Getreide: Inlandsmarkt steht angesichts globaler Nervosität

Österreich flächendeckend von Dürre betroffen - auch Frostschäden - EU räumt Intervention

Wien (AIZ) - Handel und inländische Mühlen verfolgen im Poker um die geringen Weizen-Restbestände aus der Ernte 2006 mit Spannung das globale Auf und Ab der Getreidepreise in Abhängigkeit von Meldungen über Dürrealarm oder -entwarnung. Damit steht das Inlandsgeschäft zurzeit, denn niemand traut sich zu sagen, wohin die Entwicklung gehen wird. Jedenfalls, so Marktbeobachter, stehen im nächsten Wirtschaftsjahr keine oder nur mehr geringe Interventionsbestände der EU zur Verfügung, um eine Überhitzung des Marktes abzukühlen und die Preise zu dämpfen. "Dann spielen wir globaler Markt ohne Sicherheitsnetz." Die Wiener Produktenbörse strich diese Woche alle Weizennotierungen gänzlich vom Kursblatt. Die Weltmarktpreise für Weizen setzten ihren Höhenflug in der ersten Wochenhälfte nicht mehr fort - für die an den Terminbörsen spekulierenden Finanzfonds hieß es erst einmal wieder verkaufen und aus den Kursgewinnen der Vorwoche Kassa machen.

Am Donnerstag schloss die Chicago Board of Trade (CBOT) allerdings sowohl bei Weizen als auch Mais wieder höher, wogegen der für das Wochenende angesagte Regen auch die Kurse an der Pariser MATIF weiter abkühlte. An den US-Börsen fiel nach Berichten der Europäischen Kommission im Verwaltungsausschuss gestern, Donnerstag, der Preis für den soft red winter um rund USD 2,50 (EUR 1,84) pro t im Wochenabstand zu vorigen Mittwoch. Hard red winter fiel in diesem Zeitraum um knapp USD 9,- (EUR 6,64) pro t. Die Nachrichten von Trockenheit in der EU und ungünstigem Wetter in Australien schienen zunächst einmal ausgereizt zu sein. Zudem bleibt der US-Dollar mit einem Wert von EUR 0,74 (Kurs vom 04.05.2007: EUR 1,- entspricht USD 1,36) weiter rekordverdächtig schwach und behindert somit die Wettbewerbsfähigkeit von Getreideexporten aus der EU. Die Kommission berichtete im Verwaltungsausschuss von keinerlei neuen Geschäftsabschlüssen europäischer Exporteure. Sie beantragten auch keine Exportlizenzen vom freien Markt. Nur sogenannte Strich-Lizenzen kurzer Laufzeit für rund 120.000 t Weizen aus Frankreich und den Niederlanden wurden nachgefragt, wahrscheinlich um ältere Geschäfte abzuwickeln.

Zur Überraschung vieler Marktteilnehmer notierte die Warenbörse in Bologna gleichzeitig zur Streichung der Wiener Notierungen aber österreichischen Premiumweizen (mindestens 15% Protein) um EUR 2,-pro t höher als in der Vorwoche. Obwohl niemand genau weiß, welche Geschäfte konkret dahinter stehen, wird die Tendenz aber als marktkonform bewertet.

Österreich flächendeckend von Trockenheit betroffen

Diese Woche blieb weiterhin ohne Regen, am Wochenende sagen die Meteorologen allerdings Niederschläge voraus. "Österreich ist flächendeckend von der Dürre betroffen, jedoch unterschiedlich nach Kulturen und Regionen", so Ferdinand Lembacher, Direktor der Pflanzenbauabteilung in der Landwirtschaftskammer Niederösterreich (LK NÖ), auf Anfrage des AIZ.

Bei den Winterkulturen hätten sich die Weizenbestände zwar schon reduziert, seien aber noch relativ dicht, berichten andere Experten. Hohe Proteinerträge seien zu erwarten. Die weitere Entwicklung hänge nun von der zu erwartenden Regenmenge ab, auf schweren Böden seien durchaus noch akzeptable Erträge möglich. Ähnlich scheint man -abhängig vom weiteren Witterungsverlauf - Wintergerste zu beurteilen, wenngleich quasi als Notreaktion der Pflanzen auf den Trockenstress das Ährenschieben ungewöhnlich früh schon abgeschlossen sei. Roggen, oftmals auf leichten Böden angebaut, zeige sich "teilweise sehr schwach".

