- 23.01.2007, 09:45:41
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Bundeskriminalamt warnt vor Betrug an älteren Menschen
Neffen- oder Enkeltrick avanciert zu europaweitem Phänomen
Wien (OTS) - Das Bundeskriminalamt stellte im letzten Jahr ein
vermehrtes Auftreten von Enkel- bzw. Neffenbetrügereien fest, deren
Hauptopfer ältere, im Besonderen allein stehende Menschen sind.
Die Fahnder des Bundeskriminalamtes verzeichneten im Vorjahr
insgesamt 629 Betrugsversuche, die zu 63 vollendeten Straftaten
führten. Die Schadenssumme beträgt beinahe 1.500.000,-Euro.
Die Täter gehen immer auf ähnliche Art und Weise vor: sie suchen
ihre Opfer aus konventionellen oder elektronischen Telefonbüchern
aus, rufen sie ohne Namensnennung an und erkundigen sich sofort nach
dem Wohlbefinden des Betroffenen. Einsame Menschen sind in der Regel
über die nette, persönliche Ansprache überaus erfreut und gehen davon
aus, dass es sich am anderen Ende der Leitung um einen Verwandten
oder guten Bekannten handelt. Fragt das Opfer nach, wer der Anrufer
sei, wird vorwurfsvoll die Gegenfrage gestellt, ob man ihn denn nicht
erkenne. Die Betroffenen zählen dann Namen nahe stehender Personen
auf, aus denen der Betrüger einen wählt und bestätigt, dass er diese
Person sei. Im weiteren Verlauf des Gespräches schildert der Täter
eine finanzielle Notlage und bittet um eine Geldaushilfe. Erhält der
Betrüger eine Zusage, gibt er vor, dass er den vereinbarten Betrag
wegen einer Terminkollision nicht selbst abholen kann und schickt
deshalb einen Freund vorbei. Die Geldübergaben finden größtenteils in
den Wohnungen der Opfer statt.
Die Forderung der Betrüger betragen zwischen 5.000,- und 50.000,-
Euro. Kann von "zahlungswilligen" Opfern der Betrag nicht aufgebracht
werden, geben sich die Täter auch mit weniger zufrieden. Es kommt
nicht selten vor, dass bei derartigen Taten die gesamten
Lebensersparnisse verloren gehen.
Die Täter verfügen über eine gute Organisation mit bemerkenswerter
Logistik. Die Anrufer befinden sich im Ausland und rufen Ihre Opfer
über ausländische Wertkartenhandys an. Sie stehen in enger und
ständiger Verbindung mit den vor Ort agierenden
Organisationsmitgliedern, die wiederum äußerst flexibel operieren.
Sie wechseln ständig die Orte und treten innerhalb weniger Tag in
mehreren Bundesländern auf.
Strukturermittlungen und Analysen des Bundeskriminalamtes
verdeutlichten auch den internationalen Bezug dieser Tätergruppen.
Den Ergebnissen dieser Ermittlungen zufolge wurden etwa in
Deutschland handelnde Täter von Personen unterstützt, die eigens
hierfür aus den USA einreisten. Taten mit identischer Begehungsweise
waren auch in den Vereinigten Staaten zu verzeichnen.
Zum Repertoire der Banden gehören auch verschiedene Spielarten von
Trickdiebstählen, die ebenfalls auf ältere Menschen abzielen.
Die letzte Betrugshandlung in Österreich ereignete sich vor
einigen Tagen in Salzburg. Bisher konnten acht Tatverdächtige
festgenommen und angezeigt werden. In den nächsten Tagen findet
wieder ein Strafverfahren zu einem derartigen Betrugsfall beim
Landesgericht Wien statt.
Empfehlungen des Bundeskriminalamtes:
Brechen Sie Telefonate, bei denen von Ihnen Geld gefordert wird
sofort ab. Lassen Sie sich auf keine Diskussionen ein und machen Sie
Ihrem Gegenüber entschieden klar, dass Sie auf keine Forderungen
eingehen werden.
Kontaktieren Sie den "vermeintlichen" Verwandten, indem Sie ihn
unter jener Telefonnummer zurückrufen, die Sie auch sonst verwenden.
Lassen Sie in Ihr Haus oder Wohnung niemanden, den Sie nicht
kennen. Verwenden Sie zur Kontaktaufnahme die Gegensprechanlage, die
Türsicherungskette oder den Sicherungsbügel.
Versuchen Sie sich bei etwaigem persönlichen Kontakt das Aussehen
der Person für eine spätere Personsbeschreibung genau einzuprägen.
Notieren Sie sich, sofern möglich, Autokennzeichen und Marke, Type
sowie Farbe eines vermutlichen Täterfahrzeuges.
Erstatten Sie umgehend Anzeige bei der nächsten
Polizeidienststelle (Notruf 133).
Rückfragehinweis:
Bundeskriminalamt Büro für Wirtschafts- und Finanzermittlungen Mag. Rudolf Unterköfler Tel.: 01-24836-85 343 Bundeskriminalamt Pressestelle Oberst Gerald Hesztera Tel.: 0664 - 323 00 16
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