DER STANDARD - Modisches Signal - von Barbara Tóth

Ausgabe vom 24.1.07

Wien (OTS) - Es war nur ein kleines modisches Detail, aber eines, das allen Anwesenden auffiel: Zur Auftaktveranstaltung der ÖVP-Perspektivenfindungstruppe erschien deren Anführer, Lebensminister Josef Pröll, mit offenem Hemdkragen - und ohne Krawatte.

Die Symbolik war gewollt: Die ÖVP soll "breiter, offener" und - was immer das heißen mag - "spitzer" werden. Das sind verbale Accessoires, die vorerst noch keinen Gesamteindruck ergeben, aber das dürfte auch die Intention jenes Mannes gewesen sein, der sie ausgesprochen hat. Pröll. Die Botschaft soll lauten: Jetzt wird das Programmkorsett der Bürgerlichen erst einmal an allen Enden aufgeschnürt, damit die Partei wieder Luft bekommt und das Publikum den Eindruck, dass diese Volkspartei tatsächlich versucht, sich ein bisschen herauszuputzen.

Dem Wähler zeigen, dass man sich für ihn interessiert und dass man sich verändern will - das war auch der zentrale Ratschlag, den der konservative schwedische Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt für seine Gesinnungsgenossen aus Mitteleuropa parat hatte. Unter Wolfgang Schüssel wurde dieser Grundsatz des permanenten Hinterfragens der eigenen Positionierung sträflich vernachlässigt und stattdessen einer als Wertebewusstsein getarnten, abgehobenen Halsstarrigkeit gehuldigt. Nicht ohne Grund betonte Reinfeldt, dass seine Partei schon vor Jahren für die gesetzliche Verankerung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften eingetreten ist und ihm die Unterstützung arbeitender Mütter ein besonderes Anliegen ist.

Erst am Umgang mit diesen gesellschaftspolitischen Signalthemen - und daran, wie die ÖVP ihre rituelle Gesamtschul_phobie überwindet - wird sich zeigen, ob die Pröll’sche Perspektiventruppe mehr ist als der politische Modegag der Saison.

Barbara Tóth

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