwertigen Halb- und Fertigwaren,
die vielfach schneller und kostengünstiger mit dem Lkw befördert
werden können. Auch über längere Distanzen seien die Angebote der
Schiene heute oft (noch) nicht konkurrenzfähig.
Rommerskirchen erwartet allerdings, dass die verkehrspolitischen
Maßnahmenpakete im Bahnverkehr, insbesondere die Liberalisierung des
Güterverkehrs, künftig vor allem in Westeuropa zu mehr Produktivität
führen werden. Diese sollten den Trend zu Anteilsverlusten der
Schiene zumindest einbremsen. Ab 2020 werde die Bahn in der Lage
sein, zusätzliche Marktanteile zu gewinnen "In Österreich, wo die
Anteile der Schiene an den Güterverkehrsleistungen vergleichsweise
hoch liegen, wird sich ihr Anteil vorerst noch weiter reduzieren",
fasste Rommerskirchen zusammen. "Es könnte aber eine Trendwende
geben. Dank schienengerechter Container und anderer
effizienzsteigernder Maßnahmen hat die Bahn die Chance, bestehende
Märkte besser zu bedienen als heute."
Freuen kann sich, so der Basler Verkehrsfachmann, auch der Air
Cargo-Bereich in Österreich. Nach Luxemburg wird er mit jährlichen
Wachstumsraten von mehr als vier Prozent die zweithöchste Zunahme bei
der Luftfracht in Westeuropa verzeichnen können. (hp)
Rückfragehinweis:
Wirtschaftskammer Österreich, Fachverband für das Güterbeförderungsgewerbe Mag. Rudolf Bauer Tel: +43 (0)1 961 63 63 57 Fax: +43 1 961 63 75 Email: [email protected]
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