• 03.07.2007, 15:31:15
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EU-Landwirte: Hoher Getreidepreis nicht Folge von Bioethanol-Politik

Landwirte und Handel fordern Flächenstilllegung für Ernte 2008 auf null zu setzen

Brüssel (AIZ) - Vor dem Hintergrund der wachsenden und legitimen
Sorge von Getreideverbrauchern - innerhalb der Landwirtschaft auch
des Futtergetreide verbrauchenden Sektors der tierischen Produktion -
wegen der zurzeit hohen Getreidepreise halten die Dachverbände der
EU-Landwirte und ihrer Genossenschaften COPA und COGECA heute in
einer Aussendung fest: die festen Preise seien eine weltweite
Erscheinung, die auch die europäischen Preise nach oben ziehe, und im
Wesentlichen dem Klima zuzuschreiben. Die global schlechte Ernte 2006
und zunehmende Nachfrage ließen die weltweiten Lagerbestände
Tiefststand erreichen. Mit Sicherheit aber seien die festen Preise
nicht auf die Nachfrage nach Getreide für die Herstellung von
Bioethanol in der EU zurückzuführen. Die Bioethanol-Erzeugung in der
EU beanspruchte demnach nämlich 2006 3,5 Mio. t Getreide und wird
2007 schätzungsweise 5 Mio. t erreichen. Bei 275 Mio. t
Getreideproduktion der EU insgesamt, sind das 2007 1,8% der
Produktion. "Solche Volumen bleiben ohne Einfluss auf die Preise in
der EU", so COPA und COGECA.

Der aktuelle Preisanstieg folge laut COPA und COGECA mehreren
Jahren niedriger Weltmarktpreise, wodurch die Produktion in
Drittländern nicht ausreichend stimuliert worden sei.

Bioethanol-Erzeugung schafft auch Futtermittel - Globale
Preissteigerung unbeeinflussbar

Im Übrigen erinnern die beiden Verbände daran, dass in der EU beim
Verbrauch von 1 t Getreide zur Produktion von Bioethanol bis zu 40%
wieder der Tierernährung in Form von Nebenerzeugnissen zugeführt
werden. Dabei handelt es sich um Trockenschlempe, die mit einem
Proteingehalt von 30 bis 38% als sogenannte DDGS (dried distiller’s
grain with solubles) vor allem in der Milchkuhfütterung eingesetzt
wird und Futtermittelimporte substituiert.

Unbestreitbar sei hingegen, dass die weltweite Nachfrage nach
Getreide und vor allem nach Mais zum Teil durch die
Bioethanol-Entwicklung speziell in den USA angetrieben werde. Dies
löse eine Kettenreaktion bei den Preisen sonstigen Getreides aus,
worauf die europäischen Erzeuger aber keinerlei Einfluss hätten. COPA
und COGECA folgern daraus: "Ursache für die aktuelle Situation sind
nicht die gemeinschaftliche Bioethanol-Politik (der EU, Anm.) oder
das Funktionieren der Getreidemarktordnung."

Landwirte und Handel fordern EU-Flächenstilllegung für Ernte 2008 auf
null zu setzen

Im Beratenden Ausschuss bei der EU-Kommission am vergangenen
Freitag forderten die Branchenverbände der Landwirte und
Genossenschaften, COPA und COGECA, und der EU-Dachverband des
Getreidehandels, COCERAL, einmütig, den Regelsatz für die
Flächenstilllegung in der EU schon im Wirtschaftsjahr 2007/08, das
heißt für die Ernte 2008, von derzeit 10% auf null zu setzen. Dadurch
soll vermieden werden, dass eine erneut nur durchschnittliche Ernte
im kommenden Jahr die Bestände weiter sinken lässt. Die Kommission
zögert aber bei der Flächenstilllegung. Im Beratenden Ausschuss
verwies sie die Entscheidung an die EU-Mitgliedstaaten. Doch bisher
hat sich noch kein EU-Mitgliedstaat für einen Flächenstilllegungssatz
von null in diesem Jahr ausgesprochen. Eine Entscheidung im
EU-Agrarministerrat im Juli ist deshalb kaum noch zu erwarten und der
nächste findet erst wieder im September statt. Dies ist für die
Anbauplanung im Hinblick auf die Ernte 2008 schon teilweise zu spät.

