SPÖ-Wirtschaftssprecher Bauer präsentiert Studie zu "Ageing Society"

Studie zeigt: Nur 13 Prozent der Unternehmen haben Strategie für ältere ArbeitnehmerInnen

Wien (SK) - "Mit 28,7 Prozent Erwerbsquote bei den 55- bis 64-Jährigen ist Österreich absolutes Schlusslicht in der EU. Diese niedrige Erwerbsquote muss dringend angehoben werden", so der SPÖ-Wirtschaftssprecher Hannes Bauer am Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz. Der SPÖ-Politiker und Vorsitzende des Vereins "Zukunftsforum Österreich" präsentierte gemeinsam mit Emmerich Talos vom Institut für Staatswissenschaften die Studie "Ageing Society -eine Herausforderung für Unternehmen und Gesellschaft". Ziel der Studie sei es, so Bauer, eine Bewusstseinsbildung einerseits in den Betrieben und andererseits auf politischer Ebene zu schaffen. ****

Für die Studie habe man 700 Betriebe unterschiedlicher Größenordnungen und aus verschiedenen Branchen hinsichtlich ihrer Strategien befragt, auf die Anforderungen der alternden Gesellschaft zu reagieren. Bauer hielt fest, dass lediglich 13 Prozent der Betriebe angegeben hätten, Strategien zu verfolgen, die darauf ausgerichtet sind, ältere ArbeitnehmerInnen zu beschäftigen. Auch seien Projekte, die andere Firmen verfolgen würden, nur zu einem geringen Teil den Betrieben bekannt. "Das ist ein bezeichnendes Bild. Es zeigt, dass den Firmen das Problembewusstsein fehlt", unterstrich der SPÖ-Wirtschaftssprecher. Dabei sei die Stimmung in den Betrieben, was die zukünftige wirtschaftliche Situation betrifft, durchaus positiv. 21 Prozent seien der Meinung, dass der Arbeitskräftebedarf in ihrem Betrieb in den nächsten Jahren steigen werde und auch bei der Befragung zur momentanen wirtschaftlichen Situation der Unternehmen sei eine positive Grundhaltung zu bemerken, betonte Bauer.

Von Seiten der Betriebe werde vor allem in der Politik Handlungsbedarf gesehen, um die Situation für ältere ArbeitnehmerInnen zu verbessern. Eine vorrangige Forderung dabei sei vor allem die Senkung der Sozialabgaben bei Beschäftigung von älteren Arbeitnehmerinnen und die Reduktion der Lohnnebenkosten für Beschäftigte über 50. Die Betriebe selbst sehen vor allem in gesundheitsfördernden Maßnahmen, das Anbieten von abwechslungsreicher Tätigkeit und die Ermöglichung von Teilzeitarbeit gegen Berufsende wichtige Themen, um ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das auch älteren Menschen entgegenkommt.

Handlungsbedarf bei Politik und Wirtschaft

Emmerich Talos zeigte sich ebenfalls von der Wichtigkeit der Studie überzeugt, denn "sie spricht ein zentrales Thema an, das in den nächsten Jahren immer wichtiger werden wird". Bereits im Jahr 2000 habe die EU mit der Lissabon-Strategie festgesetzt, dass die Erwerbsquote in der EU bei älteren Arbeitnehmern auf 50 Prozent steigen solle. In Österreich sei die Steigerungsrate der Erwerbsquote eher gering, wenn dieses Tempo beibehalten werde, könne Österreich das Lissabon-Ziel nicht erreichen. Noch immer gebe es eine Diskrepanz, so Talos, obwohl alle Prognosen auf eine zunehmende Zahl an ältere Arbeitnehmer hinweisen würden, würden die Betriebe weiterhin auf junge Arbeitnehmer eingestellt sein. Um sich jedoch auf die neue Herausforderung einzustellen, müssten Betriebe vor allem auf Weiterbildung und betriebliche Gesundheitsförderung setzen, von Seiten der Politik müsse eine Anpassung der Kostenstruktur, was vor allem die Abflachung der Einkommenskurve bedeute und eine Senkung der Lohnnebenkosten in Angriff genommen werden.

Ebenfalls nicht außer acht gelassen werden dürfe die Diskussion um eine Wertschöpfungsabgabe, hielt der Politikwissenschafter fest. Wenn man eine Senkung der Lohnnebenkosten wolle, dann müsse man den gesamten Finanzierungsmodus besprechen, betonte Emmerich Talos. Hannes Bauer ergänzte, dass auch er es für einen Fehler halte, die Finanzierung des Sozialsystems lediglich über die Arbeitskraft zu bestreiten. Derzeit sei eine Ungerechtigkeit zwischen arbeitskraftintensiven Betrieben und jenen mit wenig Personlaufwand zu orten. Ein Umdenken, so Bauer, sei auch im Bereich der Weiterbildung gefordert. So könnten beispielsweise Zeiten der Arbeitslosigkeit als Bildungszeit verwendet werden und auch den Betrieben müssten noch mehr Anreize gegeben werden, in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter zu investieren. (Schluss) sw

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