"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Urteil als Warnung" (Von Reihard Fellner)

Ausgabe vom 10. Mai 2006

Innsbruck (OTS) - Wer glaubt, dass mit vier Jahren Haft für Robert Hochstaffl die 50-Millionen-Euro-FC-Tirol-Pleite gestern am Oberlandesgericht endgültig gesühnt wurde, täuscht sich gewaltig. Gefängnis wurde nämlich nur für Ex-Manager Hochstaffls 1,2-Millionen-Global-Untreue verhängt, bei der Spieler zum finanziellen Handkuss kamen. Der eigentliche Kridatatbestand endete letztes Jahr ja lediglich mit bedingten Haftstrafen für Bruckmüller&Co. Eine Neuverhandlung folgt.

Inzwischen hat Ex-Präsident Othmar Bruckmüller schon einmal für Millionenforderungen und seine klammen Vorstandskollegen geradezustehen. Ein Glück für die Gläubiger, dass es den potenten Präsidenten gibt. Kolportierte 300.000 Euro soll er ja monatlich zurückzahlen.

Bei Bruckmüller dürfte es sich aber um eine aussterbende Spezies handeln. Denn wer möchte angesichts der letzten Bundesliga-Entwicklungen denn noch etwas mit Fußball zu tun haben? Das Image ist nach Pleiten und Ermittlungen am Boden. Gerichtsberichterstattung hat sich ihren fixen Platz im Sportteil jeder Zeitung erkämpft.

Und da traf es fernab von Hochstaffl und Kartnig auch bisher Unverdächtige, wie Kurt Jara.

Das wirkt sich aus.
So mutmaßte im Hochstaffl-Verfahren der Oberstaatsanwalt offen, dass Fußballfunktionäre derzeit in enger Verbindung zum Strafgericht stehen. Kein Murmeln folgte. Im Gegenteil. Die Richter kritisierten weiter, dass sich in der Bundesliga Dinge ereignen, "die nicht wünschenswert sind". Die Strafhöhe für Hochstaffl sei da auch als Warnung für den übrigen Fußball gedacht.
Ein einmaliger richterlicher Fingerzeig an eine Liga, die finanziell außer Rand und Band geraten ist und dennoch keine sportlichen Erfolge mehr vorzuweisen hat. Da sollte die Warnung ehest zum sauberen Neuanfang im heimischen Fußball genutzt werden.

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