Dennoch möchte die Kommission die Initiative in diesem Sommer
nicht ergreifen. Sie wartet stattdessen auf die Überprüfung der GAP
im kommenden Jahr, für die sich im Grund alle schon einig sein
sollen, dass die Flächenstilllegung abgeschafft werden soll. Die
Versorgung der EU mit Getreide ist aller Voraussicht nach knapp in
diesem Wirtschaftsjahr. Die Branchenverbände in Brüssel sind sich
deshalb einig, dass schon zur Herbstaussaat auf die
Flächenstilllegung verzichtet werden soll.

EU erwartet bestenfalls Durchschnittsernte - Versorgungsbilanz wird
enger

In der EU wird mit einer allenfalls durchschnittlichen
Getreideernte gerechnet. Dafür wird der Verbrauch ansteigen, wurde im
Beratenden Ausschuss Getreide am Freitag in Brüssel vermutet. Der
Getreidehandelsverband COCERAL geht in seiner jüngsten Ernteschätzung
vom Juni von einer zwar um 4,6% größeren Getreideernte
(einschließlich Mais) in der EU-27 2007 in Höhe von 270,5 Mio. t aus,
allerdings wächst die gesamte verfügbare Getreidemenge 2007/08 wegen
der dramatisch verringerten Endlager aus 2006/07 (48,9 Mio. t nach
60,2 Mio. t) nur um 0,4% auf 331,2 Mio. t (2006/07: 329,9 Mio. t).
Dagegen soll die EU-27 2007/08 mit 266,6 Mio. t um 1,6% mehr
verbrauchen als 2006/07 (262,4 Mio. t). Damit werden die
Getreidereserven der EU zum Ende des Wirtschafsjahres 2007/08 von den
zuletzt 48,9 Mio. t nochmals weiter auf 46,7 Mio. t abschmelzen.

COCERAL geht davon aus, dass in der EU-27 mit einem Zuwachs von
2,8 Mio. t (164,8 Mio. t nach 162 Mio. t) vor allem der absolut
größte Getreideverbraucher, die Mischfutterherstellung, zum
Gesamtzuwachs des Verbrauchs von 4,2 Mio. t beitragen werde, weil
wegen fehlender GVO-Zulassungen weniger Substitute importiert werden
könnten. Den Zuwachs des Verbrauchs sieht COCERAL mit 0,7 Mio. t von
3,8 Mio. t auf 4,5 Mio. t ähnlich wie der EU-Landwirteverband. Er
nimmt sich gegenüber dem Futtergetreideverbrauch (164,8 Mio. t) und
der menschlichen Ernährung (2007/08: 86,4 Mio. t, plus 0,6 Mio. t
gegenüber 2006/07) vergleichsweise bescheiden aus.

Sollte es an Getreide fehlen, kann die Kommission 2007/08 kaum
noch mit Interventionsgetreide aushelfen. Die Interventionsbestände
seinen im abgelaufenen Wirtschaftsjahr von 14 Mio. t. auf 2,5 Mio. t
reduziert worden, berichtete ein Kommissionsmitarbeiter im Ausschuss,
überwiegend durch Verkäufe auf dem EU-Binnenmarkt. Die sich
abzeichnende Versorgungsbilanz sei eng, aber nicht zu eng, resümierte
die Kommission die bisherige Entwicklung.
(Schluss) pos/mö

Rückfragehinweis:
AIZ - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst
Tel: 01/533-18-43, mailto:[email protected]
http://www.aiz.info
FAX: (01) 535-04-38

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