- 29.03.2007, 10:20:00
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Bioethanol boomt in der EU: Erzeugung stieg 2006 um 71%
Österreichisches Bioethanolwerk geht 2007 in Betrieb - Entlastung der EU-Intervention
Brüssel/Budapest/Wien (AIZ) - Nach Angaben der Europäischen
Bioethanol-Treibstoff-Vereinigung (EBIO) hat die Bioethanolerzeugung
in der EU-25 im Jahr 2006 1,56 Mio. m3 erreicht und wuchs damit im
Jahresabstand um 71%. Bioethanol wird Fahrbenzin beigemischt. Es
entlastet, weil aus nachwachsenden Rohstoffen, die CO2-Bilanz und
ersetzt Rohölimporte. Die EU verlangt als Teil ihrer
Klimaschutzziele im Kampf gegen den von CO2-Emissionen ausgelösten
Treibhauseffekt ab 2005 eine Beimischung von 2% Biokraftstoffen, ab
2010 von 5,75% und als jüngstes Ergebnis des EU-Gipfels vom März
dieses Jahres bis 2020 von 10%. Österreich will dieses Ziel aber
schon 2010 erreichen. Landwirtschafts- und Umweltminister Josef Pröll
will noch vor dem Sommer eine diesbezügliche Verordnung erlassen.
Österreich hat aber jetzt schon die Nase bei der Beimischpflicht
vorn: Die Regierung beschloss bereits im Jahr 2004 für 2005 eine
Beimischpflicht von 2,5%, ab 01.10.2007 von 4,3% und ab 2008 von
5,75%.
Österreichisches Bioethanolwerk geht 2007 in Betrieb
Um dieses Ziel zu erreichen, entsteht zurzeit im
niederösterreichischen Pischelsdorf die erste großindustrielle
Bioethanolanlage Österreichs. Das EUR 125 Mio.-Investment des
Zuckerkonzerns AGRANA und des Verbandes "Die Rübenbauern" wird im
Herbst 2007 in Betrieb gehen. Es wird im Vollbetrieb aus einem
Rohstoffmix von bis zu 450.000 t Weizen, Rübendicksaft und Mais
jährlich 240.000 m3 Bioethanol, fast den ganzen Bedarf von 260.000 m3
für eine 10%ige Beimischung in Österreich, erzeugen. Als Nebenprodukt
entstehen bis zu 170.000 t hochwertiges Eiweißfuttermittel als Ersatz
für Sojaimporte. Damit ist die Schaffung 60 neuer Arbeitsplätze
verbunden. 2006 erntete Österreich 1,33 Mio. t Weichweizen, wovon
587.000 t laut Marktbilanz der AMA entweder durch Verbringung in
andere EU-Staaten oder Export in Drittländer vermarktet werden
sollen. Den heimischen Bauern werden attraktive Verträge für den
Anbau von sogenannten Ethanolweizen angeboten, sie profitieren damit
mit gesicherter Wertschöpfung.
Deutschland überholte 2006 Spanien als größter EU-Produzent - Importe
aus Brasilien
Laut der EBIO-Statistik hat Deutschland 2006 mit 431.000 m3 (2005:
165.000 m3) Bioethanolerzeugung Spanien mit 402.000 m3 (2005: 303.000
m3) als größter Produzent in der EU überholt. Es folgen Frankreich
mit 250.000 m3 (2005: 144.000 m3), Italien mit 128.000 m3 (2005:
8.000 m3), Polen mit 120.000 m3 (2005: 64.000 m3) und Schweden mit
140.000 m3 (2005: 153.000 m3). Der Bioethanolverbrauch der EU-25 lag
2006 bei 1,7 Mio. m3, aus Brasilien wurden 230.000 m3 importiert.
Nicht in diesem Ranking enthalten ist Ungarn, das ein besonders
ehrgeiziges Bioethanolprogramm verfolgt.
Ungarn will Bioethanolproduktion bis 2008 auf 500.000 t verdreifachen
Der Staatssekretär im Budapester Landwirtschaftsministerium,
Zoltan Gogos, gab dieser Tage bekannt: Von derzeit 500.000 t
Produktionskapazität soll sich der Ausstoß von Biosprit mit der
Inbetriebnahme zweier oder dreier neuer Werke 2008 auf 500.000 t
verdreifachen und schließlich 2009 oder 2010 auf 800.000 t anwachsen.
"Wir haben einen strukturellen Getreideüberschuss von 2,5 Mio. t, aus
dem man die 800.000 t Ethanol erzeugen kann", rechnete Gogos vor. 2
Mio. t Getreide und Mais sollen schon 2008 ihren Weg durch die
Verspritung nehmen, nach Erreichen der 800.000 t-Kapazität werde es
aber laut dem Staatssekretär eng mit der Rohstoffbasis aus
ungarischem Anbau, wenn nicht die Flächen ausgeweitet und die Erträge
nachhaltig gesteigert würden.
Bioethanolerzeugung baut Ungarns Getreideberg ab und entschärft
EU-Interventionsproblem
Gleichzeitig warnte das Budapester Landwirtschaftsministerium
davor, die Ernte 2007 könnte das Ende einer Serie von Rekordernten um
die 16 Mio. t - wovon zuletzt rund 5 Mio. t in der EU-Intervention
landeten - und den Rückfall auf Durchschnittserträge von 12 bis 13
Mio. t markieren. Jedenfalls erwartet Gogos, dass der Wettbewerb um
Rohstoff in Ungarn künftig kräftig angeheizt werde.
Die aus den vergangenen drei überdurchschnittlich starken Ernten
in ungarischen Interventionslagern angehäuften Getreide- und
Maisberge gelten als Auslöser für die von der EU-Kommission
gestartete Debatte, die Maisintervention ab 2007 gänzlich
abzuschaffen. Ungarn jedoch argumentiert, auch dank des Einstiegs in
die Bioethanolerzeugung sei diese "Panikreaktion" überzogen, da sich
die Situation von selbst entspanne und mit einer möglichen
Rohstoffknappheit sogar ins Gegenteil verkehren werde. "Die Altlager
werden mit Jahresende weg sein", sagte gestern
Landwirtschaftsminister Jozsef Graf zu Reuters. Die Ära überbordender
Überschüsse sei vorbei, "nun herrscht sogar Anspannung, dass die
Silos nun leer bleiben und man an sich sogar Mais darin wünschte".
Überraschend erklärte Graf sogar weiters: "Die letzte Maisernte ist
auch schon verkauft, es liegen nur mehr die restlichen
Interventionsbestände in Ungarn." Neben der Entspannung der
EU-Interventionssituation sollte sich mit dem Abverkauf der
ungarischen Maisbestände und dem Abbau des strukturellen Überschusses
durch die Bioethanolerzeugung auch der Marktdruck auf die
benachbarten Länder abschwächen.
Zu Beginn des laufenden Wirtschaftsjahres 2006/07 (01.07.2006 bis
30.06.2007) hatten sich in Ungarn knapp 7 Mio. t (EU-27 insgesamt:
13,97 Mio. t) in der Intervention angehäuft, davon gut 5 Mio. t Mais
und der Rest vor allem Weizen. Mittlerweile ist der Maisberg dank
umfangreicher Verkäufe der EU-Kommission auf den Binnenmarkt und
Exporte auf etwa 3 Mio. t abgeschmolzen und der Interventionsweizen
praktisch schon zur Gänze abverkauft.
(Schluss) pos
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