• 24.04.2007, 13:34:59
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Unabhängige GewerkschafterInnen: BAWAG/PSK Empfang für BetriebsrätInnen - Will man uns provozieren?

Offener Brief der Unabhängigen GewerkschafterInnen an ÖGB-Präsidenten Rudolf Hundstorfer: "Katastrophal, superschlecht und superpeinlich!"

Wien (OTS) - Sehr geehrter Herr Präsident!
Lieber Rudi!

Am 26. April laden also ÖGB und BAWAG/PSK Wiener BetriebsrätInnen
ins Austria Center. Der Titel: "BAWAG PSK weiterhin Bank der
Arbeitnehmer und Gewerkschaften". Du begrüßt die Anwesenden, Kollege
Hundstorfer. Ein Referat unter dem genannten Titel wird
Generaldirektor Dr. Ewald Nowotny halten. Eine Gesprächsrunde und ein
Kabarett der Gruppe "HumorSapiens" soll das Programm abrunden.

Lieber Rudi! Uns ist der Humor angesichts der Ereignisse der
letzten Tage gründlich vergangen. Wir fragen uns, was diese
Veranstaltung soll - ist sie als Provokation für politisch bewußte
GewerkschafterInnen gedacht? Oder ist sie schlicht wieder einmal ein
Produkt gewerkschaftlicher Ignoranz, wie wir sie in den letzten
Monaten immer wieder erleben mussten?

Im Einladungstext heißt es: "Für Sie als Partner und Kunden wird
sich auf Grund des Eigentümerwechsels nichts ändern." Außer
natürlich, frau/mann ist kubanische StaatsbürgerIn. Du hast in einem
STANDARD-Interview vom 18. April 2007 davon gesprochen, dass die "Art
und Weise, wie das umgesetzt wurde" - nämlich der Rausschmiss der
kubanischen KundInnen - "katastrophal" und "superschlecht gemacht"
war. Die Einladung zum Empfang der Wiener BetriebsrätInnen ist nicht
weniger "katastrophal" und "superschlecht", sie ist noch dazu
"superpeinlich", als ob nichts gewesen und nichts passiert wäre -
business as usual.

Lieber Kollege Hundstorfer! Die BAWAG PSK hat schon zu
ÖGB-Eigentümerzeiten nicht gehalten, was sie versprochen hat: der
Anspruch ein Bank der ArbeitenehmerInnen und Gewerkschaften zu sein,
hätte auch entsprechende Geschäftspraktiken verlangt. Diese wurden
nicht nur nicht eingehalten, sondern im Gegenteil, auf
"katastrophale" und "superschlechte" Weise verletzt. Mit den
bekannten Folgen - insbesondere dem Verkauf der BAWAG PSK um den ÖGB
vor dem finanziellen Ruin zu bewahren. Warum die BAWAG PSK nun mit
einem neuen Eigentümer, der mit Gewerkschaften und ihren Interessen
ungefähr soviel zu tun hat, wie die BAWAG neuerdings mit
KubanerInnen, weiterhin eine Bank der ArbeitnehmerInnen und
Gewerkschaften ist, bleibt uns ein Rätsel. Unsere Solidarität gilt
selbstverständlich den MitarbeiterInnen der BAWAG PSK, die unschuldig
zum Handkuss gekommen sind und für das BAWAG-Debakel am wenigsten
können. Unsere Solidarität gilt allerdings sicher nicht einer Bank
und ihrem Spitzenmanagement, die ihre Geschäftspraktiken in
scheinbar vorauseilendem Gehorsam am "Helms-Burton-Act" orientiert,
KundInnen, die nichts "verbrochen" haben, außer die falsche
StaatsbürgerInnenschaft zu haben von heute auf morgen "verabschiedet"
und damit mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit gegen EU-Recht verstößt.

Wir GewerkschafterInnen müssen zur Kenntnis nehmen - und wir
Unabhängigen GewerkschafterInnen haben das längst getan: Die BAWAG
PSK ist eine Bank wie jede andere. Die "neue Ära in der Geschichte
der BAWAG PSK" (aus dem Einladungstext) hat dabei denkbar schlecht
begonnen - nämlich mit dem Rausschmiss der kubanischen KundInnen. Von
ArbeitnehmerInnen und - sicher auch etlichen -
Gewerkschaftsmitgliedern. Für sie gilt das "weiterhin" offensichtlich
nicht. Wir wissen in dieser Causa jedenfalls, auf welcher Seite wir
stehen.

Mit verärgerten Grüßen

Lisa Langbein, UG-Mitglied des ÖGB-Vorstandes
Markus Koza, Betriebsrat, UG-Mitglied des ÖGB-Bundesvorstandes
Klaudia Paiha, Bundessekretärin der Unabhängigen GewerkschafterInnen
im ÖGB

Rückfragehinweis:
Unabhängige GewerkschafterInnen im ÖGB
Markus Koza, Tel: 01/505 19 52
Internet: www.ug-oegb.at

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