- 04.05.2007, 15:14:25
- /
- OTS0267 OTW0267
Getreide: Inlandsmarkt steht angesichts globaler Nervosität
Österreich flächendeckend von Dürre betroffen - auch Frostschäden - EU räumt Intervention
Wien (AIZ) - Handel und inländische Mühlen verfolgen im Poker um
die geringen Weizen-Restbestände aus der Ernte 2006 mit Spannung das
globale Auf und Ab der Getreidepreise in Abhängigkeit von Meldungen
über Dürrealarm oder -entwarnung. Damit steht das Inlandsgeschäft
zurzeit, denn niemand traut sich zu sagen, wohin die Entwicklung
gehen wird. Jedenfalls, so Marktbeobachter, stehen im nächsten
Wirtschaftsjahr keine oder nur mehr geringe Interventionsbestände der
EU zur Verfügung, um eine Überhitzung des Marktes abzukühlen und die
Preise zu dämpfen. "Dann spielen wir globaler Markt ohne
Sicherheitsnetz." Die Wiener Produktenbörse strich diese Woche alle
Weizennotierungen gänzlich vom Kursblatt. Die Weltmarktpreise für
Weizen setzten ihren Höhenflug in der ersten Wochenhälfte nicht mehr
fort - für die an den Terminbörsen spekulierenden Finanzfonds hieß es
erst einmal wieder verkaufen und aus den Kursgewinnen der Vorwoche
Kassa machen.
Am Donnerstag schloss die Chicago Board of Trade (CBOT) allerdings
sowohl bei Weizen als auch Mais wieder höher, wogegen der für das
Wochenende angesagte Regen auch die Kurse an der Pariser MATIF weiter
abkühlte. An den US-Börsen fiel nach Berichten der Europäischen
Kommission im Verwaltungsausschuss gestern, Donnerstag, der Preis für
den soft red winter um rund USD 2,50 (EUR 1,84) pro t im
Wochenabstand zu vorigen Mittwoch. Hard red winter fiel in diesem
Zeitraum um knapp USD 9,- (EUR 6,64) pro t. Die Nachrichten von
Trockenheit in der EU und ungünstigem Wetter in Australien schienen
zunächst einmal ausgereizt zu sein. Zudem bleibt der US-Dollar mit
einem Wert von EUR 0,74 (Kurs vom 04.05.2007: EUR 1,- entspricht USD
1,36) weiter rekordverdächtig schwach und behindert somit die
Wettbewerbsfähigkeit von Getreideexporten aus der EU. Die Kommission
berichtete im Verwaltungsausschuss von keinerlei neuen
Geschäftsabschlüssen europäischer Exporteure. Sie beantragten auch
keine Exportlizenzen vom freien Markt. Nur sogenannte Strich-Lizenzen
kurzer Laufzeit für rund 120.000 t Weizen aus Frankreich und den
Niederlanden wurden nachgefragt, wahrscheinlich um ältere Geschäfte
abzuwickeln.
Zur Überraschung vieler Marktteilnehmer notierte die Warenbörse in
Bologna gleichzeitig zur Streichung der Wiener Notierungen aber
österreichischen Premiumweizen (mindestens 15% Protein) um EUR 2,-
pro t höher als in der Vorwoche. Obwohl niemand genau weiß, welche
Geschäfte konkret dahinter stehen, wird die Tendenz aber als
marktkonform bewertet.
Österreich flächendeckend von Trockenheit betroffen
Diese Woche blieb weiterhin ohne Regen, am Wochenende sagen die
Meteorologen allerdings Niederschläge voraus. "Österreich ist
flächendeckend von der Dürre betroffen, jedoch unterschiedlich nach
Kulturen und Regionen", so Ferdinand Lembacher, Direktor der
Pflanzenbauabteilung in der Landwirtschaftskammer Niederösterreich
(LK NÖ), auf Anfrage des AIZ.
Bei den Winterkulturen hätten sich die Weizenbestände zwar schon
reduziert, seien aber noch relativ dicht, berichten andere Experten.
Hohe Proteinerträge seien zu erwarten. Die weitere Entwicklung hänge
nun von der zu erwartenden Regenmenge ab, auf schweren Böden seien
durchaus noch akzeptable Erträge möglich. Ähnlich scheint man -
abhängig vom weiteren Witterungsverlauf - Wintergerste zu beurteilen,
wenngleich quasi als Notreaktion der Pflanzen auf den Trockenstress
das Ährenschieben ungewöhnlich früh schon abgeschlossen sei. Roggen,
oftmals auf leichten Böden angebaut, zeige sich "teilweise sehr
schwach".
