- 12.04.2007, 12:11:13
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Hilfswerk schlägt Alarm wegen mangelnder Vorsorge: 25.000 Menschen erblindet, 450.000 Hörbeeinträchtigte ohne Hörgerät
Start der Initiative PFLEGE BETRIFFT. VORSORGE HILFT.
Wien (OTS) - Die Gesundheitsvorsorge wird von den
Österreicherinnen und Österreichern sehr stark vernachlässigt. Viele
Menschen verlieren das Augenlicht oder erleiden massive, irreparable
Hörbeeinträchtigungen, weil sie nicht - oder zu spät - Spezialisten
aufsuchen und einfache und absolut schmerzlose Tests machen lassen.
25.000 Menschen in Österreich sind so aus mangelnder Vorsorge
erblindet, was man bei rechtzeitiger Therapie einfach verhindern
hätte können. 450.000 hörbeeinträchtigte Personen tragen kein
Hörgerät, obwohl sie dadurch ihr Gehör schädigen. Das sind die
alarmierenden Zahlen, die das Hilfswerk, heute, Donnerstag, bei einer
Pressekonferenz in Wien präsentierte.
"Unser Ziel ist es, möglichst viele Menschen dazu zu bewegen, zu
den Fachärzten und Fachinstituten zu gehen und sich testen zu
lassen", sagt Hilfswerk-Präsident Othmar Karas, "die meisten
Untersuchungen sind absolut kostenlos, aber unheimlich wertvoll!"
Augenspezialistin Ulrike Stolba von der Wiener Krankenanstalt
Rudolfstiftung ergänzt: "Gerade bei den häufigsten
Erblindungsursachen Glaukom, AMD und Diabetes gibt es bei
frühzeitiger Erkennung und Therapie sehr gute
Behandlungsmöglichkeiten." HNO-Spezialistin Charlotte
Rottensteiner-Grohsmann vom SMZ-Ost-Donauspital erklärt, warum
hörbeeinträchtigte Menschen unbedingt Hörgeräte tragen sollten: "Das
Gehirn von Menschen mit Hörbeeinträchtigung ,vergisst’ mit der Zeit
das Hören. Damit werden die Chancen auf Beseitigung der
Hörbeeinträchtigung durch Hörgeräte immer schlechter, je länger die
Hörbeeinträchtigung unbehandelt bleibt."
"Wir dürfen es nicht hinnehmen, dass Schwerhörigkeit bzw.
Hörminderung sowie gut behandelbare Augenerkrankungen unversorgt
bleiben und den Betroffenen Lebensqualität rauben. Auch oder gerade
dann nicht, wenn es sich um ältere Menschen handelt!", sagt
Hilfswerk-Pflegedirektorin Monika Gugerell und präsentierte ein
Info-Paket zum Thema "Hören und Sehen", das ab sofort kostenlos unter
der Telefonnummer 0800 800 820 angefordert werden kann.
Hilfswerk-Präsident Othmar Karas nahm anlässlich der
Pressekonferenz auch zur laufenden Debatte über die Finanzierung von
Pflege und Betreuung Stellung: "Bei allem Verständnis für die
handelnden und verhandelnden Personen: Den pflegebedürftigen Menschen
und deren Angehörigen ist es völlig egal, ob der Bund oder die Länder
oder die Gemeinden oder die Krankenkassen die notwendige
Unterstützung leisten. Das ,Schwarze-Peter-Spiel’ zwischen den
Gebietskörperschaften und den Krankenkassen interessiert die
betroffenen Menschen nicht. Es steht außer Streit, dass die mobilen
Dienste ausgebaut werden müssen und dass die Pflege mehr Geld kosten
wird. Nicht weil die Kosten steigen, sondern weil der Bedarf immer
größer wird."
Ebenso müsse laut Karas auch eine gesetzeskonforme Lösung für die
derzeit illegale sogenannte "24-Stunden-Betreuung" gefunden werden.
"Das derzeit in Begutachtung befindliche Hausbetreuungsgesetz ist
dafür ein brauchbarer Ansatz", so der Hilfswerk-Präsident, "aber die
darin vorgesehene Selbstständigkeit würde unseres Erachtens nur eine
Fortsetzung der Rechtsunsicherheit bedeuten und wird daher von uns -
wie von den anderen Trägern - abgelehnt." Karas wies auch darauf hin,
dass die sogenannte "24-Stunden-Betreuung" ein dringliches, bei
weitem aber nicht das wichtigste Handlungsfeld im Pflege- und
Betreuungsbereich ist. "Etwa 5% der Pflegebedürftigen werden durch
solche Betreuungskräfte betreut, aber etwa fünfmal so viele Menschen
durch mobile Dienste und mehr als zehnmal so viele ausschließlich
durch Angehörige!", so Karas abschließend.
Im Rahmen der Hilfswerk-Initiative PFLEGE BETRIFFT. VORSORGE
HILFT. Hinhören. Hinsehen. Handeln. wird nächste Woche, Freitag, am
20. April, in Graz die Hilfswerk-Infotour gestartet. Sie hat 80
Stationen und bietet Information und Beratung rund um Betreuung &
Pflege, Familie & Kinder, finanzielle Vorsorge & Sicherheit,
Pflegeberufe & Jobchancen. Außerdem eine Gesundheitsstraße mit
persönlichem Gesundheits-Check, ein Klangzelt, in dem man einen
Gratis-Hörtest machen kann, Kinderunterhaltung, Live-Musik mit
Künstlern der "Stadlpost" und ein "Age Simulator". Dazu ein
Gewinnspiel, bei dem man wertvolle Preise gewinnen kann
(Detailprogramm siehe www.hilfswerk.at). Schirmherrin ist Ingrid
Turkovic-Wendl.
Der Fachschwerpunkt MIT ALLEN SINNEN LEBEN wird in Zusammenarbeit
mit der Österreichischen Ophtalmologischen Gesellschaft durchgeführt.
Partner der Hilfswerk-Initiative sind Neuroth, Fonds Gesundes
Österreich, s Versicherung, s Bausparkasse, Erste Bank und Sparkassen
sowie Pfizer Austria.
Das Österreichische Hilfswerk ist mit seinen Landesverbänden und
dem Hilfswerk Austria einer der größten österreichischen Anbieter
sozialer Dienstleistungen. In den Bereichen Mobile Pflege und
Kinderbetreuung durch Tagesmütter ist das Hilfswerk die größte
Organisation in Österreich. Es unterstützt regelmäßig 20.910 alte und
kranke Menschen durch professionelle Hilfe und Pflege daheim. 8.356
Kinder werden von 1.299 Tagesmüttern und -vätern betreut, weitere
3.409 Kinder sind Kinderbetreuungseinrichtungen des Hilfswerks gut
aufgeboben. Das Hilfswerk beschäftigt 7.600 MitarbeiterInnen. Die
Gesamtleistung des Hilfswerks (Umsatz) beträgt 149,62 Millionen Euro.
Rückfragehinweis:
Mag. Harald Blümel Österreichisches Hilfswerk Bundesgeschäftsstelle Tel.: 01 / 40442 - 12 Mobil: 0676 / 8787 60203 mailto:[email protected] www.hilfswerk.at
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