GBH: Streit um Winterbau nützt den Bauarbeitern nichts!

Gemeinsames Engagement für Winterbauoffensiven nötig

Wien (GBH/ÖGB) - Verärgert reagierte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Bau-Holz Johann Holper auf die Aussagen des oberösterreichischen Bau-Landesinnungsmeisters Ing. Herbert Pichler zum Jahresbeschäftigungsmodell für die Bauwirtschaft. Holper:
"Pichler beschwert sich, seine Vorschläge seien bislang nicht aufgenommen worden. Fakt ist: Seit langem versucht die Gewerkschaft Bau-Holz, die Vertreter von Bauindustrie und Baugewerbe davon zu überzeugen, dass es eine Weiterentwicklung des Jahresbeschäftigungsmodells geben muss. Bislang war die Bereitschaft der Arbeitgeberseite dazu gering. Mittlerweile wurde aber vereinbart, dass eine Expertengruppe sich mit diesem Thema beschäftigen wird. Das weiß Pichler, ebenso wie ihm unsere Vorschläge zu einer Weiterentwicklung dieses Modells bekannt sind. Aber ich betone: Mit uns wird es keine Regelung geben, die ausschließlich zu Lasten der Baubeschäftigten geht!"++++

Holper weiter: "In den letzten Jahren stellen wir fest, dass der Kollektivvertrag über die Jahresbeschäftigung entgegen den ursprünglichen Zielen, Zeiten für die Verlängerung der Jahresbeschäftigung anzusparen, gehandhabt wird. Viele Bauunternehmungen lassen die angesparten Zeiten je nach Auftragslage und Witterung bereits während der Haupt-Bauzeit konsumieren. Zahlreiche Betriebe in der Bauwirtschaft machen überhaupt keinen Gebrauch vom Jahresbeschäftigungsmodell."

Für die GBH müssen in einer Weiterentwicklung des Jahresbeschäftigungsmodells:
O das Jahreseinkommen und die Jahresbeschäftigung garantiert werden, O eine Aufzeichnungspflicht der Zeitausgleichsstunden und deren Verbrauch inkl. einer Deponierung des Entgeltes dafür bei der Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungskasse (BUAK) vorgenommen werden, die eine individuelle Kontrolle der geleisteten Arbeitsstunden und des Zeitausgleiches des einzelnen Arbeitnehmers ermöglicht,
O die täglichen und wöchentlichen Höchstgrenzen der Arbeitszeit und der Zeitraum, in dem Zeitausgleichsstunden erworben werden können, festgeschrieben werden,
O eine höhere Bewertung der Zeitausgleichsstunden vertraglich festgelegt werden,
O es einen Beitrag der Arbeitslosenversicherung an Stelle des Arbeitslosengeldbezuges zur Sicherung der Jahreseinkommen der Bauarbeiter geben
O v.a. öffentliche Auftraggeber müssen zu einer kontinuierlicheren Auftragsvergabe und vernünftigen Setzung von Fertigstellungsterminen in der Bauwirtschaft beitragen. Dies wäre ein wesentlicher Beitrag zur Verringerung der Winterarbeitslosigkeit in der Bauwirtschaft.
O Der Winterbau und die Winterbeschäftigung müssen gezielt gefördert werden.

Holper: "Gerade in den letzten beiden Punkten sind Arbeitnehmer-und Arbeitgebervertreter weitestgehend einig. Ich gebe Pichler absolut Recht, wenn er eine Forcierung des Winterbaus und ein Vorangehen des öffentlichen Auftraggebers mit gutem Beispiel fordert. Die Bau-Sozialpartnerschaft in der Steiermark hat mit ihrer erfolgreichen Winterbau-Offensive bewiesen, dass es funktioniert. Gehen wir auch österreichweit gemeinsam vor, um Winterbauoffensiven zu ermöglichen. Die Bauarbeiter sind in den Wintermonaten nicht gerne arbeitslos. Sie wären lieber durchbeschäftigt, denn wiederkehrende Arbeitslosigkeit bedeutet für sie Einkommenseinbußen bis hin zu einer deutlich geringeren Pension. Es nützt den Bauarbeitern ebenso wie der Bauwirtschaft nichts, über die Arbeitslosenzahlen, die auch in diesem ungewöhnlich warmen Winter noch deutlich zu hoch sind, zu streiten:
Nehmen wir gemeinsam die Bundesregierung in die Pflicht, rasch Maßnahmen zu setzen, die die Bau-Arbeitslosigkeit senken können."

ÖGB, 7. Februar 2007 Nr. 94

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