• 12.04.2007, 09:00:00
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  • OTS0031 OTW0031

Exporte als Wachstumsmotor - Maßnahmen zur weiteren Belebung der Ausfuhr

Wien (WIFO) - Die weltweite Globalisierung, die europäische
Integration und die Ostöffnung haben die Internationalisierung der
österreichischen Wirtschaft stark vorangetrieben. Der Export war in
den letzten 10 Jahren Wachstumsmotor. Schwachstellen sind die zu hohe
Konzentration der Exporte auf mittlere Technologien sowie der
Rückstand im Bereich der modernen, wissensintensiven
Dienstleistungen. Die Beseitigung dieser Defizite ist für weitere
Exporterfolge unverzichtbar und Teil einer Reihe von Vorschlägen, die
das WIFO in der Teilstudie "Exporte von Waren und Dienstleistungen
stärken die Nachfrage" im Rahmen seines Weißbuchs "Mehr Beschäftigung
durch Wachstum auf Basis von Innovation und Qualifikation" erarbeitet
hat.

Der Außenhandel ist in den letzten Jahren zum Wachstumstreiber für
die heimische Wirtschaft geworden. Österreich konnte - trotz
wachsender Konkurrenz aus Asien und Osteuropa - Marktanteile am
Weltexport gewinnen und die Handelsbilanz deutlich verbessern. Vor
allem der EU-Beitritt Österreichs 1995 und die Ostintegration
erwiesen sich als außerordentlich stimulierend.

Zum Exporterfolg trug maßgeblich die zunehmende Verflechtung durch
Direktinvestitionen bei. Befürchtungen, dass die Zunahme der
Investitionen im Ausland die Exporte mindern könnte, sind nicht
begründet: Auslandsinvestitionen und Exporte sind nur in geringem Maß
Substitute, eher ergänzen sie einander.

Österreich zieht auch besondere Vorteile aus internationalem
Outsourcing (der Teilauslagerung von Produktionsschritten und dem
Zukauf von Vorleistungen von kostengünstigeren Standorten im
Ausland). Grenzüberschreitendes Outsourcing bewirkt zwar zunächst
einen Rückgang der Wertschöpfung und der Beschäftigung im Inland. Die
negativen Aspekte wirken aber überwiegend kurzfristig. Längerfristig
erhöht erfolgreiches Outsourcing die Produktivität und
Wettbewerbsfähigkeit des heimischen Mutterunternehmens und hat so
eine Steigerung des Absatzes im In- und Ausland zur Folge.

Der EU-Beitritt und die Ostintegration haben auch die
Standortattraktivität Österreichs wesentlich verbessert; dies schlägt
sich in der Ansiedlung regionaler Headquarter großer multinationaler
Unternehmen nieder. Diese erschließen als österreichische Unternehmen
die Märkte in Osteuropa, investiert dort auch und tragen damit den
Internationalisierungsschub der österreichischen Wirtschaft
wesentlich mit.

Österreichs Außenwirtschaft war damit in den letzten Jahren
besonders erfolgreich. Zwei Aspekte relativieren aber die Ergebnisse:
Erstens dämpfte die Schwäche der Binnenkonjunktur die Importe und
drängte viele Unternehmen verstärkt in den Export. Zweitens senkte
die jahrelange Lohnzurückhaltung relativ zur
Produktivitätsentwicklung die Lohnstückkosten in Österreich stärker
als bei den Konkurrenten. Diese Entwicklung kann sich nicht
unbegrenzt fortsetzen.

Die Schwachstellen aus einer längerfristigen Perspektive - vor
allem im Hinblick auf die steigende Konkurrenz aus den MOEL - sind
die zu starke Spezialisierung der Exportwirtschaft auf mittlere
Technologie und die ungenügende Marktstellung im Bereich der
modernen, wissensintensiven Dienstleistungen. Die Bedeutung eines
international wettbewerbsfähigen Dienstleistungssektors für Wachstum
und Beschäftigung in Österreich nimmt auch vor dem Hintergrund
fortschreitender Tertiärisierung und der zunehmenden Rolle von
Dienstleistungen als "Schrittmacher" für den Warenexport ständig zu.
Eine forcierte Politik der Umstellung auf höhere Technologie sowie
gezielte Maßnahmen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit moderner,
wissensintensiver Dienstleistungen sind deshalb auch für den Export
unverzichtbar.

