• 13.03.2007, 09:46:04
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Aufnahmechaos in Schulen: Benachteiligung ärmerer Familien verstärkt

Die Bildungschancen sollen vom Talent der Kinder und nicht vom Status der Eltern abhängen.

Wien (OTS) - "Mit dem Vorziehen der Anmeldung zur 5.Schulsstufe
und dem folgenden Aufnahmechaos werden die Benachteiligungen von
Kindern aus ärmeren Familien noch verstärkt", fordert die
Armutskonferenz Bildungsministerin Schmied zur Änderung der aktuellen
Praxis auf. "Je weniger die Eltern verdienen, desto eher wechseln die
Kinder nicht in die AHS-Unterstufe, - auch wenn sie laut
Volkschulzeugnis die AHS-Reife gehabt hätten. Das setzt sich fort
über die Oberstufe bis zum Studium", so Sozialexperte Martin Schenk.

Kinder aus Haushalten bis 1.000 Euro Einkommen würden zu 35,9
Prozent eine AHS-Oberstufe oder BHS besuchen, bei Einkommen über
2.500 Euro dagegen zu 68,3 Prozent, so Schenk. Weiterer
ausschlaggebender Faktor:

die berufliche Position der Eltern. 24,8 Prozent der Kindern von
Eltern, die Hilfstätigkeiten verrichten, besuchten eine AHS-Oberstufe
oder BHS, bei Eltern mit hochqualifizierten Tätigkeiten seien es
dagegen 74,3 Prozent.
(siehe Abb 3 und 4:
http://www.armut.at/KeinKindBesch%E4men_MartinSchenk.pdf )

In einer Studie zur Schulwahlempfehlung von 13.000 Kindern in der
5.Schulstufe wurde herausgefunden, dass bei gleicher Schulleistung
ein Kind von Eltern mit niedrigerem sozioökonomischen Status eine
ungleich geringere Chance hat, eine Gymnasiumsempfehlung zu erhalten
als ein Akademikerkind. Kinder aus besser situierten Elternhäusern
konnten im Vergleich zu Kindern mit ärmeren Eltern ein deutlich
niedrigeres Leistungsniveau erreichen, um eine Empfehlung fürs
Gymnasium zu
erhalten.*

"Die Bildungschancen sollen vom Talent der Kinder und nicht vom
Status der Eltern abhängen", so das österreichische
Anti-Armutsnetzwerk.

"Zukunft trotz Herkunft" für Jugendliche aus benachteiligten
Familien, fordert Sozialexperte Schenk als Reformprinzip stärker in
die Bildungsdebatte ein. Damit Zukunft nicht von der Herkunft
abhängt, braucht es einen Bildungsweg, der nicht sozial selektiert,
sondern individuell fördert, es braucht eine gut ausgebaute
Frühförderung vor der Schule, und es braucht den politischen Willen,
wachsender sozialer Polarisierung entgegenzutreten. Wichtig wäre
auch, Schulen in sozial benachteiligten Bezirken oder Regionen
besonders gut auszustatten und zu fördern, damit sie für alle
Einkommensschichten attraktiv bleiben.

In den Ländern, in denen die Aufstiegschancen für Kinder aus
sozial benachteiligten Familien besser gewährleistet werden, wird vor
allem die starke individuelle Förderung von Kindern in relativ
heterogenen Gruppen erfolgreich praktiziert. Davon profitieren
schwächere SchülerInnen genauso wie überdurchschnittlich begabte.",
so die Armutskonferenz abschließend.

* vgl. Kristen, Cornelia: Bildungsentscheidungen und
Bildungsungleichheit - Ein Überblick über den Forschungsstand.
Arbeitspapiere 5. Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung

Rückfragehinweis:
DIE ARMUTSKONFERENZ. -
Österreichisches Netzwerk gegen Armut und soziale Ausgrenzung.
www.armutskonferenz.at
Rückfragen: 01/ 409 80 01 oder 0664/ 544 55 54
Koordinationsbüro: 01/ 402 69 44

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