- 29.12.2006, 09:00:00
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Ein Tourismus-Satellitenkonto für Österreich
Methodik, Ergebnisse und Prognosen für die Jahre 2000 bis 2007
Wien (WIFO) -
Der Tourismus spielt in der österreichischen Volkswirtschaft eine
bedeutende Rolle. Die herkömmliche Tourismusstatistik und die
Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR) können die Vielfalt an
volkswirtschaftlichen Verflechtungen des Sektors nur unzureichend
darstellen. Um die monetäre Größenordnung der Tourismuswirtschaft zu
erfassen sowie eine Basis für die Beobachtung der laufenden
Entwicklung zu schaffen, erschien die Implementierung eines
Tourismus-Satellitenkontos (TSA) als ein geeigneter Ansatz. Dessen
Umsetzung für Österreich erfolgte im Jahr 2001 beginnend mit dem
Berichtsjahr 1999 in einem gemeinsamen Projekt von Statistik Austria
(ST.AT) und dem Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung
(WIFO) im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit
(BMWA).
Beginnend mit dem Berichtsjahr 2004 wurde die monetäre
Betrachtungsweise um die Quantifizierung der direkten und indirekten
Beschäftigungswirkungen erweitert. Somit liegen in der aktuellen
Studie Ergebnisse für die Jahre 2004 und 2005 zum Gesamtbeitrag der
Tourismus- und Freizeitwirtschaft zur Beschäftigung vor.
Tourismusaufwendungen 2006 erstmals über 30 Mrd. Euro
Im Jahr 2005 entfielen laut vorläufigen TSA-Ergebnissen 52,8% der
Gesamtausgaben für Urlaubs- und Geschäftsreisen sowie Verwandten- und
Bekanntenbesuche von 29,23 Mrd. Euro auf ausländische Reisende, 44,1%
auf inländische Reisende und 3,1% auf die Ausgaben der Inländer in
Wochenendhäusern und Zweitwohnungen. Im Jahr 2006 dürften die
Gesamtausgaben um 3,9% steigen und ein Volumen von 30,38 Mrd. Euro
erreichen, für 2007 wird mit einer Expansion um 3,8% auf 31,53 Mrd.
Euro gerechnet (Übersicht 1).
Auf Basis der TSA-Methode wurden für das Jahr 2005 direkte
Wertschöpfungseffekte des Tourismus von 15,87 Mrd. Euro ermittelt
(2004: 14,94 Mrd. Euro). In Relation zum BIP ergibt sich rein
rechnerisch ein Anteil von 6,5% (2004: 6,3%).
Tourismus erwirtschaftet rund 9% des BIP
Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Tourismus bzw. dessen
Beitrag zur gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung ist eine wichtige
Kennzahl für die Wirtschaftspolitik. Zu ihrer Berechnung werden die
TSA-Ergebnisse einschließlich aller durch den Tourismus ausgelösten
direkten und indirekten Effekte, aber unter Ausschluss der Dienst-
und Geschäftsreisen dargestellt.
Durch Anwendung der Input-Output-Multiplikatoren auf die
korrigierten TSA-Ergebnisse ergaben sich für das Jahr 2005 direkte
und indirekte Wertschöpfungseffekte von 21,56 Mrd. Euro (+3,8%
gegenüber 2004; Übersicht 2). Damit erreichte der Beitrag des
Tourismus zur gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung (BIP) 8,8%.
2006 und 2007 dürfte dieser Wert bei jeweils 8,7% liegen.
Obwohl die Input-Output-Analyse durch ihre restriktiven Annahmen
(z. B. Fehlen von Substitutionsmöglichkeiten und Skalenerträgen oder
Auslastungsüberlegungen) Unschärfen auf das Ergebnis ausstrahlt, ist
sie die einzige Methode, die eine systematische Erfassung aller
direkten und indirekten Wertschöpfungseffekte des Tourismus erlaubt.