Die direkte finanzielle und steuerliche Förderung von Exporten ist
durch EU-Recht und internationale Vereinbarungen eingeschränkt. Die
Exportwirtschaft kann daher vor allem indirekt über die Technologie-,
Forschungs-, Bildungs-, Steuer-, Standort- und Lohnpolitik
unterstützt werden. Die internationalen Beschränkungen erfordern auch
einen stärkeren Fokus der heimischen Förderungen auf Informations-
und Beratungshilfen - insbesondere für kleine und mittlere
Unternehmen - sowie eine verbesserte Koordination der verschiedenen
(Exportförder-)Programme und Initiativen.

Das WIFO hat in seinem Weißbuch eine Fülle von Vorschlägen zur
Förderung der Exporte erarbeitet. Sie gruppieren sich in folgende
Maßnahmenlinien:

- Konzentration der Fördermaßnahmen auf dynamische Märkte mit großem
Marktpotential (Schwerpunktmärkte in Ost-Mitteleuropa, Asien, auf dem
Balkan und im Mittelmeerraum).

- weitere Anpassung der Förderinstrumente an die Bedürfnisse der
kleinen und mittleren Unternehmen; Beseitigung unternehmensinterner
Exportbeschränkungen in Humankapital und Management durch intensive
Informations- und Beratungshilfen sowie Verstärkung der Anreize zu
spezialisierter Weiterbildung; Netzwerk- und Kooperationsförderung
zur Kosten- und Risikoteilung.

- Awarenessbildung und Initiierung der Internationalisierung in
bisher auf den Inlandsmarkt ausgerichteten Branchen und Unternehmen,
Diffusion von "best practices".

- Staatlich geförderte Exportgarantien und Soft-Loans (Exportkredite
zur Finanzierung ausgewählter Entwicklungshilfekredite) werden
grundsätzlich positiv beurteilt, die laufende Überprüfung der Kosten
und Wirksamkeit der finanziellen Exportförderung ist aber sinnvoll.

- Verbesserung von Nutzung und Zugang zu multilateralen Projekten
der Entwicklungshilfe (EZA);

- laufende Überprüfung des Systems der Exportförderung auf seine
Eignung für die internationale Expansion von
Dienstleistungsunternehmen;

- Hilfen bei grenzüberschreitender Partnersuche und
Investitionstätigkeit als Voraussetzung für den Export vieler
Dienstleistungen;

- schwerpunktmäßige Förderung von Consulting-Dienstleistungen, da
die Auswahl der Consultants in der Vor- und Aufbereitung
internationaler Großprojekte (z. B. Projektentwicklung im Rahmen der
EU-Strukturfonds oder Ausschreibungen internationaler Organisationen
wie EBRD und Entwicklungsbanken) oft für die folgenden
Auftragsvergaben in der Projektabwicklung mitentscheidet;

- Abbau von Regulierungsbarrieren, die besonders im Berufs- und
Standesrecht der freien Berufe restriktive Kompetenzabgrenzungen
vorsehen. Kleine heimische Betriebe sind damit gegenüber
internationalen, multidisziplinären Planungsbüros oft nicht
konkurrenzfähig.

Abbildung 1: Internationalisierung der österreichischen Wirtschaft -
auf der WIFO-Website (http://www.wifo.ac.at/presse)

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
3/2007 und der folgenden WIFO-Studie: Yvonne Wolfmayr, Kurt Kratena,
Peter Mayerhofer, Jan Stankovsky, WIFO-Weißbuch: Mehr Beschäftigung
durch Wachstum auf Basis von Innovation und Qualifikation. Teilstudie
13: Exporte von Waren und Dienstleistungen stärken die Nachfrage (83
Seiten, 40,00 Euro, Download 32,00 Euro:
http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?fid=23923&id=27452&typeid
=8&display_mode=2)!

Rückfragehinweis:
Mag. Yvonne Wolfmayr, Dr. Peter Mayerhofer oder Dr. Jan Stankovsky
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-253 oder 275 * Fax. +43 1 798 93 86
mailto:[email protected], [email protected], [email protected]

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