- 03.10.2007, 12:37:13
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"Chancen durch Bildung": Sozialpartner für umfassendes Konzept und "Bildungshighway"
Bildung und lebensbegleitendes Lernen Schlüsselfaktoren für Wachstum und Beschäftigung in Österreich - Gemeinsames Konzept aller Sozialpartner präsentiert
Wien (PWK733) - "Bildung sichert Beschäftigung,
Wettbewerbsfähigkeit, Erfolg und Wachstum nachhaltig. Daher gilt es,
alle Anstrengungen zu unternehmen, um vorhandene Begabungen in
unserem Land bestmöglich zur Entfaltung zu bringen sowie Reserven zu
mobilisieren", unterstrichen die Spitzenrepräsentanten der
österreichischen Sozialpartner, ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer,
WKÖ-Präsident Christoph Leitl, Landwirtschaftskammer-Präsident
Gerhard Wlodkowski sowie Johann Kalliauer, Präsident der AK
Oberösterreich, heute, Mittwoch, bei der Sozialpartnerkonferenz
"Chancen durch Bildung" in Bad Ischl.
Im Mittelpunkt des von Arbeiterkammer, Landwirtschaftskammer
Österreich, dem österreichischen Gewerkschaftsbund und der
Wirtschaftskammer Österreich ausgearbeiteten Konzeptes steht
lebensbegleitendes, lebenslanges Lernen (LLL). "Leitlinie für die
Vorschläge der Sozialpartner zu Zielen, Maßnahmen und Messgrößen
einer österreichischen Strategie des lebensbegleitenden Lernens ist
ein modernes, an den Prinzipien des lebenslangen, lebensbegleitenden
Lernens ausgerichtetes Bildungssystem, das europa- und weltweit
Beachtung findet", so die Sozialpartner-Spitzen. "Eine
Bildungslandschaft ohne lebensbegleitendes, lebenslanges Lernen ist
wie eine einspurige Autobahn. Unser Ziel ist jedoch ein breiter
Bildungshighway mit möglichst vielen Zu- und Abfahrten", hielten die
Sozialpartnerspitzen fest.
Die Vorschläge der Sozialpartner sind gegliedert in die Bereiche
"Governance von Bildung", "Schule", "Berufsbildung", "Weiterbildung"
sowie "Hochschulen":
Hinsichtlich "Governance von Bildung" muss eine politische
Grundsatzentscheidung zur Bildungsverantwortung der öffentlichen Hand
sein. Da eine solche Strategie eine Vielzahl von Politikbereichen,
die in die Verantwortung unterschiedlicher Ministerien und
Gebietskörperschaft fallen, treten WKÖ, ÖGB, Landwirtschaftskammer
und AK für die Einrichtung eines koordinierenden "LLL-Rates" ein, der
den weiteren Prozess einer Strategieentwicklung vorantreibt.
Das LLL-Prinzip "Altersunabhängigkeit von Lernen" muss sich auch
in System-logischen Finanzierungsprinzipien wiederspiegeln. Aus Sicht
der Sozialpartner sollen alle Angebote bis zur Matura, also so
genannte formale Angebote der Primär- und Sekundärbildung, für den
Lernenden altersunabhängig kostenfrei sein.
Die Sozialpartner zum Bereich "Schule": Die Einführung eines
verpflichtenden und gebührenfreien Vorschuljahres soll helfen, dass
jene Kinder, die einer besonderen Förderung bedürfen, dem
Volksschulunterricht bestmöglich folgen können.
Weil Schulen in die Lage versetzt werden müssen, durch
Individualisierung und Differenzierung besser auf die jeweiligen
Stärken und Schwächen der Schüler einzugehen zu können, fodern die
Sozialpartner einen flächendeckenden Ausbau von Ganztagesschulen.
Dadurch soll auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtert
werden. Weiters soll ein Konzept für ein neuartiges Schulwesen im
Rahmen der Schulpflicht, das durch entsprechende
Leistungsdifferenzierung den individuellen Begabungen der Kinder
gerecht wird, entwickelt werden.
