- 17.07.2007, 14:39:31
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Brot- und Pasta-Preise steigen europaweit
Auswirkung der Getreidepreise auf Endprodukte laut britischem Experten "moderat"
Wien/London/Düsseldorf/Paris (AIZ) - "Die Briten werden mehr für
ihren Frühstückstoast ausgeben müssen und die Italiener mehr für ihre
abendlichen Spaghetti." So formuliert die Nachrichtenagentur Reuters
die europaweiten Folgen der engen Getreidemärkte mit steigenden
Rohstoffpreisen. Die Weizenweltmarktpreise befinden sich nach
schlechten Ernten und steigendem Verbrauch für Verfütterung und
teilweise auch Biokraftstoffgewinnung auf einem mehr als
Zehnjahres-Hoch. Der europäische Weizenpreis habe Reuters zufolge in
den letzten drei Monaten von EUR 130,- auf 190,- pro t angezogen.
Brot- und Pastahersteller quer durch Europa sagten nun, sie müssten
diese Kosten auf die Verbraucher überwälzen. Der für Landwirtschaft
zuständige Partner des Wirtschaftsberaters Deloitte, Mark Hill,
äußerte gegenüber Reuters zwar, dass die Verbraucherpreise für
Lebensmittel steigen würden, relativiert aber, die Auswirkung des um
50% gestiegenen Weizenpreises in Großbritannien auf den Brotpreis sei
"moderat", weil die Kosten des Weizens nur 10% des Brotpreises
ausmachten.
Hill rechnete vor: "Das heißt, bei jedem Anstieg des Weizenpreises
um GBP 10,- (EUR 14,84 Anm.: Preis pro t, das heißt rund 15 Cent pro
kg) könnten die Kosten für die Herstellung eines Laibs Brot um 1
Pence (1,5 Cent) ansteigen." Laut der französischen
Weizenproduzentenvereinigung AGBP schlage sich die
Weizenpreissteigerung des letzten halben Jahres auf den
Verbraucherpreis eines Baguettes mit lediglich 1,2 Cent nieder. Der
österreichische Bauernbund-Nationalratsabgeordnete Jakob Auer wies
heute in einer Aussendung darauf hin, dass hierzulande selbst eine
Verdoppelung des derzeitigen Brotgetreidepreises lediglich eine
Brotpreiserhöhung im Handel um etwa 3,5% ausmachen könnte.
Von Großbritannien bis Deutschland kündigen Bäcker Preiserhöhungen an
Laut Reuters habe in Großbritannien, Premier Foods, Eigner der
Brotmarke "Hovis", schon in den nächsten Wochen eine Erhöhung der
Brotpreise angekündigt. Auch deutsche Bäcker litten unter massiv
gestiegenem Kostendruck, teilt der Verband Deutscher Großbäckereien
in Düsseldorf laut Dow Jones News mit. Nach Berechnungen des
Verbandes seien die Herstellungs- und Vertriebskosten für Brot und
Backwaren in Deutschland um 9% gestiegen, für Bio-Backwaren sogar um
20%. Größte Kostentreiber seien demnach neben gestiegenen Heizöl- und
Strompreisen, höheren Frachtkosten und teurerem Verpackungsmaterial
vor allem deutlich empor geschnellte Getreidepreise - bei Biogetreide
um bis zu 65% und bei konventionellem um bis zu 24%.
Den massiven Anstieg der Rohstoffpreise führen die deutschen
Bäckereien zum einen darauf zurück, dass in der Bundesrepublik
mittlerweile ein Drittel der Roggenernte zu Sprit verarbeitet werde.
Zum anderen seien die Preiserhöhungen auf Witterungseinflüsse und auf
spekulative Faktoren zurückzuführen. Wie der Verband betont, könnten
die Kostensteigerungen nicht mehr durch weitere
Rationalisierungsmaßnahmen aufgefangen werden und es seien daher
Verbraucherpreiserhöhungen für Brot notwendig. Um 7% bis 12% höhere
Preise für Brot und Backwaren seien in den EU-Nachbarländern bereits
keine Seltenheit mehr, stellt der Wirtschaftsverband fest. Der
Verband Deutscher Großbäckereien vertritt deutsche Backbetriebe, die
den Handel beliefern oder ihre Erzeugnisse über größere Filialketten
absetzen.
Italienische Pasta-Hersteller sehen sich in wirtschaftlicher Krise
Die italienischen Pasta-Hersteller sehen sich laut ihrer
Vereinigung "Unipi" mittlerweile laut Reuters sogar schon in einer
wirtschaftlichen Krise. Die typisch italienischen Teigwaren werden
allerdings nicht wie das Weißgebäck hierzulande aus Weichweizen,
sondern aus dem Grieß von Hartweizen (Durum) erzeugt. Die Preise für
Hartweizen seien um 30 bis 40% gestiegen und die Durum-Rechnungen
machten mehr als 50% der Produktionskosten der Teigwaren aus. Die
Pasta-Preise lägen zurzeit bei etwa EUR 1,- bis 1,60 pro kg. Barilla,
der Welt größte Pasta-Hersteller, hat seine Preise heuer schon
hinaufgesetzt und plant eine weitere Erhöhung im Herbst. Gleiches
gilt für De Cecco. Das Unternehmen setzte seine Pasta-Preise heuer
schon um 10% hinauf und kündigt einen weiteren Schritt für den Herbst
an. Unipi fürchten nun um die Wettbewerbsfähigkeit italienischer
Pasta auf dem Weltmarkt, da 53% der Erzeugung in den Export gehen.
Auch in Österreich steigender Weizen- und Mehlpreis
Die Weizenpreise in Österreich liegen damit heuer um bis zu 40%
über jenen zur Ernte 2006 und damit im globalen Trend noch relativ
moderat. Aus heimischen Mühlenkreisen hieß es kürzlich, "die
gravierende Preissteigerung beim Weizen macht umgehend eine deutliche
Erhöhung des Mehlpreises notwendig". Landwirten sollen zurzeit direkt
aus der Ernte Preise ohne Mehrwertsteuer von EUR 165,- pro t für
Qualitätsweizen bis über EUR 170,- pro t für Premiumweizen geboten
werden. Bei einer Mehlausbeute von rund 80% aus dem vermahlenen
Weizen mache die Rohstofftangente in der Mehlpreiskalkulation der
Mühlen rund 75% aus. Damit könne der heuer dramatisch gestiegene
Weizenpreis nicht ohne die Folge eines ebenfalls spürbar steigenden
Mehlpreises verkraftet werden, sagen Müller.
(Schluss) pos
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