- 27.06.2007, 11:41:20
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Global Governance als neues Institutionen- und Regelsystem - Klimawandel ohne Entwicklungsländer nicht beherrschbar
Internationale Expertenrunde diskutierte im Institut Umwelt-Friede-Entwicklung (IUFE) entwicklungspolitische Perspektiven und Herausforderungen von Global Governance
Wien (OTS) - In einer hochkarätig besetzten, zweitägigen
Fachtagung und einer Podiumsdiskussion setzte sich das Institut für
Umwelt-Friede-Entwicklung (IUFE) mit den entwicklungspolitischen
Perspektiven und Herausforderung von Global Governance auseinander.
Zweck und Ziel von Global Governance sind die Entwicklung eines
Institutionen- und Regelsystems sowie neuer Mechanismen
internationaler Kooperation, um globale Herausforderungen lösen zu
können. Dr. Franz Nuscheler (Institut für Entwicklung und Frieden;
Duisburg), Dr. Dirk Messner (Direktor des Deutschen Instituts für
Entwicklungspolitik; Bonn), Dr. Bernhard Mark-Ungericht (Institut für
Internationales Management/Univ. Graz), Dr. Sven Gareis
(Führungsakademie der Bundeswehr; Hamburg) und Dr. Tanja Brühl
(Johann Wolfgang Goethe-Universität/Frankfurt) präsentierten ihre
Befunde zum Status von Global Governance und zu
entwicklungspolitischen Perspektiven.
Bessere Lösungen für das Funktionieren der Welt
"In immer mehr Bereichen stoßen die Nationalstaaten an ihre
Grenzen. Gerade für eine effiziente Entwicklungszusammenarbeit ist
Global Governance, die von einem Geist der Partnerschaft getragen
werden muss, eine Voraussetzung. Wir brauchen bessere Lösungen für
das Funktionieren dieser Welt", erklärte IUFE-Vorstand und
ÖVP-Sprecher für Entwicklungszusammenarbeit, NR-Abg. Franz Glaser.
Klimawandel erfordert Kooperation mit Entwicklungsländern
Entwicklungspolitikexperte Dirk Messner unterstrich, dass Probleme
wie der Klimawandel oder zerfallende Staaten nur gemeinsam mit den
Entwicklungsländern gelöst werden könnten. Entwicklungspolitik müsse
als globale Strukturpolitik verstanden werden. Gelinge es nicht, den
Klimawandel zu beherrschen, dann würden die Folgen für die
Entwicklungsländer verheerend sein.
Der derzeit in Linz lehrende Global Governance-Experte Franz
Nuscheler forderte, die Eigendynamik der Globalisierung müsse sozial
und ökologisch fair geregelt werden. Global Governance sei kein
Projekt der Staaten, es brauche auch Akteure wie private Unternehmen
und zivilgesellschaftliche Akteure. "Global Governance ist kein
romantisches Projekt für eine heile Welt, sondern eine durchaus
realistische Antwort auf die Herausforderungen der Globalisierung und
von globalen Risiken. Es ist ein evolutionäres Projekt, das sich
schrittweise entwickelt", so Nuscheler.
Internationale Verhandlungen sind "bunter"
Der Sozialwissenschafter Sven Gareis hob die Bedeutung der
Vereinten Nationen als Forum für die Organisation internationaler
Politik und als Impulsgeber hervor. Eine Reform hin zu einer
stärkeren Akteursrolle erscheine jedoch aufgrund der Eigeninteressen
der Nationalstaaten fraglich.
Die Wissenschafterin Tanja Brühl bilanzierte, die Weltpolitik sei
keine Staatenpolitik mehr, die internationalen Verhandlungen seien in
jeder Hinsicht "bunter" geworden. Dies sei Ausdruck der
"Vergesellschaftung" von Politik, die mit der Globalisierung neue
Schubkraft erhalten habe. "Die vergesellschaftete Weltpolitik ist
nicht unbedingt demokratischer als die alte Form des Regierens",
konstatierte sie. Nicht-Regierungsorganisationen würden aber für mehr
Transparenz sorgen.
Freiwillige Regelungen reichen nicht
Bernd Mark-Ungericht kritisierte, dass transnationale Unternehmen
prägende Akteure der Globalisierung seien, weil sie exklusiven Zugang
zu politischen Entscheidungsträgern hätten. Er plädierte für stärkere
Institutionen und Mechanismen, da die Freiwilligkeit für
wirkungsvolle Regelungen nicht ausreiche. IUFE-Geschäftsführerin
Petra Gruber betonte die Prozesshaftigkeit von Global Governance. "Es
liegt an uns, den Diskurs weiter zu tragen und umzusetzen", sagte
sie. Es fehle zudem noch am Verständnis, dass
Entwicklungszusammenarbeit Strukturpolitik sei. Gruber hob die
individuelle Verantwortung des Einzelnen hervor: "Durch unseren
Konsum und unser Freizeitverhalten tragen wir dazu bei, wie sich
diese Welt gestaltet."
Rückfragehinweis:
Dr. Petra C. Gruber
Institut für Umwelt - Friede - Entwicklung
Tivoligasse 73, 1120 Wien
mailto:[email protected]
Tel: 01/814 20 25
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