Zudem wird eine umfassende Reform von Schulverfassung und
Schulverwaltung angeregt. Für die Vorgabe von Zielen wie Lehrplänen
und Bildungsstandards sowie deren Überprüfung soll das
Unterrichtsministerium zuständig sein. In der Umsetzung sollen die
Schulen über weitgehende Autonomie verfügen und via standardisierter
Überprüfungen der Bildungsstandards einer externen Ergebniskontrolle
unterzogen werden.
Die Neugestaltung der 9. Schulstufe über alle Schultypen hinweg
schlagen die Sozialpartner als Maßnahme zu einer notwendigen Reform
der Berufs- und Bildungswegorientierung für alle Schüler vor: Dieses
Jahr soll in modularer Form schwerpunktmäßig der Berufsorientierung
dienen. Das soll auch die hohe Zahl an Drop-outs auf Grund verfehlter
Bildungswahl reduzieren.
Beim Bereich "Berufsbildung" soll die Lehrlingsausbildung als eine
den berufsbildenden Schulen gleichwertige Ausbildungsschiene
positioniert werden, insbesondere soll es auch ein eigenes
maturaführendes duales Ausbildungsangebot geben. Die
Berufsreifeprüfung soll weiterhin ein Nachholen der Matura unter
Anerkennung der absolvierten Berufsbildung ermöglichen und kostenfrei
angeboten werden.
In Sachen Weiterbildung sollen alle formalen Angebote der Primär-
und Sekundärbildung wie Hauptschulabschluss oder Matura nicht nur für
Jugendliche, sondern auch für Erwachsene kostenfrei sein. "Darüber
hinausgehende Weiterbildung fällt in eine gemeinsame Verantwortung
von Individuen, Unternehmen und Staat. Hier ist eine erhebliche
Aufstockung der Ausgaben durch den Staat erforderlich."
Zur konkreten Organisation und Abwicklung einer gemischten
Finanzierung müssen neue Verfahren und Instrumente entwickelt werden.
Dazu gehören:
Unterstützung von Bildungsanbietern insbesondere im Bereich
grundlegender Kulturtechniken; Ausbau und Weiterentwicklung von
Förderungen für weiterbildungsaktive Unternehmen sowie die
Entwicklung eines individuellen Bildungskontos, das öffentliche und
private Mittel für Weiterbildung kombiniert; Ausdehnung des
bestehenden Stipendienwesens auf bestimmte länger dauernde
Vollzeitausbildungen außerhalb des Hochschulsystems.
Es soll möglich werden, auch außerhalb formaler Bildung zu
anerkannten Abschlüssen zu kommen bzw. Teile davon anerkannt zu
bekommen. Dafür bedarf es einer umfassenden Strategie, notwendig sind
weiters Instrumente zur Sichtbarmachung und Anerkennung.
Hinsichtlich der Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik des
AMS, die wichtige Bestandteile des lebenslangen Lernens sind, fordern
die Sozialpartner, diese in die LLL-Strategie zu integrieren.
Insbesondere jene Kurse, die zu anerkannten (Teil-)Abschlüssen
führen, sollen ausgebaut werden.
Mit Blick auf die Hochschulen erachten die Sozialpartner die
Ausarbeitung eines umfassenden Masterplans für den gesamten
Hochschulbereich als zielführend. Dieser soll "die strategischen
Ziele und Schwerpunkte für den gesamten Hochschulbereich und die
Basis für die Leistungsverträge mit den einzelnen Hochschulen
bilden." Von besonderer Bedeutung für die Sozialpartner sind dabei
der Ausbau berufsbegleitender Studienangebote sowie die Konzipierung
der Bachelor-Studien als vollwertige, in sich geschlossene und
berufsqualifizierende Abschlüsse. (JR)
Rückfragehinweis:
Wirtschaftskammer Österreich Stabsabteilung Presse Mag. Rupert Haberson Tel.: 0664/3550081 Tel.: (++43) 0590 900-4362 Fax: (++43) 0590 900-263 mailto:[email protected] http://wko.at/Presse
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