WKÖ-Präsident Leitl fordert umfassende Analyse der Finanzkrise

Die tatsächlichen Auswirkungen von Basel II auf die Kreditfinanzierung müssen genau beobachtet und hinterfragt werden

Wien (PWK825) - WKÖ-Präsident Christoph Leitl begrüßte heute eine aktuelle und mit ihm abgestimmte Initiative des EU-Parlamentariers Othmar Karas: In einer parlamentarischen Anfrage fordert Karas von der EU-Kommission in mehreren Fragen eine umfassende Analyse der Ursachen und Folgen der Finanzkrise, die im Sommer durch Probleme am US-Hypothekenmarkt ausgelöst wurde. Dabei wird eine Wirkungsanalyse zu Basel II und eine Prüfung der Rolle der Ratingagenturen eingefordert sowie nach weiteren Überlegungen zur Verbesserung des Zugangs der kleineren und mittleren Unternehmen zu Finanzierungen gefragt.

"Die österreichischen Klein- und Mittelbetriebe sind von den Folgen der Finanzkrise unmittelbar betroffen", betonte Leitl. So sind am Kapitalmarkt im Sommer die Euribor-Sätze (Zinssätze am Interbank-Markt) als Folge der US-Hypothekenkrise bis zu einem halben Prozentpunkt angestiegen. Diese Zinssätze sind in der Praxis wichtige benchmarks in den Kreditverträgen. Auch wenn die Kreditzinsen in Österreich generell unter dem Durchschnitt des Euroraums liegen, sei es dadurch seit August zu einer faktischen Zinserhöhung bei neuen und - je nach Vertag - auch bei bestehenden Kreditverträgen gekommen. Erst seit Oktober sind die Euro-Geldmarktzinssätze wieder rückläufig.

Weiters zeigen die österreichischen Ergebnisse des "bank lending survey" der EZB für das dritte Quartal 2007, dass zwar der Zugang zu Kreditfinanzierung für KMU insgesamt nicht erschwert wurde, seitens der Banken aber die Margen insbesondere für risikoreichere Kredite angehoben wurden, und mehr Sicherheiten verlangt würden.

"Wenn sich große Banken am amerikanischen Hypothekenmarkt verspekulieren, hat das direkte Auswirkungen auf unsere Klein- und Mittelbetriebe. Daher können wir nicht zur Tagesordnung übergehen, sondern müssen an einer Prävention von Finanzkrisen interessiert sein" so Leitl. Er fordert unter anderem eine verbesserte Zusammenarbeit der Aufsichtsbehörden (sowohl innerhalb der EU, als auch international). "Auch die Tätigkeit der Ratingagenturen muss näher hinterfragt werden. Es darf keine Interessenskonflikte in deren Tätigkeit geben", betonte Leitl. Die tatsächlichen Wirkungen von Basel II auf die Kreditfinanzierung müssten ebenfalls genau beobachtet werden.

Leitl warnt aber vor überschießenden Regulierungen als Reaktion auf die Finanzkrise: "Finanzdienstleistungen und Finanzierungen dürfen für KMU und Europas Bürger nicht teurer und an sich sinnvolle Finanzinnovationen nicht unattraktiv werden." (FA)

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