Typisch Mann, typisch Frau - wie groß ist der "kleine Unterschied"?

Baierbrunn (OTS) - Männer und Frauen denken, fühlen und handeln grundverschieden, davon sind weite Teile der Bevölkerung überzeugt. Und auch viele Wissenschaftler glauben, dass Frauen von Natur aus anders denken als Männer. Doch nun kommen aus ihren Reihen Zweifel, schreibt die "Apotheken Umschau". Neue Studien haben ergeben, dass der Unterschied zwischen den Geschlechtern wesentlich kleiner ist als bisher gedacht.
Chefredakteur Hans Haltmeier:

O-Ton 28 sec.
"Bisher hielt man den Einfluss der Sexualhormone auf das Denkmuster von Männern und Frauen für sehr groß, da sie die Nervenzellen schon im Embryo beeinflussen. Zunehmend mehr Wissenschaftler glauben aber, dass Verhalten, Talente, Vorliebe der beiden Geschlechter sich kaum unterscheiden. Man hat das nachgeprüft: Fast achtzig Prozent der Eigenschaften von Mann und Frau sind ähnlich. Und es stimmt zum Beispiel auch nicht, dass Frauen schlechter einparken können oder Männer nicht zuhören."

Dass Vorurteile sich bei der Bevölkerung oft für lange Zeit halten, ist bekannt. Doch anscheinend spielen sie auch bei vielen Wissenschaftlern eine größere Rolle als bisher gedacht:

O-Ton 28 sec.
"Von diesen Erwartungen können auch Wissenschaftler nicht ganz Abstand nehmen. Studien lassen sich ja immer interpretieren. Ein Beispiel ist da in der Evolution zu sehen. Demnach waren ja Männer die Jäger, deswegen soll bei ihnen Mut und Stärke schon in den Genen liegen. Männern wird auch zugeschrieben, dass sie die Werkzeuge entwickelt haben. Aus den fossilen Funden lässt sich das nicht beweisen. Das wird allerdings oft verschwiegen."

Trotzdem sind viele Menschen davon überzeugt, dass es typische Unterschiede im Verhalten von Männer und Frauen gibt. Alles nur Einbildung?

O-Ton 19 sec.
"Nein, das ist keine Einbildung, aber es gibt eben keinen naturgegebenen Unterschied. Es ist die Sozialisierung von Mädchen und Jungen, die eine große Rolle spielt. Viele der typischen Verhaltensweisen sind erlernt. Ein Beispiel: Mädchen entwickeln oft kein großes Interesse an Naturwissenschaften, weil man es von ihnen auch nicht erwartet."

Wie sehr wir daran glauben, dass es typisch männliches und typisch weibliches Verhalten gibt, zeigen die sogenannten Baby-X-Versuche:
Dabei sollen Erwachsene einen Säugling beschreiben anhand eines Fotos, auf dem das Baby neutral angezogen ist. Wenn man den Testpersonen vorher sagt, dass es sich um einen Jungen handelt, stellen die meisten einen forschen Blick an dem Kind fest, so die "Apotheken Umschau". Denken die Betrachter, dass es sich um ein Mädchen handelt, schätzen sie dasselbe Kind genau entgegengesetzt ein: Dann sieht es auf einmal sanft und friedlich für sie aus.

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Originaltext: Wort und Bild - Apotheken Umschau

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