Zwei Jahre nach der Tsunami-Katastrophe: Hilfe am Prüfstand

Experten diskutieren bei IUFE-Veranstaltung Tsunami-Hilfe: Was ist erreicht worden? Wie geht es weiter?

Wien, 12. Jänner 2007 (ÖVP-PK) Unter dem Titel "HILFE.MACHT.KONFLIKTE" zog eine Veranstaltung des Instituts Umwelt-Friede-Entwicklung (IUFE) gestern Abend Zwischenbilanz zwei Jahre nach der Tsunami-Katastrophe in Sri Lanka. Wie wurden die österreichischen Mittel eingesetzt, nach welchen Kriterien und Prioritäten, mit welchen Akteur/innen? Welche Erfahrungen machten die Helfer/innen? Wie geht es weiter mit Sri Lanka? Diese Fragen diskutierten unter Leitung von IUFE-Geschäftsführerin Dr. Petra C. Gruber die Botschafterin von Sri Lanka in Österreich, Aruni Yashodha Wijewardane, BM aD Dr. Ernst Strasser (Koordinator für die Katastrophen-Hilfe Österreichs in Südost-Asien), Mag. Maximilian Santner (Österreichisches Rotes Kreuz, Bereichsleiter Internationale Hilfe ehem. Projektleiter Kurier Aid Austria),
Helmut Voitl (Give Hope, in Kooperation mit Nachbar in Not) und
Mag. Gudrun Kramer (Institute for Integrative Conflict Transformation and Peacebuilding). ****

Kritische Sri Lanka-Bilanz

Der Vorstandsvorsitzende des IUFE, Abg.z.NR Bgm. Franz Glaser, resümierte eingangs, dass viel Gutes geschehen sei, manches war gut gemeint, aber nicht gut geglückt. IUFE-Geschäftsführerin Petra C. Gruber erklärte, es gehe bei Hilfsprojekten nicht nur um die Wiederherstellung zerstörter Gegebenheiten, sondern um deren Verbesserung und insbesondere auch darum, die Benachteiligung gesellschaftlicher Gruppen zu durchbrechen. Dies sei in Sri Lanka
im Gegensatz zu anderen Ländern nicht geglückt. Botschafterin Aruni Yashodha Wijewardane hob die Bedeutung der humanitären Hilfe und die "relativ wichtige Rolle Österreichs" dabei hervor. Das Wiederaufbau-Ziel bei den Häusern von 114.000 sei bisher nur zu 51 Prozent erreicht. Es sei "nicht ganz unwahr", dass nicht alles perfekt gelaufen sei. Die Botschafterin verwies auf die gewalttätigen Auseinandersetzungen im Osten des Landes, die den Wiederaufbau in diesem Bereich erschwerten.

Lob für österreichische Hilfe

Katastrophenhilfe-Koordinator Ernst Strasser bilanzierte, dass bisher etwa 25 Millionen der öffentlichen Hand in Hilfsprojekte geflossen seien. Nicht nur der Rechnungshof habe die Tsunami-Hilfe überprüft und für positiv befunden, auch die internationale Organisation der obersten Rechnungshöfe habe sich anerkennend gegenüber Österreich geäußert. Die NGOs hätten eine "sensationell gute Arbeit" geleistet. "Österreich hat sich einen sehr guten Namen gemacht, was Effizienz, Geschwindigkeit und Anpassung des Einsatzes an die Bedürfnisse betrifft", bilanzierte Strasser.

Bürokratie verhindert Hilfe

Persönliche Erfahrungen vor Ort referierte der ehemalige Projektleiter von Kurier Aid Austria Maximilian Santner, der zwei Jahre in Sri Lanka verbracht hat. Die Tsunami-Katastrophe sei in
der medialen Darstellung einzigartig gewesen, diesem Medien-Tsunami sei der Cash-Tsunami gefolgt. Der Filmer und Helfer Helmut Voitl (Give Hope, in Kooperation mit Nachbar in Not), der mit Elisabeth Guggenberger über ein Jahr ein Hilfsprojekt in Sri Lanka durchgeführt hat, kritisiert, dass sich Sri Lanka für Menschen, die helfen wollten, als nicht partnerfähig erwiesen habe. Bürokratische, politische und ethnische Probleme seien der Grund dafür.

Gudrun Kramer vom Institute for Integrative Conflict Transformation and Peacebuilding erklärte, die Hilfsorganisationen seien sich der Spannungen im Land nicht bewusst gewesen. Rasche Hilfe zu leisten, dabei aber konfliktsensitiv vorzugehen, darin sei die große Herausforderung gelegen. Diese Chance habe man aber -anders als in Indonesien - verpasst, der Konflikt zwischen Tamilen und Singalesen sei mittlerweile wieder eskaliert. Neben der Kritik an den Rahmenbedingungen für Hilfsprojekte in Sri Lanka nach der Tsunami-Katastrophe waren sich die Diskutant/innen freilich einig, dass die Hilfe auch viel Positives bewirkt habe. Insgesamt gehe der Wiederaufbau voran, es dauere aber länger als geplant.

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