Beim Sommergetreide habe es vor allem das Ertragspotenzial von
Braugerste erwischt. Diese sei zwar gut aufgelaufen, jetzt aber in
der Entwicklung stehen geblieben. Auch Rüben und Mais, beide bisher
den Umständen entsprechend noch gut aufgelaufen, leiden unter dem
Wassermangel. Dazu kam für die Rüben Stress durch die Frostnacht von
01. auf 02.05.2007, der Großteil der Bestände habe aber auch dies
ausgehalten.
Die schwersten Ausfälle verzeichnet aber der Futteranbau. Der
erste Schnitt im Grünland ist verdorrt mit minimalem bis
unterdurchschnittlichem Ertrag und schlechter Qualität, weil
besonders die flachwurzelnden wertvollen Gräser kaum aufwachsen
konnten. Vorausgesetzt es regnet jetzt genug, kann aber der zweite
Schnitt noch Entspannung der Lage bringen, weil die Vegetation
zeitmäßig weit voran gegenüber Normaljahren ist. Schlecht steht es
auch um das Feldfutter. Das Wiener Landwirtschaftsministerium gab
heute mit sofortiger Wirkung die Nutzung des Aufwuchses auf
Stilllegungsflächen für den Eigenbedarf von Betrieben oder zur
Gratis-Weitergabe für die Verfütterung frei.
Generell macht sich durch den Futterausfall schon eine Belebung
der Nachfrage nach Futtergetreide als Substitut bemerkbar, wofür
wiederum das Anziehen der Wiener Futtergerstennotierung zumindest um
den Monatsreport als erstes Zeichen gewertet wird. Wie der Markt für
die neue Ernte darauf reagiert, kann aber noch nicht gesagt werden.
Die Trockenheit behindert mit ihrer Folge von Niederwasser zudem
auch zunehmend in Österreich den Schiffsverkehr auf der Donau.
Frost erwischte Obst und Wein
Der Frost insbesondere in der Nacht von 01. auf 02.05.2007
erwischte in weiten Landesteilen Obst- und Weinkulturen. Erdbeer-,
Marillen-, Äpfel- und Birnenanlagen erlitten teilweise massive
Schäden. Regional, in Niederösterreich zum Beispiel in den Tallagen
von Kamp, Krems und Pulkau und in Teilen des Weinviertels,
vernichtete der Frost Triebe an den Weinstöcken. In Normaljahren
bilden sich um diese Zeit an den Weinstöcken erst die Knospen, heuer
waren sie schon ausgetrieben. Der Frost zerstörte zwar nicht die
ganzen Weinstöcke, aber doch die Lese des Jahres 2007.
EU räumt ihre Interventionsbestände weiter
Unabhängig von Prognosen einer knappen globalen Versorgungsbilanz
mit Getreide aus der Ernte 2007 räumt die EU ihre
Interventionsbestände zügig weiter. Nach der Aufstockung der
ungarischen Maisausschreibung um 500.000 t sollen sich die noch nicht
gebundenen Interventionsbestände der EU auf nur noch 2,67 Mio. t
summieren. Damit halbierten sich die Maisbestände in der ungarischen
Intervention seit dem Beginn der Saison.
Die Kommission gab diese Woche insgesamt 185.911 t Getreide aus
der Intervention für die Versorgung des Binnenmarktes frei, davon
53.924 t Weizen, 50.727 t Gerste, 74.472 t Mais und 6.788 t Roggen.
Die Nachfrage nach Weizen aus deutschen Interventionsbeständen hält
an. Die Kommission erteilte von Geboten über 87.402 t den Zuschlag
für 48.282 t. Damit vermindert sich die Restmenge in der
Ausschreibung auf rund 90.000 t Weizen. Gleichzeitig erhöhte die
Kommission den Mindestverkaufspreis für den deutschen
Interventionsweizen weiter, nämlich von EUR 146,- pro t in der
Vorwoche auf EUR 148,04 pro t. Das Höchstgebot lag diesmal bei EUR
151,85 pro t.
Die Ausschreibung von Mais aus der Intervention in Ungarn für den
Binnenmarkt wurde um 500.000 t aufgestockt, weil auch dort Woche für
Woche größere Mengen zugeschlagen werden. Diesmal waren es 74.472 t
zu Preisen zwischen EUR 116,11 und 125,57 pro t.
Das Interesse an der zeitweise vernachlässigten
Gerstenausschreibung ist wieder vorhanden. In dieser Woche gingen
Gebote über 55.126 t Gerste aus der deutschen Intervention ein, von
denen die Kommission 49.676 t akzeptierte. Den Mindestverkaufspreis
setzte sie mit EUR 134,- pro t fest.
(Schluss) mö/pos
Rückfragehinweis:
AIZ - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst
Tel: 01/533-18-43, mailto:[email protected]
http://www.aiz.info
FAX: (01) 535-04-38
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | AIZ






