Global Governance als neues Institutionen- und Regelsystem - Klimawandel ohne Entwicklungsländer nicht beherrschbar

Internationale Expertenrunde diskutierte im Institut Umwelt-Friede-Entwicklung (IUFE) entwicklungspolitische Perspektiven und Herausforderungen von Global Governance

Wien (OTS) - In einer hochkarätig besetzten, zweitägigen Fachtagung und einer Podiumsdiskussion setzte sich das Institut für Umwelt-Friede-Entwicklung (IUFE) mit den entwicklungspolitischen Perspektiven und Herausforderung von Global Governance auseinander. Zweck und Ziel von Global Governance sind die Entwicklung eines Institutionen- und Regelsystems sowie neuer Mechanismen internationaler Kooperation, um globale Herausforderungen lösen zu können. Dr. Franz Nuscheler (Institut für Entwicklung und Frieden; Duisburg), Dr. Dirk Messner (Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik; Bonn), Dr. Bernhard Mark-Ungericht (Institut für Internationales Management/Univ. Graz), Dr. Sven Gareis (Führungsakademie der Bundeswehr; Hamburg) und Dr. Tanja Brühl (Johann Wolfgang Goethe-Universität/Frankfurt) präsentierten ihre Befunde zum Status von Global Governance und zu entwicklungspolitischen Perspektiven.

Bessere Lösungen für das Funktionieren der Welt

"In immer mehr Bereichen stoßen die Nationalstaaten an ihre Grenzen. Gerade für eine effiziente Entwicklungszusammenarbeit ist Global Governance, die von einem Geist der Partnerschaft getragen werden muss, eine Voraussetzung. Wir brauchen bessere Lösungen für das Funktionieren dieser Welt", erklärte IUFE-Vorstand und ÖVP-Sprecher für Entwicklungszusammenarbeit, NR-Abg. Franz Glaser.

Klimawandel erfordert Kooperation mit Entwicklungsländern

Entwicklungspolitikexperte Dirk Messner unterstrich, dass Probleme wie der Klimawandel oder zerfallende Staaten nur gemeinsam mit den Entwicklungsländern gelöst werden könnten. Entwicklungspolitik müsse als globale Strukturpolitik verstanden werden. Gelinge es nicht, den Klimawandel zu beherrschen, dann würden die Folgen für die Entwicklungsländer verheerend sein.

Der derzeit in Linz lehrende Global Governance-Experte Franz Nuscheler forderte, die Eigendynamik der Globalisierung müsse sozial und ökologisch fair geregelt werden. Global Governance sei kein Projekt der Staaten, es brauche auch Akteure wie private Unternehmen und zivilgesellschaftliche Akteure. "Global Governance ist kein romantisches Projekt für eine heile Welt, sondern eine durchaus realistische Antwort auf die Herausforderungen der Globalisierung und von globalen Risiken. Es ist ein evolutionäres Projekt, das sich schrittweise entwickelt", so Nuscheler.

Internationale Verhandlungen sind "bunter"

Der Sozialwissenschafter Sven Gareis hob die Bedeutung der Vereinten Nationen als Forum für die Organisation internationaler Politik und als Impulsgeber hervor. Eine Reform hin zu einer stärkeren Akteursrolle erscheine jedoch aufgrund der Eigeninteressen der Nationalstaaten fraglich.

Die Wissenschafterin Tanja Brühl bilanzierte, die Weltpolitik sei keine Staatenpolitik mehr, die internationalen Verhandlungen seien in jeder Hinsicht "bunter" geworden. Dies sei Ausdruck der "Vergesellschaftung" von Politik, die mit der Globalisierung neue Schubkraft erhalten habe. "Die vergesellschaftete Weltpolitik ist nicht unbedingt demokratischer als die alte Form des Regierens", konstatierte sie. Nicht-Regierungsorganisationen würden aber für mehr Transparenz sorgen.

Freiwillige Regelungen reichen nicht

Bernd Mark-Ungericht kritisierte, dass transnationale Unternehmen prägende Akteure der Globalisierung seien, weil sie exklusiven Zugang zu politischen Entscheidungsträgern hätten. Er plädierte für stärkere Institutionen und Mechanismen, da die Freiwilligkeit für wirkungsvolle Regelungen nicht ausreiche. IUFE-Geschäftsführerin Petra Gruber betonte die Prozesshaftigkeit von Global Governance. "Es liegt an uns, den Diskurs weiter zu tragen und umzusetzen", sagte sie. Es fehle zudem noch am Verständnis, dass Entwicklungszusammenarbeit Strukturpolitik sei. Gruber hob die individuelle Verantwortung des Einzelnen hervor: "Durch unseren Konsum und unser Freizeitverhalten tragen wir dazu bei, wie sich diese Welt gestaltet."

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