- 24.10.2007, 12:17:30
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ÖLI-UG zum Abbruch der Gesamtschulverhandlungen: Gegen Beton, für Mitwirkung der GewerkschafterInnen an Gesamtschulreform im Interesse aller Kinder und LehrerInnen!
Schmied-Angebot an LehrerInnen und Eltern fehlen Ressourcen - Blockadepolitik des ÖVP-Bildungssprechers Neugebauer beschädigt Gewerkschaftsvorsitzenden Neugebauer und die GÖD
Wien (OTS) - Dem Gesamtschulmodell der Bundesministerin fehlen
weiterhin die Zustimmung von Schüssels Bundes-ÖVP und die für den
Start der Modellregionen (in Folge für alle Schulen) notwendigen
zusätzlichen Budgetmittel für Individualisierung, Integration und
Förderung aller Kinder. Die Skepsis von LehrerInnen und Eltern
gegenüber "Reformen, die nichts kosten" bleibt. Die Klärung von
dienst- und besoldungsrechtlichen Fragen, von Kompetenzen für
Personaleinsatz und Sachaufwendungen ("Verbundlichung" der
LandeslehrerInnen und der Pflichtschulen?) steht noch aus, ebenso die
Novellierung des
Personalvertretungsrechtes und die Anhebung der Aus- und Fortbildung
auf Universitätsniveau, 10-Semester Masterstudien und
AkademikerInnenbezahlung für alle LehrerInnen.
Für die nachhaltige Lösung dieser Fragen kann der Abbruch der
Verhandlungen zwischen Ministerin Schmied und ÖVP-Bildungssprecher
und das von diesem erreichte Verzögern auch als Zeitgewinn genommen
werden. Nach Jahrzehnten des Weiterwurstelns in einem von der
gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung überholten
ständischen Schulsystem wird es auf ein paar Monate mehr nicht
ankommen. Schmied hat sich allem Anschein nach nicht vom Einstieg in
die Gesamtschul-Reform abbringen lassen, und vielleicht fällt ihr und
ihren ExpertInnen in der Nachdenkpause auf, wie wenig das aus
parteitaktischen Gründen in den Entwurf mitgenommene
niederösterreichische ÖVP-Modell einer zweijährigen
Volksschulverlängerung oder besser Hauptschulunterteilung mit
Gesamtschule zu tun hat.
Die standespolitische und gegenüber den Kindern und LehrerInnen
der Pflichtschulen alles andere als solidarische AHS-Gewerkschaft hat
ihr Ziel, die Gesamtschule und die Modellregionen ohne Mitbestimmung
der Volksschuleltern und der mitbetroffenen Hauptschulen von
AHS-Eltern und -LehrerInnen als §7-Schulversuche entsorgen zu können,
nicht erreicht. Der Abbruch der Verhandlungen wird die eben begonnene
Diskussion um die Überwindung des Auseinanderdividierens von
9-jährigen Kindern in HS und AHS-Unterstufe in der Öffentlichkeit und
an den Schulen nicht beenden und die Widersprüche in der ÖVP und in
der GÖD nicht einebnen, und die in der AHS-Gewerkschaft auch nicht.
Die Unabhängigen GewerkschafterInnen der ÖLI-UG stellen fest:
1. AHS und HS sind Teile EINES Schulsystems - 15-jährige
funktionale Analphabeten, soziale Auslese durch eine
geburtsständische Schulorganisation, MigrantInnenkinder im
gesellschaftlichen Abseits - akute Probleme samt
individuell-persönlicher wie gesamtgesellschaftlicher Nachteile und
Folgekosten sind im Nebeneinander von HS/AHS nicht zu lösen - mehr
Geld für AHS + HS allein würde die Schere nicht schließen, samt
ungleicher Elternpower wird sie weiter aufgehen.
2. In der GÖD gibt es einen Interessenskonflikt zwischen APS
(PflichtschullehrerInnen) und AHS, denn ein Verzicht auf die
Gesamtschulreform belastet die Arbeit an den Volksschulen
(Selektionsdruck ab der 3.Klasse) und macht die Hauptschulen
endgültig zu Restschulen (Geburtenrückgang und sinkende
Bundeszuschüsse für die Schulbudgets der Länder, Ghettoisierung in
den Ballungsräumen). Für die AHS ist der Geburtenrückgang kein
Problem, weil - wenn alles nur bleibt wie es ist -
frei werdende Kapazitäten zu einem vermehrten Zustrom aus den VS
führen. Wer die AHS-Unterstufe und HS nicht als zwei Seiten eines
Systems sehen will und wer die bereits bestehenden pädagogischen und
sozialen Probleme an den AHS-Unterstufen kleinredet, für den braucht
sich nichts zu ändern.
3. Kollege Neugebauer ist als GÖD-Vorsitzender und als
LehrerInnengewerkschafter gefordert, weil das Blockieren der sozial-,
demokratie- und wirtschaftspolitisch notwendigen Lösung des
Mittelstufenproblems auf dem Rücken erst der APS-LehrerInnen passiert
und das Verweigern jeder Reform der Mittelstufe nachhaltig allen
LehrerInnengruppen Schaden zufügt.
Die Unabhängigen GewerkschafterInnen der ÖLI-UG fordern daher
"ihren" GÖD-Vorsitzenden Neugebauer einmal mehr auf, die
parteipolitischen Funktion des ÖVP-Bildungssprechers zurückzulegen
und als Gewerkschafter für bisher vernachlässigte gemeinsame, von
ALLEN LehrerInnen-Gewerkschaften getragene Lösungen in der
Gesamtschulfrage zu arbeiten. Es braucht eine solidarische
Gewerkschaftspolitik in der GÖD und auch im ÖGB, damit die Interessen
aller LehrerInnengruppen im Reformprozess ebenso berücksichtigt
werden, wie die der im herrschenden Bildungssystem benachteiligten
und frustrierten Kinder und Jugendlichen.
Die österreichische Schule braucht ein Optimum an Ressourcen und
Bildungschancen. Ohne eine offene, ihre Mitglieder sachlich
informierende und mobilisierende Gewerkschaft wird es nicht die
notwendigen Veränderungen in der Budgetpolitik geben. Sich auf die
Bildungsministerin verlassen oder den Goodwill von Gusenbauer und
Molterer wird zu wenig sein. Gruppenegoismen helfen dem "divide et
impera" des immer noch auf Einsparungen bedachten Dienstgebers und
der neoliberalen Budgetpolitik, schaden der Schule und den
LehrerInnen.
Reinhart Sellner, Wilfried Mayr, Gary Fuchsbauer, für die ÖLI-UG
AHS/APS/BMHS.
Rückfragehinweis:
ÖLI/UG - Österreichische LehrerInneninitiative/Unabhängige GewerkschafterInnen
Gary Fuchsbauer, Mobile: 0664/924 15 80
Internet: www.oeli-ug.at
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