• 05.10.2007, 10:56:00
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Wlodkowski: Rasch Notprogramm zur Sicherung der Biogasanlagen starten

Kritik an Boltz: Landwirtschaft hat weitere Ressourcen als Alternative zu Atomstromimport

Wien (AIZ) - "Zahlreiche Biogasanlagen sind wegen anhaltend hoher
Rohstoffpreise unverschuldet und unvorhersehbar in akute
wirtschaftliche Gefahr geraten. Missernten in den Welt-Kornkammern
und anhaltende Nachfrage in China und Indien haben Agrarrohstoffe,
wie Mais, weltweit verteuert. Wir verlangen daher ein Notprogramm zur
Sicherung der Biogasanlagen. Konkret brauchen wir einen zeitlich
befristeten Rohstoffkostenzuschlag zum Einspeisetarif im Ausmaß der
Verteuerung der Stromgestehungskosten, ein begleitendes
Maßnahmenpaket für die weitere Effizienzsteigerung beim
Anlagenbetrieb und eine rasche Zuschlagsentscheidung", forderte heute
Gerhard Wlodkowski, Präsident der LK Österreich. Weiters kritisierte
er heftig die Aussage von E-Control-Geschäftsführer Walter Boltz, der
weitere Ausbau der Ökostromerzeugung sei keine Frage der Aufstockung
des Fördervolumens, weil die Landwirtschaft nicht genügend weitere
Ressourcen zur Verfügung stellen könne. "Diese Behauptung ist völlig
aus der Luft gegriffen. Alleine die Freigabe der Flächenstilllegung
durch die EU in Österreich mobilisiert ein Anbaupotenzial von
mehreren zehntausend Hektar Fläche, von denen die Landwirtschaft
zusätzliche Rohstoffe auch für die energetische Nutzung zur Verfügung
stellen kann, ohne dadurch die Lebensmittelpreise in die Höhe zu
treiben oder die Versorgung mit Futtermitteln zu verknappen",
widersprach Wlodkowski dem E-Controller.

Wlodkowski macht für die Stagnation bei der Neuerrichtung von
Ökostromanlagen die 2006 vorgenommene Novellierung des
Ökostromgesetzes verantwortlich. Nunmehr habe aber die ÖVP bei ihrer
Klubklausur einen Vorschlag für eine weitere Novellierung dieses
Gesetzes vorgelegt, wodurch bestehende Anlagen in ihrem Bestand
gesichert und die Errichtung neuer ermöglicht werden sollen. "Die
Landwirtschaftskammer sieht ihre Position zum Ausbau der
Ökostromgewinnung voll von der Ablehnung von Atomstrom durch die
österreichische Bevölkerung und die geltende Energiepolitik der
Bundesregierung bestätigt. Wenn Boltz den weiteren Ausbau der
Ökostrom-Alternative in Frage stellt, heißt das letztlich aber nichts
anderes, als damit den Importen von Atomstrom zur Befriedigung der
wachsenden Stromnachfrage noch weiteren Vorschub zu leisten", so
Wlodkowski.

Wlodkowski begründete auch seine Forderung nach einem Notprogramm
zur Sicherung der bestehenden Biogasanlagen mit dieser
energiepolitischen Ausrichtung Österreichs. "Die Anlagenbetreiber
haben den politischen Zielvorgaben entsprochen und sehr viel Geld
investiert, um unsere Ökostromproduktion auszuweiten. Sie dürfen nun
in dieser außerordentlich kritischen Situation nicht allein gelassen
werden. Das würde den ökonomischen Ruin vieler Anlagen bedeuten."

260 Biogasanlagen in Betrieb

Mit Jahresmitte 2007 waren in Österreich etwa 260 Biogasanlagen in
Betrieb und konnten im 1. Halbjahr 2007 rund 209.000 Megawattstunden
Ökostrom ins Stromnetz einspeisen. Damit gehören Biogasanlagen im
Vergleich mit anderen Ökostromanlagen zu den verlässlichsten
Verstromungstechnologien mit bester Planbarkeit der Einspeisemengen,
mit hohem Anteil der Stromlieferungen in Hochtarif- und
Spitzentarifzeiten und mit sehr geringem Ausgleichsenergiebedarf.
Dazu Wlodkowski: "Strom aus Biogasanlagen stellt damit einen der
wertvollsten Anteile am österreichischen Ökostrommix dar. Die
ausgezeichnete Verfügbarkeit der Biogasanlagen beruht einerseits auf
der bedarfsgerecht genauen Dosierbarkeit der eingesetzten Rohstoffe
und andererseits auf dem besonderen Engagement der
landwirtschaftlichen Betreibergruppen, die zur allfälligen
Fehlerbehebung und Anlagenoptimierung keine Mühen scheuen."

Maispreis als Kriterium

Eine zentrale Voraussetzung für die Wirtschaftlichkeit der
Biogasanlagen stellt der Preis für Silomais dar. Die Grundlage für
die Tarifgestaltung und für die Investitionsentscheidung war ein
relativ konstantes Preisniveau von ca. EUR 40,- pro Tonne Silomais
(Trockensubstanz) in den Jahren 1997 bis 2006. "Preissteigerungen bei
nachwachsenden Rohstoffen von mehr als 100% waren nicht
prognostizierbar und bedeuten eine eklatante Erhöhung der
Stromgestehungskosten um 5 bis 5,5 Cent/kWh. Anlagenbetreiber könnten
aufgrund der fehlenden Bedeckung durch die derzeit geltenden starren
Einspeistarife in kürzester Zeit in den Ruin getrieben werden",
warnte Wlodkowski.

"Damit wir den Anlagenbestand absichern können, muss daher
umgehend ein Notprogramm eingerichtet werden, mit dem bereits im 4.
Quartal 2007 auf die prekäre Situation der Biogasanlagenbetreiber
reagiert werden kann. Nur so können wir verhindern, dass eine der
zukunftsträchtigsten Formen der Öko-Energieerzeugung aus einer
momentanen wirtschaftlichen Not heraus in ihrer Existenz gefährdet
wird. Deshalb erwarte ich mir rasche und konkrete Entscheidungen in
der nächsten Zeit", verlangte Wlodkowski abschließend.
(Schluss)

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AIZ - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst
Tel: 01/533-18-43, mailto:[email protected]
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FAX: (01) 535-04-38

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