ÖLI-UG zum Abbruch der Gesamtschulverhandlungen: Gegen Beton, für Mitwirkung der GewerkschafterInnen an Gesamtschulreform im Interesse aller Kinder und LehrerInnen!

Schmied-Angebot an LehrerInnen und Eltern fehlen Ressourcen - Blockadepolitik des ÖVP-Bildungssprechers Neugebauer beschädigt Gewerkschaftsvorsitzenden Neugebauer und die GÖD

Wien (OTS) - Dem Gesamtschulmodell der Bundesministerin fehlen weiterhin die Zustimmung von Schüssels Bundes-ÖVP und die für den Start der Modellregionen (in Folge für alle Schulen) notwendigen zusätzlichen Budgetmittel für Individualisierung, Integration und Förderung aller Kinder. Die Skepsis von LehrerInnen und Eltern gegenüber "Reformen, die nichts kosten" bleibt. Die Klärung von dienst- und besoldungsrechtlichen Fragen, von Kompetenzen für Personaleinsatz und Sachaufwendungen ("Verbundlichung" der LandeslehrerInnen und der Pflichtschulen?) steht noch aus, ebenso die Novellierung des
Personalvertretungsrechtes und die Anhebung der Aus- und Fortbildung auf Universitätsniveau, 10-Semester Masterstudien und AkademikerInnenbezahlung für alle LehrerInnen.

Für die nachhaltige Lösung dieser Fragen kann der Abbruch der Verhandlungen zwischen Ministerin Schmied und ÖVP-Bildungssprecher und das von diesem erreichte Verzögern auch als Zeitgewinn genommen werden. Nach Jahrzehnten des Weiterwurstelns in einem von der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung überholten ständischen Schulsystem wird es auf ein paar Monate mehr nicht ankommen. Schmied hat sich allem Anschein nach nicht vom Einstieg in die Gesamtschul-Reform abbringen lassen, und vielleicht fällt ihr und ihren ExpertInnen in der Nachdenkpause auf, wie wenig das aus parteitaktischen Gründen in den Entwurf mitgenommene niederösterreichische ÖVP-Modell einer zweijährigen Volksschulverlängerung oder besser Hauptschulunterteilung mit Gesamtschule zu tun hat.

Die standespolitische und gegenüber den Kindern und LehrerInnen der Pflichtschulen alles andere als solidarische AHS-Gewerkschaft hat ihr Ziel, die Gesamtschule und die Modellregionen ohne Mitbestimmung der Volksschuleltern und der mitbetroffenen Hauptschulen von AHS-Eltern und -LehrerInnen als §7-Schulversuche entsorgen zu können, nicht erreicht. Der Abbruch der Verhandlungen wird die eben begonnene Diskussion um die Überwindung des Auseinanderdividierens von 9-jährigen Kindern in HS und AHS-Unterstufe in der Öffentlichkeit und an den Schulen nicht beenden und die Widersprüche in der ÖVP und in der GÖD nicht einebnen, und die in der AHS-Gewerkschaft auch nicht.

Die Unabhängigen GewerkschafterInnen der ÖLI-UG stellen fest:

1. AHS und HS sind Teile EINES Schulsystems - 15-jährige funktionale Analphabeten, soziale Auslese durch eine geburtsständische Schulorganisation, MigrantInnenkinder im gesellschaftlichen Abseits - akute Probleme samt individuell-persönlicher wie gesamtgesellschaftlicher Nachteile und Folgekosten sind im Nebeneinander von HS/AHS nicht zu lösen - mehr Geld für AHS + HS allein würde die Schere nicht schließen, samt ungleicher Elternpower wird sie weiter aufgehen.

2. In der GÖD gibt es einen Interessenskonflikt zwischen APS (PflichtschullehrerInnen) und AHS, denn ein Verzicht auf die Gesamtschulreform belastet die Arbeit an den Volksschulen (Selektionsdruck ab der 3.Klasse) und macht die Hauptschulen endgültig zu Restschulen (Geburtenrückgang und sinkende Bundeszuschüsse für die Schulbudgets der Länder, Ghettoisierung in den Ballungsräumen). Für die AHS ist der Geburtenrückgang kein Problem, weil - wenn alles nur bleibt wie es ist -
frei werdende Kapazitäten zu einem vermehrten Zustrom aus den VS führen. Wer die AHS-Unterstufe und HS nicht als zwei Seiten eines Systems sehen will und wer die bereits bestehenden pädagogischen und sozialen Probleme an den AHS-Unterstufen kleinredet, für den braucht sich nichts zu ändern.

3. Kollege Neugebauer ist als GÖD-Vorsitzender und als LehrerInnengewerkschafter gefordert, weil das Blockieren der sozial-, demokratie- und wirtschaftspolitisch notwendigen Lösung des Mittelstufenproblems auf dem Rücken erst der APS-LehrerInnen passiert und das Verweigern jeder Reform der Mittelstufe nachhaltig allen LehrerInnengruppen Schaden zufügt.

Die Unabhängigen GewerkschafterInnen der ÖLI-UG fordern daher "ihren" GÖD-Vorsitzenden Neugebauer einmal mehr auf, die parteipolitischen Funktion des ÖVP-Bildungssprechers zurückzulegen und als Gewerkschafter für bisher vernachlässigte gemeinsame, von ALLEN LehrerInnen-Gewerkschaften getragene Lösungen in der Gesamtschulfrage zu arbeiten. Es braucht eine solidarische Gewerkschaftspolitik in der GÖD und auch im ÖGB, damit die Interessen aller LehrerInnengruppen im Reformprozess ebenso berücksichtigt werden, wie die der im herrschenden Bildungssystem benachteiligten und frustrierten Kinder und Jugendlichen.

Die österreichische Schule braucht ein Optimum an Ressourcen und Bildungschancen. Ohne eine offene, ihre Mitglieder sachlich informierende und mobilisierende Gewerkschaft wird es nicht die notwendigen Veränderungen in der Budgetpolitik geben. Sich auf die Bildungsministerin verlassen oder den Goodwill von Gusenbauer und Molterer wird zu wenig sein. Gruppenegoismen helfen dem "divide et impera" des immer noch auf Einsparungen bedachten Dienstgebers und der neoliberalen Budgetpolitik, schaden der Schule und den LehrerInnen.

Reinhart Sellner, Wilfried Mayr, Gary Fuchsbauer, für die ÖLI-UG AHS/APS/BMHS.

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