- 23.08.2007, 14:22:46
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Ärztekammer übt vehemente Kritik an Einsparungsplänen Leitls
Dorner: "Gesundheitssystem wird durch Einsparungs-Monopoly kaputt gespart"
Wien (OTS) - "Die Gesundheitsversorgung der österreichischen
Bevölkerung darf nicht durch ungebremste Einsparungswut in Gefahr
geraten", reagiert Ärztekammerpräsident Walter Dorner auf das von
Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl im Rahmen des Forum
Alpbach erneut angesprochene Einsparungspotenzial von angeblich zwei
Milliarden Euro. Das bestehende Gesundheitssystem dürfe nicht "kaputt
reduziert" werden, indem einige Wirtschaftskämmerer meinten,
andauernd "Einsparungs-Monopoly" im Gesundheitsbereich spielen zu
können. Dorner befürchtet, dass bestimmte heimische Regionen bei
weiteren Einsparungen im Gesundheitsbereich zur "Versorgungswüste"
werden könnten. ****
In diesem Zusammenhang verweist Dorner auf die Probleme der Wiener
Hausärzte, die erst gestern im Rahmen einer Pressekonferenz auf deren
massive ökonomische Zwänge hingewiesen haben. "Schon derzeit sind die
Budgets der sozialen Krankenversicherungen so knapp bemessen, dass
viele wichtige Grundleistungen nicht oder nicht mehr ausreichend für
die Patientinnen und Patienten zur Verfügung gestellt werden können",
betont Dorner.
Als "eines von vielen Extrembeispielen" bezeichnet der
Ärztekammerpräsident die Honorierung der therapeutischen Aussprache.
In Wien wird diese pro Patient mit 11 Euro honoriert und darf nur
einmal pro Quartal verrechnet werden. Dorner: "Es kann wohl niemand
ernsthaft glauben, dass solche Honorare tatsächlich kostendeckend
sind." Die Konsequenz daraus wäre die Reduzierung der therapeutischen
Gespräche, "was wiederum direkt zu Lasten der Patienten geht".
Eine ähnliche Entwicklung befürchtet Dorner auch für den
Spitalsbereich, sollten die Pläne Leitls tatsächlich umgesetzt
werden. Der Ärztechef verweist hier auch auf die jüngsten Aussagen
von Rechnungshof-Präsident Josef Moser, der unmissverständlich zum
Ausdruck gebracht hat, dass es im Gesundheitsbereich höchstens
Umschichtungen, keinesfalls aber Einsparungen geben dürfe.
Massiver Jobabbau befürchtet
Abgesehen von der gesundheitspolitischen Komponente irritiert
Dorner an den Plänen Leitls aber auch die Tatsache, dass der
Wirtschaftskammer-Präsident mit seiner "Einsparungswut im
Gesundheitsbereich" gegen die Interessen der eigenen Mitglieder
agiert. "Oder glaubt Leitl tatsächlich, dass er Spitäler schließen
kann, ohne dass es gleichzeitig zu einem massiven Jobabbau in der
Gesundheitsbranche kommt?", wundert sich Dorner über die
standespolitische Kurzsichtigkeit des obersten Wirtschaftskämmerers.
Leitl sei jedenfalls gut beraten, sich von seinen Beratern richtig
informieren zu lassen und nicht über Dinge öffentlich zu sprechen,
deren gesundheitspolitische Konsequenzen er als Wirtschaftskundiger
"nicht wirklich abschätzen kann". Schließlich sei es ein Leichtes,
mit einem Rechenstift rasch Geld einzusparen, aber ein Schweres, die
langfristigen negativen Konsequenzen in der medizinischen Versorgung
der österreichischen Bevölkerung wieder aufzufangen, so Dorner
abschließend. (kp/hpp)
Rückfragehinweis:
Ärztekammer für Wien - Pressestelle Dr. Hans-Peter Petutschnig Tel.: (++43-1) 51501/1223 od. 0664/1014222 Fax: (++43-1) 51501/1289 mailto:[email protected] http://www.aekwien.at
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