- 29.11.2006, 09:41:24
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Vom Unterschied von Aufarbeitung und Aufarbeitung
Jüdische Gemeinde Baden bei Wien nimmt zur behaupteten Aufarbeitung der NS-Zeit durch die Stadtgemeinde Baden bei Wien Stellung
Baden (OTS) - Anlässlich der Gedenkveranstaltung zum 68. Jahrestag
des Novemberprogroms 1938 hat der Präsident der Jüdischen Gemeinde
Baden bei Wien, MMag. Thomas E. Schärf, zur Aufarbeitung der Zeit des
Nationalsozialismus kritisch Stellung genommen. Eine Aufarbeitung der
kritischen Jahre und eine offizielle Positionierung durch die Stadt
sei bis heute unterblieben. Die diesbezügliche Position des
Präsidenten, der zur Geschichte der jüdischen Gemeinde und über
Arisierungen in Baden selbst über mehr als ein Jahrzehnt Recherchen
angestellt und publiziert hat, findet freilich auch im Bericht der
von der Österreichischen Bundesregierung eingesetzten
Historikerkommission Deckung. Diese hatte in ihrem Bericht "Juden in
Niederösterreich" festgehalten, dass "...die fehlende Aufarbeitung
und Zerstörung der größten jüdischen Gemeinde Niederösterreichs (...)
auch als Symbol der nicht verarbeiteten Vergangenheit der Stadt Baden
gelten" müsse.
In einer Reaktion auf die kritische Rede Schärfs und den Bericht der
Historikerkommission, konterte der Leiter des Städtischen Museums,
Dr. Rudolf Maurer, gegenüber den Niederösterreichischen Nachrichten
nunmehr, für ihn seien die Vorwürfe Schärfs nicht nachvollziehbar.
Die Jahre 1938 bis 1955 seien penibel recherchiert. Seines Wissens
hätten nur wenige Städte ihre Vergangenheitsbewältigung in so
wissenschaftlicher und fundierter Weise in Angriff genommen wie die
Stadt Baden. Man habe mit der Synagoge und Schärf selbst
zusammengearbeitet.
Die jüdische Gemeinde weist diese Behauptungen Maurers nunmehr
zurück. Die vom Museumsleiter angesprochene Publikation von
"Katalogblättern" für die Jahre 1938 bis 1945 stelle eine Publikation
von eigenem Quellenmaterial dar. Maurer spreche daher von der
Sichtung und Aufarbeitung von Archivmaterial. Hingegen sei es zu der
von der Historikerkommission und dem Präsidenten der Jüdischen
Gemeinde angesprochenen Aufarbeitung in Form einer selbstkritischen
Reflexion der Rolle der Stadt und ihrer Bürger während der NS-Zeit
sei bis heute nicht gekommen.
Die Stadt habe es im Gegensatz sogar zu viel kleineren Städten und
Orten bis dato verabsäumt, den vertriebenen und ermordeten Bürgern
ein Zeichen der Erinnerung und des Gedenkens zu setzen. Es sei nicht
einmal im Gedenkjahr 1988 zu einer offiziellen Gedenkveranstaltung,
zur Errichtung eines Mahnmals oder - trotz entsprechender Antrages
der Oppositionsparteien im mehrheitlich VP-dominierten Gemeinderat -
zur vollständigen Zurücknahme der während der NS-Zeit erfolgten
Umbenennung von nach jüdischen Bürgern benannten Strassen gekommen.
Auch seien in den Katalogblättern die in Baden erfolgten Arisierungen
nicht einmal angesprochen, was bei mehr als 300 Häusern und 500
Liegenschaften beachtlich sei. Das Schicksal der mit 2.400
Mitgliedern drittgrößten und bedeutenden jüdischen Gemeinde
Österreichs und ihrer Bürger sei überhaupt nur auf zwei Seiten
unzureichend erwähnt.
Eine Zusammenarbeit zwischen dem Archiv der Jüdischen Gemeinde bei
der Erstellung dieser Quellenpublikation habe es nie gegeben. Diese
Behauptung sei schlicht falsch. Es seien dementsprechend auch
keinerlei Unterlagen aus den Beständen der Gemeinde in die von Maurer
angesprochenen Veröffentlichungen eingeflossen. Zu betonen sei aber,
so Schärf in seiner Stellungnahme, die hervorragende Unterstützung
des Leiters der städtischen Sammlungen bei den eigenen Recherchen im
Museum der Stadt, die sich dort aber primär auf die Zeit vor 1938
bezogen hätten. Ihren Beitrag zur Synaogenrenovierung habe die Stadt
nur unter enormen Druck des Landes und Subventionierung des eigenen
Finanzierungsbeitrages durch dasselbe geleistet. Aufarbeitung sei
eben nicht gleich Aufarbeitung.
Rückfragehinweis:
Jüdische Gemeinde Baden bei Wien Tel:02252 252530-0 od. 0664/2106767
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