ÖGB: Keine objektive Notwendigkeit für Öffnung des Arbeitmarktes

Leutner: Ausbilden statt jammern müsste die Devise der Betriebe sein

Wien (ÖGB) - "Es können doch nicht alle Maßnahmen zur Bekämpfung der hohen Arbeitslosigkeit in Österreich unterlaufen werden, weil einige Unternehmen nach billigen Fachkräften aus dem Ausland rufen", sagt Dr. Richard Leutner, Leitender Sekretär im ÖGB. Bei dem ständig wiederkehrenden Versuchen der Wirtschaft handelt es sich nämlich nur um taktische Manöver. Eine objektive Notwendigkeit gibt es nicht."++++

Leutner spricht sich damit neuerlich gegen die vorzeitige Öffnung des Arbeitsmarktes und das Hereinholen von Fachkräften aus den neuen EU-Mitgliedsländern aus. "Die durch die gute Baukonjunktur und den extrem warmen Winter bedingte leichte Entspannung auf dem Arbeitsmarkt darf jetzt nicht gefährdet werden." Der Leitende Sekretär ist dagegen, dass auf Zuruf einiger Firmen, die keinen Cent in die Ausbildung investieren, die Übergangsfristen für den Arbeitsmarkt durchlöchert werden.

Leutner fordert, dass jeder Bedarf an zusätzlichen Fachkräften vorrangig mit gut qualifizierten Arbeitsuchenden gedeckt wird. Daher braucht es dringend einen massiven Ausbau von Bildungsmaßnahmen durch das AMS und durch die Betriebe. Zusätzlich müssen die schulische Erstausbildung und die Erwachsenenbildung reformiert werden. Nur so können die Arbeitslosigkeit gesenkt und Österreich als innovativer Wirtschaftsstandort gesichert werden.

Der ÖGB fordert:
+ Echte und arbeitsmarktwirksame Qualifizierungsmaßnahmen für Arbeitsuchende.
+ Die Konzentration der Blum-Förderung auf die tatsächlichen Mangelberufe und Stopp des aktuellen Gießkannenprinzips, sowie Schaffung eines Lastenausgleich zwischen ausbildenden und nicht ausbildenden Betrieben.
+ Auch die Unternehmen müssen endlich ihre Verantwortung wahrnehmen und mehr in betriebliche Aus- und Weiterbildung investieren, sonst werden viele von ihnen auch den Anschluss an die Besten in Europa verlieren - diese investieren nämlich doppelt so viel in die Weiterbildung wie österreichische Betriebe.
+ Insbesondere sollen künftig auch die Arbeitskräfteüberlasser, die zu den Hauptnutznießern des Konjunkturhochs zählen, während der Stehzeiten endlich auch in die Weiterbildung ihrer Beschäftigten investieren, wie es der neue Kollektivvertrag vorsieht. Außerdem sollen die Überlasser verpflichtet werden, dem AMS zu melden, für welchen Betrieb sie einen Arbeitnehmer suchen.

ÖGB, 4. Mai
2007
Nr. 296

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