Beim Sommergetreide habe es vor allem das Ertragspotenzial von Braugerste erwischt. Diese sei zwar gut aufgelaufen, jetzt aber in der Entwicklung stehen geblieben. Auch Rüben und Mais, beide bisher den Umständen entsprechend noch gut aufgelaufen, leiden unter dem Wassermangel. Dazu kam für die Rüben Stress durch die Frostnacht von 01. auf 02.05.2007, der Großteil der Bestände habe aber auch dies ausgehalten.

Die schwersten Ausfälle verzeichnet aber der Futteranbau. Der erste Schnitt im Grünland ist verdorrt mit minimalem bis unterdurchschnittlichem Ertrag und schlechter Qualität, weil besonders die flachwurzelnden wertvollen Gräser kaum aufwachsen konnten. Vorausgesetzt es regnet jetzt genug, kann aber der zweite Schnitt noch Entspannung der Lage bringen, weil die Vegetation zeitmäßig weit voran gegenüber Normaljahren ist. Schlecht steht es auch um das Feldfutter. Das Wiener Landwirtschaftsministerium gab heute mit sofortiger Wirkung die Nutzung des Aufwuchses auf Stilllegungsflächen für den Eigenbedarf von Betrieben oder zur Gratis-Weitergabe für die Verfütterung frei.

Generell macht sich durch den Futterausfall schon eine Belebung der Nachfrage nach Futtergetreide als Substitut bemerkbar, wofür wiederum das Anziehen der Wiener Futtergerstennotierung zumindest um den Monatsreport als erstes Zeichen gewertet wird. Wie der Markt für die neue Ernte darauf reagiert, kann aber noch nicht gesagt werden.

Die Trockenheit behindert mit ihrer Folge von Niederwasser zudem auch zunehmend in Österreich den Schiffsverkehr auf der Donau.

Frost erwischte Obst und Wein

Der Frost insbesondere in der Nacht von 01. auf 02.05.2007 erwischte in weiten Landesteilen Obst- und Weinkulturen. Erdbeer-, Marillen-, Äpfel- und Birnenanlagen erlitten teilweise massive Schäden. Regional, in Niederösterreich zum Beispiel in den Tallagen von Kamp, Krems und Pulkau und in Teilen des Weinviertels, vernichtete der Frost Triebe an den Weinstöcken. In Normaljahren bilden sich um diese Zeit an den Weinstöcken erst die Knospen, heuer waren sie schon ausgetrieben. Der Frost zerstörte zwar nicht die ganzen Weinstöcke, aber doch die Lese des Jahres 2007.

EU räumt ihre Interventionsbestände weiter

Unabhängig von Prognosen einer knappen globalen Versorgungsbilanz mit Getreide aus der Ernte 2007 räumt die EU ihre Interventionsbestände zügig weiter. Nach der Aufstockung der ungarischen Maisausschreibung um 500.000 t sollen sich die noch nicht gebundenen Interventionsbestände der EU auf nur noch 2,67 Mio. t summieren. Damit halbierten sich die Maisbestände in der ungarischen Intervention seit dem Beginn der Saison.

Die Kommission gab diese Woche insgesamt 185.911 t Getreide aus der Intervention für die Versorgung des Binnenmarktes frei, davon 53.924 t Weizen, 50.727 t Gerste, 74.472 t Mais und 6.788 t Roggen. Die Nachfrage nach Weizen aus deutschen Interventionsbeständen hält an. Die Kommission erteilte von Geboten über 87.402 t den Zuschlag für 48.282 t. Damit vermindert sich die Restmenge in der Ausschreibung auf rund 90.000 t Weizen. Gleichzeitig erhöhte die Kommission den Mindestverkaufspreis für den deutschen Interventionsweizen weiter, nämlich von EUR 146,- pro t in der Vorwoche auf EUR 148,04 pro t. Das Höchstgebot lag diesmal bei EUR 151,85 pro t.

Die Ausschreibung von Mais aus der Intervention in Ungarn für den Binnenmarkt wurde um 500.000 t aufgestockt, weil auch dort Woche für Woche größere Mengen zugeschlagen werden. Diesmal waren es 74.472 t zu Preisen zwischen EUR 116,11 und 125,57 pro t.

Das Interesse an der zeitweise vernachlässigten Gerstenausschreibung ist wieder vorhanden. In dieser Woche gingen Gebote über 55.126 t Gerste aus der deutschen Intervention ein, von denen die Kommission 49.676 t akzeptierte. Den Mindestverkaufspreis setzte sie mit EUR 134,- pro t fest.
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