- 25.09.2007, 18:12:03
- /
- OTS0280 OTW0280
"DER STANDARD"-Kommentar: "Böhler auf Ungarisch" von Günther Strobl
Die OMV wird für die Übernahme von Ungarns Mol einen langen Atem brauchen - Ausgabe vom 26.9.2007
Wien (OTS) - Drei Monate hat sich der Vorstand der OMV Zeit
gelassen, um öffentlich zu sagen, was die Spatzen längst vom Dach
gepfiffen haben: Er will die ungarische Mineralölgesellschaft Mol,
und zwar so sehr, dass er bereit ist, auch einen saftigen Aufpreis
dafür zu zahlen. Im Juni, als der heimische Branchenprimus die
Aufstockung der Anteile am ungarischen Pendant aus aktienrechtlichen
Gründen bekannt geben musste, drückten sich die zuständigen Herren
noch herum. Von einer "Vertiefung der Allianz" war die Rede und dass
man mit dem Mol-Management in Gespräche treten wolle, um mögliche
Formen der Kooperation auszuloten.
Dazu ist es nie gekommen, weil die Herren im Vorstand der Mol (Frauen
sind dort genauso wenig vertreten wie bei der OMV) davon nichts
wissen wollten. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Jetzt, ein
Vierteljahr und etliche Sticheleien später, ist die Katze zwar aus
dem Sack, der Ausgang der Geschichte aber offener denn je.
Auch wenn man es nicht wahrhaben will angesichts der vielen,
vollmundigen Sonntagsreden, wie schön doch das gemeinsame Europa sei
und dass die Unternehmen über die nationalen Grenzen hinweg
zusammenwachsen sollten: der angestrebte Zusammenschluss ist eine
zutiefst politische Angelegenheit.
Da hilft es wenig, auf die Ungarn hinzuhauen und die seltsame Allianz
anzuprangern, die sich im Abwehrkampf gegen das als unfreundlich
eingestufte OMV-Ansinnen gebildet hat. Nicht vorzustellen, was in
Österreich los wäre, würde die OMV von einem ausländischen
Unternehmen "eingeladen", sich doch gefälligst unter dessen Dach zu
stellen.
Vom Ausverkauf einer Perle wäre die Rede - mindestens. Und dass dies
unbedingt verhindert werden müsse. Auch wenn sie sonst ständig
streiten, die Regierungsparteien SPÖ und ÖVP wären inklusive
Opposition in dieser Angelegenheit garantiert einer Meinung: Die OMV
muss österreichisch bleiben.
Dabei hätte ein Zusammengehen von OMV und Mol durchaus Charme
-weniger für die Autofahrer, die Benzin oder Diesel an den OMV- oder
Mol-Zapfsäulen genauso billig (wenig wahrscheinlich) oder teuer
(schon wahrscheinlicher) bekommen würden wie wenn beide getrennt
weitermarschieren würden. Um so mehr Charme hätte eine Verschränkung
von OMV und Mol zur OMOL für die Aktionäre. Beide Unternehmen
zusammen würden zu einer respektablen Größe im wachstumsstarken
Donauraum aufsteigen. Die OMV brächte ein weit verzweigtes
Tankstellennetz mit in die Ehe sowie interessante Öl- und
Gasreserven, die ihr mit der vor zwei Jahren erfolgten
Mehrheitsübernahme der rumänischen Petrom zugeflossen sind. Die Mol
hat exzellente Kontakte nach Russland und ist dort im Gegensatz zur
OMV auch schon bei der Suche nach Öl und Gas aktiv. Ein spezielles
Asset der Mol aber sind die Raffinerien Százhalombatta bei Budapest
und Slovnaft in Bratislava. Letztere haben die Ungarn der OMV vor
sieben Jahren vor der Nase weggeschnappt.
Die Raffinerien sind hoch profitabel, und darauf spezialisiert,
billigere russische Ölsorten zu verarbeiten. Nach Schwechat zur
gleichnamigen Raffinerie der OMV sind es nur 50 Kilometer. - Ein
Leichtes, beide miteinander zu verbinden und je nach Bedarf und
Marktlage Rohöl und/oder Diesel und Benzin einmal von Osten nach
Westen und einmal in umgekehrter Richtung zu schicken. Damit ließen
sich sicher Kosten einsparen, die ein verschränktes Unternehmen OMOL
noch profitabler machen und den Aktienkurs in die Höhe treiben
könnten.
Könnten, weil derzeit alles in Schwebe ist. Ohne die Zustimmung der
Regierung in Budapest geht gar nichts, zumindest nicht so schnell.
Sie besitzt ein Vetorecht, was die Aufhebung der
Stimmrechtsbeschränkung bei der Mol betrifft. Diese aber wackelt
selbst auch, weil sie nicht EU-konform ist. Die OMV jedenfalls wird
einen langen Atem haben müssen, wenn sie als Sieger bei diesem
Übernahmeversuch durchs Ziel gehen will.
Rückfragehinweis:
Der Standard
Tel.: (01) 531 70/445
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PST






