• 30.03.2007, 12:08:46
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Biodiversitätsverluste bedrohen Ernährungssicherung

Wien (OTS) - In der neuesten Ausgabe der Agrarischen Rundschau
beschäftigen sich Agrarexperten mit dem Verlust der Biodiversität in
der Landwirtschaft, den Gefahren dieser Entwicklung sowie
Gegenstrategien.

Tagtäglich gehen 200 Tier- und Pflanzenarten unwiederbringlich
verloren. Der Verlust an Biodiversität könnte für die Menschheit eine
reale Gefahr darstellen - dies gilt im Besonderen für den
Agrarbereich. Experten gehen davon aus, dass auf der Erde zwischen
fünf und 30 Millionen Arten existieren, von denen bisher erst rund
1,74 Millionen Arten wissenschaftlich beschrieben sind. Der Anteil
der durch den Menschen genutzten Arten beläuft sich dabei auf weniger
als 0,1 Prozent der in der Natur vorkommenden Arten - etwa 5.000 bis
30.000 Arten werden von Menschen genutzt. Der dramatische Rückgang
der biologischen Vielfalt, das Schwinden intakter Ökosysteme, das
Aussterben von Tier- und Pflanzenarten, von wilden wie auch von
Kulturpflanzensorten und Nutztierrassen hat sich in den letzten 150
Jahren durch den Einfluss des Menschen Besorgnis erregend
beschleunigt.

Derzeit werden 75 % des globalen Bedarfs an Kohlenhydraten von nur
zwölf Pflanzenarten gedeckt. Davon liefern allein Weizen und Reis 40
% des globalen Konsums an Kohlenhydraten und Proteinen. Drei Viertel
der Weltbevölkerung ernähren sich von nur acht Pflanzen. Der damit
verbundenen landwirtschaftlichen Praxis fallen weniger markttaugliche
Landsorten zum Opfer, die gerade in der Züchtung als Träger von
Resistenzgenen wichtig sind. Im Falle von Krankheits- oder
Schädlingsbefall stehen der Agrarforschung dadurch reduzierte
Möglichkeiten für die Bekämpfung zur Verfügung.

Die neue Ausgabe der Agrarischen Rundschau steht ganz im Zeichen
der landwirtschaftlichen Biodiversität. Franz Fischler, Präsident des
Ökosozialen Forums, plädiert für einen ganzheitlichen Ansatz im
Umgang mit der Natur. Dieses Konzept geht weit über den reinen
Artenschutz hinaus. Wichtig ist ihm, auch ökonomische und soziale
Aspekte zu integrieren. Ebenso sollen ethische Aspekte wie der
Eigenwert der biologischen Vielfalt berücksichtigt werden. Dieser
umfassende Ansatz stelle die Biodiversität aber auch in ein enormes
Spannungsfeld unterschiedlicher Interessen, die sich zwischen Schutz
und Nutzung bewegen.

Gabriele Obermayr und Günter Liebel vom Bundesministerium für
Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft sehen den
Erhalt landwirtschaftlicher Biodiversität als Beitrag zur
Ernährungssicherung: "Ähnlich wie bei der Portfolio-Strategie jedes
Wertpapierverwalters gilt es daher auch im Umgang mit dem natürlichen
Kapital auf Vielfältigkeit und Streuung des Risikos zu setzen, auch
wenn Biodiversität heute (noch) keinen ökonomischen Wert hat."

Während die nicht-landwirtschaftliche Biodiversität v. a. durch
die Abwesenheit menschlicher Eingriffe geschützt werden kann, ist für
die Erhaltung der Agrobiodiversität menschliche Nutzung zentral.
Clive Stannard von der Kommission für pflanzengenetische Ressourcen
für Ernährung und Landwirtschaft der FAO beleuchtet den
Internationalen Saatgutvertrag, der auf die Erhaltung und die
nachhaltige Nutzung pflanzengenetischer Ressourcen abzielt. Dieser
Vertrag ist das erste international bindende Vertragswerk, das die
Rechte von Bauern anerkennt. Er ermöglicht Bauern und
Pflanzenzüchtern sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich
den breitest möglichen Zugang zu den Ressourcen, die für die
weltweite Ernährungssicherung notwendig sind.

Außerhalb des Heftschwerpunktes erörtert der scheidende
Landwirtschaftskammer-Präsident Rudolf Schwarzböck die Rolle der
Bauern im Spannungsfeld globaler Agrarmärkte. Eine starke, offensive
und nach vorn orientierte Landwirtschaft betrachtet Schwarzböck als
notwendige Voraussetzung für eine positive wirtschaftliche
Entwicklung im ländlichen Raum: "Nur wenn der Wirtschafts- und
Arbeitsplatzmotor Landwirtschaft rund läuft und nicht untertourig
stottert, kann er lebendige ländliche Regionen sichern." Schwarzböck
spricht sich vehement gegen ständige Agrarreformen aus, die
ausschließlich Finanzkürzungen im Auge hätten. Die Politik möge
Europas Bauern ohne ständige Einmischung in Ruhe arbeiten lassen.

Die Agrarische Rundschau wird vom Ökosozialen Forum Österreich
herausgegeben und ist heute eines der bedeutendsten Journale für
agrar-, umwelt- und wirtschaftspolitische Fragen in Europa. Seit über
75 Jahren informiert sie über agrar-, umwelt- und
wirtschaftspolitische Entwicklungen im In- und Ausland. Sie versucht,
drohende Probleme, Trends und Chancen aufzuzeigen und diese mit
nationalen und internationalen Fachleuten zu diskutieren. Die
Agrarische Rundschau erscheint sechsmal im Jahr. Das Heft 1/2007:
Biodiversität, ist zu beziehen beim Ökosozialen Forum Österreich.
Mail: [email protected] (Preis: Euro 8,90 inkl. Mehrwertsteuer, zuzügl.
Versandspesen)

Rückfragehinweis:
Dr. Michaela Hickersberger
Ökosoziales Forum Österreich
Franz Josefs-Kai 13, 1010 Wien
Tel.: 01/533 07 97-29, Fax: 01/533 07 97-90
mailto:[email protected] , Internet: www.oesfo.at

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