• 26.09.2007, 13:52:41
  • /
  • OTS0255 OTW0255

EU-Getreideernte kleiner als erwartet und unter schwacher Ernte 2006

GVO-Debatte neuerlich angeheizt - Fleischerzeugung weltweit größter Getreideverbraucher

Brüssel/Burg Warberg (AIZ) - Die Getreideernte der EU-27 wird
deutlich kleiner als im Vorjahr und auch als bisher erwartet
ausfallen. Der europäische Getreidehandelsverband COCERAL
präsentierte gestern seine gegenüber dem Juni (270,5 Mio. t) deutlich
auf 251,444 Mio. t (Getreide einschließlich Mais) reduzierte
September-Ernteschätzung für die EU-27. Damit soll die EU heuer um 8
Mio. t oder 3% weniger Getreide einfahren als aus der ebenfalls schon
schwachen Ernte 2006.

Zuletzt wird quer durch Europa die Rede von einer Krise am
Schweinemarkt wegen der dramatisch gestiegenen Futtergetreidepreise
immer lauter. So jüngst vom Deutschen Bauernverband DBV, der einen
"Bruch der Wertschöpfungskette" befürchtet, wenn ein weiteres Öffnen
der Preis-Kostenschere Schweinezüchter und -mäster aus der Produktion
dränge. DBV-Vizepräsident Franz-Josef Möllers forderte gestern auf
einem Schweinehandelstag auf Burg Warberg, um einen drohenden Bruch
in der Wertschöpfungskette zu vermeiden, müssten die Erzeugerpreise
im Gleichklang mit den gestiegenen Futterkosten schnellstmöglich
steigen. "Ich appelliere an den Handel, unser Fleisch nicht weiter
unter den Produktionskosten zu verkaufen", sagte Möllers laut der
Fachzeitung Ernährungsdienst (ED).

Indes bringt die knappe Angebots- und angespannte Preislage neuen
Zündstoff für die Debatte um die grüne Gentechnik in der EU. Die Lage
werde nämlich dadurch noch verschärft, weil fehlende GV-Zulassungen
Importe von Futtermitteln aus Amerika behinderten, kritisierte diese
Woche im Beratenden EU-Ausschuss Getreide in Brüssel der Europäische
Futtermittelverband (FEFAC), aber auch COCERAL und sogar die
Landwirte- und Genossenschaftsverbände COPA und COGECA.

Fleischerzeugung ist weltweit größter Getreideverbraucher - rapider
Zuwachs bis 2016

Die Tiermast ist weltweit der mit Abstand größte Verbrauchsfaktor
von Getreide, so auch in der EU: Von den 2007 erwarteten 251 Mio. t
Ernte und dem Anknabbern der Lagerbestände verbraucht die
EU-Mischfutterindustrie 2007/08 mit 165 Mio. t den Löwenanteil,
während mit weitem Abstand der Verbrauch für die menschliche
Ernährung in Höhe von 87 Mio. t folgt und gar nur bescheidene 4,5
Mio. t für die Energiegewinnung wie Bioethanol dienen.

Weltweit werden nach einer Schätzung des
US-Landwirtschaftsministeriums USDA 2007 rund 223 Mio. t Fleisch
erzeugt, davon knapp 102 Mio. t Schweine-, 66 Mio. t Geflügel- und 55
Mio. t Rindfleisch. Die globale Erzeugung an Fleisch könnte bis 2016
auf rund 300 Mio. t anwachsen, prognostiziert die Organisation für
Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Vor allem an
Schweinefleisch dürfte etwa 33% mehr produziert werden. Bei Geflügel
rechnet die OECD mit einem Anwachsen der Produktion um 27% in diesem
Zeitraum, während für Rindfleisch nur ein Zuwachs von 24% erwartet
wird.

Futtermittel- und Getreidebranche: GVO-Politik der EU behindert
Importe

Der Streit um die grüne Gentechnik in der EU habe inzwischen
handfeste Auswirkungen auf den Getreidemarkt, beklagen die
Futtermittel- und Getreidehandelsbranche in der EU. Die
Gentechnikpolitik der EU treibe die Veredelungswirtschaft an den
Abgrund, so der Europäische Futtermittelverband (FEFAC) in Brüssel.
Fehlende GV-Maiszulassungen hätten die Einfuhr von rund 4 Mio. t
Maiskleberfutter und getrockneter Getreideschlempe aus den USA
verhindert.

Andere Verbände schlossen sich der Kritik im Beratenden Ausschuss
Getreide bei der Europäischen Kommission diese Woche in Brüssel an.
Der Versorgungsengpass an Getreide könne nicht ausreichend durch
Importe ausgeglichen werden, weil die EU bei GVO-Genehmigungen
hinterherhinke, klagten auch der Europäische Getreidehandelsverband
COCERAL und die Dachorganisation der Europäischen Bauern- und
Genossenschaftsverbände COPA und COGECA. Die Kommission wies die
Kritik im Ausschuss kühl lächelnd an die EU-Mitgliedstaaten zurück:
Die Verbände sollten sich an die Mitgliedstaaten wenden, die
regelmäßig gegen die GV-Genehmigungen stimmten und damit die Sache
nicht nur der Kommission überließen, sondern auch für eine zeitliche
Verzögerung verantwortlich seien.

EU baut Getreidebestände 2007/08 weiter ab und wird Nettoimporteur

Auch im Beratenden Ausschuss haben die Verbände ihre
Ernteschätzungen auf 250 bis 255 Mio. t Getreide für die EU-27
zurückgenommen. Im Juni lagen die Schätzungen für die Ernte 2007 noch
zwischen 270 und 275 Mio. t. Die Kommission geht davon aus, dass die
EU in dieser Saison ein Nettoimporteur bleiben wird. Seit dem 01.07.
wurden in die EU 5,2 Mio. t. Getreide eingeführt und nur 4,3 Mio. t
ausgeführt. COCERAL geht davon aus, dass bis zum Saisonende 16,3 Mio.
t importiert werden und die Ausfuhren mit 13,1 Mio. t darunter liegen
werden. Einig ist man sich zudem, dass die Bestände in der EU im
Laufe der Saison weiter abgebaut werden.
(Schluss) pos/mö

Rückfragehinweis:
AIZ - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst
Tel: 01/533-18-43, mailto:[email protected]
http://www.aiz.info
FAX: (01) 535-04-38

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | AIZ

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel