• 21.08.2007, 10:45:00
  • /
  • OTS0076 OTW0076

Gefahrenstelle Autobahnbaustelle?

Autobahnbaustellen sind Gefahrenstellen, die in den Verkehrsfluss eingreifen. Trotz eines Unfallanstiegs in den letzten Jahren ist die Unfallschwere aber gesunken.

Wien (OTS) - Auf Autobahnbaustellen müssen sich Kfz-Lenker
besonders konzentrieren und schnell umdenken, um die veränderte
Verkehrssituation zu meistern. 2006 passierten auf Autobahnbaustellen
121 Unfälle, bei denen 187 Personen verletzt und drei getötet wurden.
Gemessen an allen 2.221 Unfällen mit Personenschäden auf
österreichischen Autobahnen machten die Baustellenunfälle somit 5,45
Prozent aus. Aus subjektiver Sicht fühlen sich Autofahrer auf
Autobahnbaustellen zu 58 Prozent sicher oder eher sicher, wie aus
einer Befragung im Rahmen eines KfV-Projekts hervorgeht. "Weitere 39
Prozent empfinden Autobahnbaustellen als nicht oder eher nicht
sicher", zitiert Dr. Othmar Thann, Direktor des KfV. Daher wurde das
Unfallgeschehen auf Autobahnen mit und ohne Baustellen in den Jahren
2001 bis 2005 analysiert und außerdem untersucht, auf welchen
Baustellenabschnitten die Gefahr lauert. Fazit: Die
Wahrscheinlichkeit eines Unfalls auf einer Autobahnbaustelle ist um
ein Zehntel höher als auf freien Autobahnabschnitten. Die
Wahrscheinlichkeit, auf einer Baustelle tödlich zu verunglücken ist
aber um mehr als die Hälfte niedriger als auf Autobahnen ohne
Baustellen. Knackpunkte sind die Vorlauf- und Verzweigungsbereiche
von Baustellen: Hier passieren die meisten Unfälle, oft ausgelöst
durch zu hohe Geschwindigkeiten und zu wenig Sicherheitsabstand.

Baustellen: Unfallwahrscheinlichkeit höher, Verletzungsschwere aber
deutlich geringer

Das Autobahnnetz ist in den Jahren zwischen 1985 und 2005 um rund 35
Prozent gewachsen und hat derzeit eine Länge von rund 1.700
Kilometern. Im gleichen Zeitraum ist die Fahrleistung von 8,3
Milliarden Kilometer pro Jahr auf rund 19,8 Milliarden Kilometer pro
Jahr angestiegen. "Mit dem hohen Anteil an Lkw-Verkehr und die
entsprechende Straßenabnutzung ist klar, dass die österreichischen
Autobahnen nie völlig baustellenlos sein werden", sagt
Studienbetreuer DI Klaus Robatsch. Nach einer Serie schwerer
Baustellenunfälle in den Jahren 1998 bis 2000, bei denen insgesamt 46
Menschen starben (1998: 12; 1999: 17; 2000: 17), wurden die
Sicherheitsmaßnahmen drastisch verschärft - mit dem Effekt, dass die
Verletzungsschwere in den letzten Jahren spürbar abgenommen hat,
obwohl die Zahl der Unfälle selbst nicht nachhaltig verringert werden
konnte. Die Wahrscheinlichkeit, auf einer Autobahnbaustelle einen
Unfall zu haben, ist um rund elf Prozent höher als auf freien
Autobahnen. Allerdings starben in den Jahren von 2001 bis 2005 auf
baustellenfreien Autobahnen fünf Prozent der verunglückten Personen
und beinahe jede dritte Person wurde schwer verletzt. Bei Unfällen
auf Autobahnbaustellen verloren hingegen zwei Prozent der
Verunglückten ihr Leben und jeder vierte Verunglückte wurde schwer
verletzt.

In welchen Baustellenabschnitten kracht es?

