• 15.05.2007, 10:19:37
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Niederwieser: Finnisches Modell der gemeinsamen Schule vorbildhaft

Wien (SK) - "Es gibt Bereiche, die das Thema gemeinsame Schule
brandheiß machen", betonte der SPÖ-Bildungssprecher am Montag im
Rahmen einer Veranstaltung gemeinsam mit dem finnischen
Bildungsexperten Rainer Domisch. Einerseits werde der Druck auf
Kinder in der dritten und vierten Klasse Volksschule immer größer -
immerhin seien diese Klassen entscheidend, ob man in ein Gymnasium
oder eine Hauptschule kommt-, und andererseits stelle die steigende
Heterogenität unter Schülern das Bildungssystem vor neue
Herausforderungen, erklärte Niederwieser. Bei den
Koalitionsverhandlungen habe man mit der ÖVP auch beim Thema Schule
gerungen. Die Formulierung betreffend der Schule der Zehn- bis
Fünfzehnjährigen zeige, dass ein Grundstein gelegt wurde, das
Bildungssystem zu ändern. ****

PISA-Sieger Finnland sei vorbildhaft, so Niederwieser, dort wolle
man keinesfalls mehr von der gemeinsamen Schule abrücken, diese
Schulform habe "in der allgemeinen Überzeugung Platz gegriffen". Wie
intensiv die Diskussion in Österreich um die gemeinsame Schule
geführt werde, zeige alleine die Flut an Presseaussendungen der
letzten Wochen zu diesem Thema, unterstrich Niederwieser, dabei
würden die Auffassungen und der Wissensstand, was eine gemeinsame
Schule eigentlich sei, stark differenzieren. Es sei daher wichtig,
endlich zu definieren, "wohin wir eigentlich wollen". Deshalb habe
die "Initiative Bildung aktuell" Rainer Domisch eingeladen, um anhand
des finnischen Modells einen Eindruck zu gewinnen.

Domisch: Weg vom Lehren, hin zum Lernen

"Schulreformen fallen nicht vom Himmel. Sie müssen politisch
gewollt sein", bemerkte Rainer Domisch vom Zentralamt für
Unterrichtswesen in Helsinki. In Finnland habe die Diskussion um die
gemeinsame Schule bereits in den Sechzigern stattgefunden. Das Thema
wurde zwischen 1964 und 1968 im Parlament behandelt, eingeführt wurde
die gemeinsame Schule 1972. Die zentrale Fragestellung zu Beginn der
Diskussion lautete: Wie kann man Chancengleichheit für alle im
Bildungsbereich verwirklichen? Man habe sich für das Modell der
gemeinsamen Schule entschieden und eine hohe Verantwortlichkeit der
Kommunen im Schulbereich verwirklicht. Seither habe man das Modell
stetig weiterentwickelt, betonte der Bildungsexperte. Insbesondere in
den 80ern und 90ern kam es zu Reformen, so wurden beispielsweise die
Niveaukurse abgeschafft, die Lehrpläne erneuert und die Evaluierung
anstatt der Schulinspektion eingeführt.

Neben der Ermöglichung der Chancengleichheit stand in Finnland
auch die Frage im Mittelpunkt, wie man einerseits den Wohlfahrtsstaat
erhalten könne und andererseits Konkurrenzfähig bleibe. Deshalb habe
man in den Schulen bereits vor anderen Staaten auf
Informationstechnologien gesetzt, den Sprachunterricht verbessert und
die Naturwissenschaften den modernen Gegebenheiten angepasst.

Ziel einer modernen Schule müsse es sein, so Domisch, dass man weg
vom Lehren und hin zum Lernen gehe. In Finnland stehe im Mittelpunkt,
wie man am besten mit unterschiedlichen Lernern umgehe. Es dürfe kein
Kind ausgegrenzt oder beschämt werden. Man wolle ein Umfeld des
"Wohlbefindens" schaffen, wo angstfrei gelernt werden könne und der
Bildungsweg für alle soweit wie möglich offen stehe. Auch die
Gesellschaft profitiere von der Gesamtschule, argumentierte Domisch.
So habe sich in Studien gezeigt, dass Jugendliche, die in der
Schulzeit kaum Konkurrenzkampf ausgesetzt gewesen wären,
optimistischer und gestärkter ins Berufsleben eintreten würden.

Zur PISA-Studie merkte Domisch an, dass sich gezeigt habe, dass
große Kulturnationen wie Deutschland relativ schlecht abeschnitten
hätten. Grund sei, so Domisch, dass man "Begabungen wegwirft", wenn
man zu früh auf einzelne Schultypen aufteile. Überdies sei es
vorteilhaft, ein hohes Niveau an alle Schüler zu stellen, denn dies
hebe das Gesamtniveau. Nicht verständlich sei für ihn auch, warum
Eltern Geld in Nachhilfe investieren müssten und so für etwas
bezahlen, was eigentlich die Schule leisten müsse. (Schluss) sw

Rückfragehinweis:
SPÖ-Bundesorganisation, Pressedienst, Tel.: 01/53427-275,
Löwelstraße 18, 1014 Wien, http://www.spoe.at/online/page.php?P=100493

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