Für die Ermittlung der volkswirtschaftlichen Bedeutung der
Tourismus- und Freizeitwirtschaft muss zusätzlich der
nicht-touristische Freizeitkonsum der Österreicher am Wohnort
berücksichtigt werden. Laut aktuellen Berechnungen wurden im Jahr
2005 für den Freizeitkonsum der Inländer am Wohnort 23,13 Mrd. Euro
(+3,4%) aufgewandt. Nach Anwendung der Input-Output-Multiplikatoren
ergaben sich dadurch direkte und indirekte Wertschöpfungseffekte von
18,96 Mrd. Euro. Der Beitrag des Freizeitkonsums zur
gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung betrug damit 7,7%.
Übersicht 1: Hauptergebnisse des Tourismus-Satellitenkontos für
Österreich - auf der WIFO-Website (http://www.wifo.ac.at/presse)
Touristische Nachfrage
Übersicht 2: Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Tourismus- und
Freizeitwirtschaft in Österreich - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/presse)
TSA-Erweiterungen: direkte und indirekte Wertschöpfung
Eine Gesamtbetrachtung der inlandswirksamen Aufwendungen für den
nicht-touristischen Freizeitkonsum am Wohnort und den touristischen
Konsum macht die beachtliche Dimension der gesamten Tourismus- und
Freizeitwirtschaft deutlich:
- Die für das Jahr 2005 ermittelten direkten und indirekten
Wertschöpfungseffekte ergaben ein Volumen von 40,53 Mrd. Euro
(+3,7%).
- Der Beitrag der gesamten Tourismus- und Freizeitwirtschaft zum BIP
erreichte damit 16,5%.
- Im Jahr 2006 dürfte das Gewicht des Sektors an der
gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung 16,4% erreichen, 2007 auf
16,3%.
Tourismus- und Freizeitwirtschaft schafft Arbeitsplätze
Die Nachfrage nach den Gütern und Dienstleistungen der Tourismus-
und Freizeitwirtschaft löst erhebliche Arbeitsmarktwirkungen aus. Im
Jahr 2005 waren laut Ergebnissen des TSA-Beschäftigungsmoduls
(TSA-BM) 272.476 Erwerbstätige (gemessen in Vollzeitäquivalenten) den
charakteristischen Tourismusbranchen direkt zuzurechnen, rein
rechnerisch 7,8% der Erwerbstätigen insgesamt.
Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Tourismusbeschäftigung kann
durch Berücksichtigung aller durch den Tourismus ausgelösten direkten
und indirekten Effekte geschätzt werden. Eine erste Berechnung ergab
für das Jahr 2005 direkte und indirekte Beschäftigungseffekte von
insgesamt rund 423.000 Vollzeitäquivalenten. Damit erreichte der
Beitrag des Tourismus zur Gesamtbeschäftigung 12,1% aller
Erwerbstätigen.
Unter Berücksichtigung der Effekte des nicht-touristischen
Freizeitkonsums der Inländer am Wohnort können die direkten und
indirekten Beschäftigungseffekte auf etwa 308.500 Vollzeitäquivalente
geschätzt werden. Der Beitrag des Freizeitkonsums zur
gesamtwirtschaftlichen Beschäftigung dürfte damit knapp 9% ausmachen.
Eine Gesamtschau macht die Bedeutung der Tourismus- und
Freizeitwirtschaft für die Schaffung von Arbeitsplätzen deutlich:
- Die für das Jahr 2005 ermittelten direkten und indirekten
Beschäftigungseffekte der inlandswirksamen Aufwendungen für den
nicht-touristischen Freizeitkonsum am Wohnort und den touristischen
Konsum ergaben rund 731.500 Vollzeitäquivalente.
- Damit wird jeder 5. Vollarbeitsplatz durch die Tourismus- und
Freizeitwirtschaft generiert.
Rückfragehinweis:
Univ.-Doz. Dr. Egon Smeral
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-219 * Fax. +43 1 798 93 86
mailto:[email protected]
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