Für den Sicherheitsvergleich der einzelnen Baustellenabschnitte
wurden alle Baustellen von längerer Dauer in den Jahren 2004 und 2005
herangezogen und jene ausgeklammert, die kürzer als zwei Kilometer
lang waren. "Organisatorisch" gliedert sich eine Autobahnbaustelle in
den Vorlaufbereich (Ankündigung der Baustelle,
Geschwindigkeitsreduktion), in den Verzweigungsbereich
(Fahrbahnverengung und ggf. Überleitung auf die Gegenfahrbahn), in
den eigentlichen Baustellenbereich und die abschließende Entzweigung.
Die Untersuchung ergab, dass die Unfallwahrscheinlichkeit im Vorlauf
und im Verzweigungsbereich einer Autobahnbaustelle vier Mal höher ist
als im Durchschnitt auf baustellenfreien Autobahnabschnitten. Vor
allem Lkw über 3,5t weisen im Verzweigungsbereich hohe Unfallraten
auf. Im eigentlichen Baustellenbereich selbst sinkt die
Unfallwahrscheinlichkeit stark ab und liegt unter dem
österreichischen Durchschnitt von Autobahnen ohne Baustellen. Beim
Ausfahren aus der Baustelle, steigt die Unfallrate wieder an und ist
knapp doppelt so hoch wie der Österreichdurchschnitt auf "freien"
Autobahnen.

Welche Unfälle passieren auf Baustellen?

Vergleicht man die Unfalltypen auf Autobahnen mit und ohne
Baustellen, wird besonders deutlich, welche Rolle Geschwindigkeit und
Abstand spielen. Auffahrunfälle sind sowohl auf Autobahnen ohne als
auch bei Autobahnen mit Baustellen der häufigste Unfalltyp.
Allerdings passieren sie mit einem Anteil von 65 Prozent auf
Autobahnbaustellen weit öfter als auf baustellenfreien
Autobahnabschnitten (44 %). "Meistens wird auf ein stehendes
Hindernis aufgefahren, vor allem der Verzweigungsbereich ist davon
betroffen. Demnach passierten diese Unfälle entweder bei Stauungen
oder weil der Lenker zu schnell in den Baustellenbereich eingefahren
ist", erklärt Robatsch. Kollisionen beim Fahrstreifenwechsel ereignen
sich ebenfalls hauptsächlich im Vorlauf und in der Verzweigung,
kommen aber auf Abschnitten mit und ohne Baustellen anteilsmäßig
ähnlich oft vor (14 % bzw. 15 %).

Empfehlungen des KfV für die Sicherheit auf Autobahnbaustellen

Grundsätzlich haben wir auf österreichischen Autobahnbaustellen
bereits einen sehr hohen Sicherheitsstandard erreicht. "Wir haben mit
den verbindlichen Richtlinien RVS 05.05.41 und 05.05.42 bereits sehr
gut ausgearbeitete Vorschriften, die auch ihre Wirksamkeit zeigen,
wenn sie umfassend befolgt werden", sagt Thann. "Die Analyse hat aber
gezeigt, dass die Vorlauf- und Verzweigungsbereiche
Gefahrenpotenziale bergen, die noch entschärft werden können."
Oberstes Ziel sollte sein, den Kfz-Lenker auf die bevorstehenden
Änderungen so vorzubereiten, dass abruptes Abbremsen vermieden wird
und ein homogener Verkehrsfluss im Vorlauf und Verzweigungsbereich
entsteht. Folgende Maßnahmen könnten hier Wirkung zeigen:

- Frühere Baustellenankündigung und Hinweise auf Staus, zum Beispiel
durch mobile Verkehrsbeeinflussungsanlagen
- Verstärkter Einsatz von Radargeräten
- Abstandsüberwachung mit Warnanzeigen
- Einsatz der Section Control auf problematischen
Baustellenabschnitten
- Kürzere Betriebszeiten der Baustellen

"Abgesehen von baulichen Maßnahmen wird aber gerade auf Baustellen
eine internationale Problematik deutlich. Ausländische
Verkehrsteilnehmer halten sich oft nicht an die vorgegebenen
Beschränkungen", schließt Thann. "Deswegen sollten die Strafen so
weit angehoben werden, dass eine Strafverfolgung möglich ist."

Rückfragehinweis:
Kuratorium für Verkehrssicherheit
Mag. Dolores Omann
Marketing & Kommunikation
Tel.: 0577077-1904
E-Mail: [email protected]

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | KVS

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel