COPA-General Pesonen: Alles wurde teurer außer Agrarprodukte

EU-Landwirte wollen Kalkulierbarkeit und nicht als Preistreiber dastehen

Wien (AIZ) - In einem Gespräch mit dem AIZ bei einem Wienbesuch machte kürzlich der Generalsekretär der Europäischen Dachorganisationen der Landwirte- und Genossenschaftsverbände COPA und COGECA, Pekka Pesonen, mit Nachdruck klar, die jüngsten Preissteigerungen bei agrarischen Rohstoffen wie Milch oder Getreide in Europa seien einer Reihe Faktoren, beginnend von der Marktorientierung der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) bis hin zu ungünstigem Witterungsverlauf für die Produktion, globalem Bevölkerungswachstum und steigender Nachfrage nach Lebensmitteln insbesondere in China, zuzuschreiben. "Am wenigsten aber kann die Bioenergie-Politik der EU dafür verantwortlich gemacht werden, da nur ein verschwindender Bruchteil von weniger als 2% der EU-Getreideproduktion in die Energieerzeugung fließt", so Pesonen. Die Landwirte in der EU wollen Kalkulierbarkeit mit nachhaltigen Rahmenbedingungen und Preisentwicklungen, aber nicht als Preistreiber dastehen. Verbraucherpreise enthielten nämlich nur geringe Anteile an Rohstoffkosten und gäben vor allem den hohen Verarbeitungsgrad der Lebensmittel wieder.

Die europäischen Landwirte begrüßten nach Jahrzehnten des sogar nominellen Verfalls der Erzeugerpreise dennoch die derzeitigen Preise, "denn sie decken jetzt endlich wieder die im Gegensatz zu den Erlösen laufend gestiegenen Kosten. Und alles, ob Energie oder Arbeit, wurde in den vergangenen Jahren teurer, außer die Produkte der Landwirtschaft". Hohe Getreidepreise führten aber auch zu Verzerrungen innerhalb der Landwirtschaft wie für die Viehalter durch steigende Futterkosten. "Daher werden die Fleischpreise dem Getreidepreis folgen müssen."

Wie Getreide- und Milchbauern jetzt mit den Preisen zufrieden seien und Interesse an einer nachhaltigen moderat positiven Weiterentwicklung hätten, müsse man sich aber auch bewusst sein, dass es auch schnell wieder bergab gehen könne. Pesonen warnte daher vor voreiligen Schlüssen der Politik in Richtung einer Diskussion um die Notwendigkeit oder das Niveau von Direktzahlungen an die Landwirte.

Direktzahlungen hielten Verbraucherpreise niedrig - aber nur Teilausgleich für Bauern

COPA und COGECA seien zwar bereit, sich in eine ernsthafte Diskussion "ohne Tabu" darüber über die Zeit nach 2013 einzulassen und sich aktiv einzubringen, aber zuvor müsse die Politik die Nachhaltigkeit der gegenwärtigen Preisentwicklung längerfristig beobachten und ein gewisses Maß an Marktregulierung zur Erhaltung der Balance und Vermeidung extremer Ausschläge weiterhin garantieren. Zudem hätten die Direktzahlungen in der Vergangenheit bei den Bauern nur einen Teil des Rückganges der Agrarpreise auffangen können, gleichzeitig aber die Verbraucherpreise niedrig gehalten.

Der Konsument bezahlt beim Lebensmittel vor allem hohen Verarbeitungsgrad

Zum Entstehen der Verbraucherpreise machte Pesonen aber weiters deutlich, "der Konsument bezahlt für einen hohen Verarbeitungsgrad der Lebensmittel, an dessen Preis die Erlöse der Landwirte einen marginalen Anteil haben". Dagegen ende aber der Einfluss der EU-Agrarpolitik vor der Verarbeitungsstufe. Daher sei es vor allem eine Frage der Effizienz und Optimierung in der Lebensmittelkette, wie viel der Verbraucher im Geschäft für Lebensmittel zahlen muss.

Spannungsfeld zwischen Bewusstsein als "Bürger" und "Konsument"

Doch zeige sich "das Bewusstsein des Europäers zwischen Bürger und Konsument in vielen Fällen gespalten". Der "Bürger" fordere Lebensmittel bester Qualität und Sicherheit sowie eine umweltverträgliche Landwirtschaft und greife als "Konsument" im Supermarkt in der Überzeugung, das Produkt werde schon sicher und hochwertig sein, wenn es angeboten wird, zum Billigsten und akzeptiere "nicht einmal 50 Cent Aufpreis für höherwertige Produktionsverfahren", beschreibt der Landwirte-Vertreter das Spannungsfeld, in dem sein Klientel wirtschaftet.

Hohe Produktionsstandards auch Schlüsselfrage für WTO und globalen Wettbewerb

"In der EU nach hohen Standards und aufwendigen Methoden zu produzieren, ist für die europäischen Landwirte eine Schlüsselfrage im internationalen Wettbewerb", verweist Pesonen auf die parallel laufenden Bemühungen, in der sogenannten Doha-Entwicklungsrunde der Welthandelsorganisation WTO den internationalen Handel mit Agrargütern weitestgehend zu liberalisieren. "Wir haben keine Angst vor dem Welthandel, aber Angst vor ungleichen Standards", lautet daher die Position der europäischen Landwirtschaft. "Strikte Produktionsauflagen in Bezug auf Umwelt, Tierschutz oder Soziales wie in der EU sollen daher als sogenannte trade concerns, das heißt Kriterien für die Handelbarkeit von Produkten, anerkannt werden. Das ist fair und die Lösung für das Problem eines verzerrten Wettbewerbs."

Auszug aus dem Interview mit Pekka Pesonen. Das ganze Interview und Information zur Person sowie COPA und COGECA auf http://www.aiz.info.
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