"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Die Groß-Mutter" Von IRENE HEISZ

Ausgabe vom 29. März 2007

Wien (OTS) - Die einen wollen gar keinen Nachwuchs oder höchstens ein Kind, weil sich eine größere Sippe nicht mehr mit den Ansprüchen ans Leben (das eigene und das der Kinder!) vereinbaren lässt. Die anderen lassen alles nur irgendwie Mögliche über sich ergehen, um der unwilligen Natur nachzuhelfen - nicht Gott ergeben, aber der modernen Medizin. Und die Dritten nehmen sich, wiederum ermutigt von Ärzten, das Recht heraus, Anti-Aging-Ideen auf ihre Gebärfähigkeit anzuwenden. Seit wir es können, ignorieren wir geflissentlich die Vorgaben, die uns die Natur zur Erhaltung unserer Art gemacht hat.

Heuchelei ist unangebracht: Keine junge Frau bekommt Kinder, weil sie dabei an Vater Staat oder die Erhaltung der Menschheit denkt. Man hüte sich auch grundsätzlich vor leichtfertigen Urteilen über die verzweifelten Bemühungen von Frauen, die sich sehnlich Kinder wünschen, aber auf natürlichem Weg keine bekommen können.

Doch wenn Frauen weit jenseits ihrer natürlichen Fruchtbarkeit -und jedenfalls tief in der zweiten Lebenshälfte - überzeugt sind, die Erfüllung ihres Daseins im Austragen eines Kindes zu finden, brauchen sie möglicherweise Hilfe. Allerdings eher nicht die eines Gynäkologen, der sich auf In-Vitro-Fertilisation spezialisiert hat.

Die Lebenserwartung steigt permanent, und Mittsechziger fühlen sich heute jünger und fitter als ihre Großeltern im gleichen Alter:
Aber der Wechsel des weiblichen Körpers in den Gebärruhestand ist nach wie vor keine Krankheit, die zum Wohle der Menschheit bekämpft werden muss. Und pubertierende Jugendliche kosten schon jüngere Eltern jede Menge Nerven, die Achtzigjährige sicher nicht mehr aufbringen.

Omas (wie übrigens auch Opas) sind enorm wichtig. Aber die Verantwortung für die Enkelgeneration ist bei den Töchtern (und Söhnen) besser aufgehoben.

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