- 28.01.2007, 17:41:20
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Ist Strache eher salonfähig als Haider?
"Presse"-Leitartikel von Martina Salomon
Wien (OTS) - Heuchlerische Debatte um die braune Vergangenheit des
FP-Chefs, die nur dank des internen Streits publik wurde.
Was wäre, wenn sich die beiden Blauen Heinz-Christian Strache und
Ewald Stadler aus der Politik zurückziehen würden? Der Weg für eine
Wiedervereinigung von FPÖ und BZÖ wäre frei. Dann müsste nur noch der
orange Peter Westenthaler davon überzeugt werden, dass er nicht mehr
Parteichef spielen darf. Aber den Einzug ins Parlament verdankt das
BZÖ ohnehin vorwiegend den Kärntner Wählern, die Jörg Haider
mobilisieren konnte. Haider könnte wieder einmal als Parteichef
zurückkehren - es wäre ja nicht das erste Mal. Es gibt Kräfte bei
Blau und Orange, die daran arbeiten.
Dann gäbe es wieder eine rechte Mehrheit im Parlament. Das scheint
auch der Hauptgrund für die erstaunlich zahme Reaktion Alfred
Gusenbauers zu sein - Vorsitzender jener Partei, die unter
Schwarz-Blau schon wegen weit geringerer Anlässe die Republik
praktisch in Flammen sah.
Allein, dass FP-Chef Heinz-Christian Strache offenbar in einem mit
Neonazis gespickten Umfeld sozialisiert wurde, ist ein Problem. Dass
er sich jetzt nur halbherzig davon distanziert, ein noch viel
größeres. "Ich war ein dummer Bub" ist eine schwache Ausrede. Kann
man ihm da die "Abscheu vor dem Nationalsozialismus", die er im
"Presse"-Interview äußerte, wirklich abnehmen? Nur weil er
geschickter war als Haider und im Gegensatz zu ihm kein
Nazi-Vokabular verwendete, ist er nicht salonfähiger. Haider erregte
Aufruhr mit Reden vor SS-Veteranen in Krumpendorf. Aber Strache hat
mit deren ideologischen Nachfahren, darunter auch verurteilte
Gaskammern-Leugner, offenbar intensiven Kontakt gepflegt - bis wann,
ist nicht so genau zu eruieren. Man lügt sich in den Sack, wenn man
das als besser empfindet als die Haidereien früherer Jahre.
Im Grunde spielen alle ein recht durchsichtiges Spiel: Die SPÖ hat
immer schon (schlag nach bei Kreisky) bewiesen, dass sie die FPÖ so
behandelt, wie es ihr gerade nutzt. Die ÖVP, die alle Kapriolen Jörg
Haiders mit "Gelassenheit" aufnahm, entdeckt jetzt plötzlich ihre
"Firewall" gegen so eine Geisteshaltung (Zitat Vizekanzler Molterer).
Auch das ist nicht glaubwürdig. Noch absurder ist das Gekreische des
BZÖ gegen den FP-Chef. Das Lager, wo Strache zu Hause war, ist Haider
nicht fremd. Und auch er hat ja jahrelang angestrebt, was jetzt
FP-Mann Andreas Mölzer vollzogen hat: eine Allianz (ultra-)rechter
Parteien in der EU. Aus Sicht des rechten Lagers in Österreich hat
die Zusammenarbeit einen krassen Schönheitsfehler: Mit der Liste
Mussolini ist eine Partei mit an Bord, die Südtirol als klaren
Bestandteil Italiens sieht - in den Augen der Deutschnationalen ist
das "Verrat". Dass dann auch noch der deutschnationale Chefideologe
Stadler von Strache demontiert wurde - indem man ihn in der
Partei-Akademie entthronte -, war offenbar der Grund für den
nachfolgenden Rachefeldzug der Rechten gegen Strache. "H.C." musste
daraufhin in die Offensive gehen und veröffentlichte selbst jene
Fotos, mit denen er offensichtlich erpresst wurde.
Dass es davon noch mehr - und auch belastendere - gibt, ist sehr
wahrscheinlich. Das zeigte die voreilige freiheitliche Reaktion auf
ein von der Tageszeitung "Österreich" am Samstag veröffentlichtes
Bild, das viel harmloser ist, als es die FPÖ erwartete. Denn über die
Geste Straches lässt sich streiten. Der Neonazigruß (oder jener der
Südtiroler Freiheitskämpfer, wie ihn die FPÖ noch vor Ansicht des
Fotos annahm) muss das nicht zwingend sein, Straches Arm ist nicht
gestreckt.
Wohin wird sich das einstige Dritte Lager hinbewegen? Strache hat
sich zwar von "Übervater" Haider losgesagt, aber nicht ganz von der
nach wie vor aktiven braunen Szene, die ihn offenbar bis vor kurzem
als Hoffnungsträger betrachtete. In der FPÖ findet ein Machtkampf
statt. Wie deutschnational, wie christlich, wie "rechts" soll die
Partei sein? Das ist überhaupt nicht geklärt, die Entmachtung
Stadlers aber ein Zeichen dafür, dass sich Strache in dieselbe
Richtung wie Haider bewegt: Weniger "wehrhaftes Christentum", mehr
eine Art neue Arbeiterpartei wollen die Blauen sein. Die
unterprivilegierten, wütenden jungen Männer waren schon immer eine
interessante Zielgruppe für die FPÖ - und für rechte
Ausländer-raus-Parolen sehr empfänglich.
Das BZÖ wiederum ist zur "Ortstafel-Partei" Jörg Haiders degeneriert,
langfristig wird es nicht überleben. Es sei denn, Blau und Orange
heben die willkürliche Trennung auf. Dagegen wird sich Strache
wehren, solange ihn seine parteiinternen Gegner nicht völlig
geschwächt haben.
Rückfragehinweis:
Die Presse
Chef v. Dienst
Tel.: (01) 514 14-445
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