- 09.10.2007, 15:26:33
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COPA-General Pesonen: Alles wurde teurer außer Agrarprodukte
EU-Landwirte wollen Kalkulierbarkeit und nicht als Preistreiber dastehen
Wien (AIZ) - In einem Gespräch mit dem AIZ bei einem Wienbesuch
machte kürzlich der Generalsekretär der Europäischen
Dachorganisationen der Landwirte- und Genossenschaftsverbände COPA
und COGECA, Pekka Pesonen, mit Nachdruck klar, die jüngsten
Preissteigerungen bei agrarischen Rohstoffen wie Milch oder Getreide
in Europa seien einer Reihe Faktoren, beginnend von der
Marktorientierung der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) bis hin
zu ungünstigem Witterungsverlauf für die Produktion, globalem
Bevölkerungswachstum und steigender Nachfrage nach Lebensmitteln
insbesondere in China, zuzuschreiben. "Am wenigsten aber kann die
Bioenergie-Politik der EU dafür verantwortlich gemacht werden, da nur
ein verschwindender Bruchteil von weniger als 2% der
EU-Getreideproduktion in die Energieerzeugung fließt", so Pesonen.
Die Landwirte in der EU wollen Kalkulierbarkeit mit nachhaltigen
Rahmenbedingungen und Preisentwicklungen, aber nicht als Preistreiber
dastehen. Verbraucherpreise enthielten nämlich nur geringe Anteile an
Rohstoffkosten und gäben vor allem den hohen Verarbeitungsgrad der
Lebensmittel wieder.
Die europäischen Landwirte begrüßten nach Jahrzehnten des sogar
nominellen Verfalls der Erzeugerpreise dennoch die derzeitigen
Preise, "denn sie decken jetzt endlich wieder die im Gegensatz zu den
Erlösen laufend gestiegenen Kosten. Und alles, ob Energie oder
Arbeit, wurde in den vergangenen Jahren teurer, außer die Produkte
der Landwirtschaft". Hohe Getreidepreise führten aber auch zu
Verzerrungen innerhalb der Landwirtschaft wie für die Viehalter durch
steigende Futterkosten. "Daher werden die Fleischpreise dem
Getreidepreis folgen müssen."
Wie Getreide- und Milchbauern jetzt mit den Preisen zufrieden
seien und Interesse an einer nachhaltigen moderat positiven
Weiterentwicklung hätten, müsse man sich aber auch bewusst sein, dass
es auch schnell wieder bergab gehen könne. Pesonen warnte daher vor
voreiligen Schlüssen der Politik in Richtung einer Diskussion um die
Notwendigkeit oder das Niveau von Direktzahlungen an die Landwirte.
Direktzahlungen hielten Verbraucherpreise niedrig - aber nur
Teilausgleich für Bauern
COPA und COGECA seien zwar bereit, sich in eine ernsthafte
Diskussion "ohne Tabu" darüber über die Zeit nach 2013 einzulassen
und sich aktiv einzubringen, aber zuvor müsse die Politik die
Nachhaltigkeit der gegenwärtigen Preisentwicklung längerfristig
beobachten und ein gewisses Maß an Marktregulierung zur Erhaltung der
Balance und Vermeidung extremer Ausschläge weiterhin garantieren.
Zudem hätten die Direktzahlungen in der Vergangenheit bei den Bauern
nur einen Teil des Rückganges der Agrarpreise auffangen können,
gleichzeitig aber die Verbraucherpreise niedrig gehalten.
Der Konsument bezahlt beim Lebensmittel vor allem hohen
Verarbeitungsgrad
Zum Entstehen der Verbraucherpreise machte Pesonen aber weiters
deutlich, "der Konsument bezahlt für einen hohen Verarbeitungsgrad
der Lebensmittel, an dessen Preis die Erlöse der Landwirte einen
marginalen Anteil haben". Dagegen ende aber der Einfluss der
EU-Agrarpolitik vor der Verarbeitungsstufe. Daher sei es vor allem
eine Frage der Effizienz und Optimierung in der Lebensmittelkette,
wie viel der Verbraucher im Geschäft für Lebensmittel zahlen muss.
Spannungsfeld zwischen Bewusstsein als "Bürger" und "Konsument"
Doch zeige sich "das Bewusstsein des Europäers zwischen Bürger und
Konsument in vielen Fällen gespalten". Der "Bürger" fordere
Lebensmittel bester Qualität und Sicherheit sowie eine
umweltverträgliche Landwirtschaft und greife als "Konsument" im
Supermarkt in der Überzeugung, das Produkt werde schon sicher und
hochwertig sein, wenn es angeboten wird, zum Billigsten und
akzeptiere "nicht einmal 50 Cent Aufpreis für höherwertige
Produktionsverfahren", beschreibt der Landwirte-Vertreter das
Spannungsfeld, in dem sein Klientel wirtschaftet.
Hohe Produktionsstandards auch Schlüsselfrage für WTO und globalen
Wettbewerb
"In der EU nach hohen Standards und aufwendigen Methoden zu
produzieren, ist für die europäischen Landwirte eine Schlüsselfrage
im internationalen Wettbewerb", verweist Pesonen auf die parallel
laufenden Bemühungen, in der sogenannten Doha-Entwicklungsrunde der
Welthandelsorganisation WTO den internationalen Handel mit
Agrargütern weitestgehend zu liberalisieren. "Wir haben keine Angst
vor dem Welthandel, aber Angst vor ungleichen Standards", lautet
daher die Position der europäischen Landwirtschaft. "Strikte
Produktionsauflagen in Bezug auf Umwelt, Tierschutz oder Soziales wie
in der EU sollen daher als sogenannte trade concerns, das heißt
Kriterien für die Handelbarkeit von Produkten, anerkannt werden. Das
ist fair und die Lösung für das Problem eines verzerrten
Wettbewerbs."
Auszug aus dem Interview mit Pekka Pesonen. Das ganze Interview
und Information zur Person sowie COPA und COGECA auf
http://www.aiz.info.
(Schluss)pos
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Tel: 01/533-18-43, mailto:[email protected]
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