Österreich in Anekdoten Buchpräsentation im Hohen Haus

Wien (PK) - Nationalratspräsident Andreas Khol lud heute Nachmittag zur Präsentation eines neuen Buches ins Hohe Haus. Die beiden Journalisten Dieter Kindermann und Gerhard Vogl trugen eine erkleckliche Menge Anekdoten aus mehreren Jahrzehnten zusammen und stellen diese in ihrem Werk "Politik aus nächster Nähe. Österreichs Geschichte in Geschichten" der Öffentlichkeit vor. An der Präsentation des Bandes nahm ein ebenso zahlreiches wie illustres Publikum teil.

Khol meinte, es sei eines der Privilegien des Nationalratspräsidenten, Bücher aussuchen und vorstellen zu können, und es freue ihn, nun dieses Buch als letztes vor Beendigung seiner Amtszeit zu präsentieren. Das Buch erinnere ihn, und dies sei als großes Kompliment gedacht, an die "Tante Jolesch" von Friedrich Torberg, das den Untergang einer Epoche in Anekdoten darstelle. Kindermann und Vogl hingegen demonstrierten anschaulich das österreichische politische System in Anekdoten. Der Nationalratspräsident würdigte die beiden Herausgeber und gab sich als begeisterter Leser der sechs veröffentlichten Bücher von Gerhard Vogl zu erkennen. Dieter Kindermann wiederum sei für seine ausgezeichneten Reportagen bekannt und er, Khol, hoffe, dass diese noch einmal in Buchform erscheinen werden, denn das sei "Zeitgeschichte in höchster Qualität".

Nach einführenden Worten von Barbara Köszegi, der Programmleiterin des Verlages Kremayr & Scheriau, in dem das Opus publiziert wurde, erläuterte Dieter Kindermann die Intentionen der beiden Herausgeber. Er dankte Präsident Khol für die Gelegenheit, dieses Werk im Hohen Haus vorstellen zu dürfen und verwies in diesem Zusammenhang auf die jüngsten Innovationen im Parlament, dabei besonders das neue Besucherzentrum und die Adaptierung des Palais Epstein für Parlamentszwecke würdigend. Auch Kindermann wies auf die besondere Bedeutung der Anekdote hin und schloss seine Rede mit einem konkreten Beispiel aus dem vorliegenden Werk.

Mit einer Lesung von Kammerschauspieler Franz Robert Wagner endete die Veranstaltung.

Aus nächster Nähe

"Die Anekdote scheint die kongeniale Form zur Tradierung österreichischer Geschichtsbilder zu sein", meinen Kindermann und Vogl in ihrem Buch, und in der Tat gelingt es ihnen, mit ihren Schnurren, Geschichten und Apercus ein detailreiches Spiegelbild unseres Landes, seiner Bewohner und seiner Geschichte zu entwerfen. Sie geben damit einerseits den jüngeren Generationen in leicht verdaulichen Dosen gleichsam "Nachhilfeunterricht" in Heimatkunde und helfen den älteren Semestern, sich an Erlebtes in heiterer Form zu erinnern.

In ihrer Sammlung folgen sie einem Motto von Bruno Kreisky, dem selbst eine der Hauptrollen in diesem Buch zukommt. Kreisky meinte einmal: "Es gibt für alles in Österreich eine Anekdote, ja unsere ganze Geschichte lässt sich auflösen in Anekdoten." Die Palette reicht dabei von der berühmten Antwort Kaiser Ferdinands anno 1848 auf die Meldung, die Revolutionäre seien in die Burg eingedrungen ("Ja, dürfen s´ denn das?") über die skeptische Frage des K&K-Außenministers Berchthold über die Nachricht, in Russland stünde eine Revolution bevor ("Revolution in Russland, wer soll denn die machen? Vielleicht der Herr Trotzki aus dem Café Zentral?") bis hin zu legendären Sagern unserer Tage, die von den Prominenten der Gegenwart stammen. Mitunter wird eine kolportierte Anekdote selbst zur Anekdote, wenn etwa darüber berichtet wird, Bundeskanzler Kreisky habe sich partout den Namen seines neuen Sozialministers nicht merken können und diesen dann selbst aufgefordert, zu sagen, wie er denn heiße. Der Mann hieß Weißenberg und nicht, wie im Buch behauptet, Weissenberger. Und sein Vorgänger wiederum war Rudolf Häuser und nicht, wie im Buch zu lesen, Rudolf Häusler. Namen sind eben nicht immer Schall und Rauch. Auch dann nicht, wenn man Karl Schwarzenberg heißt und eigentlich als Familienoberhaupt zum Fürsten avanciert und nicht länger nur Prinz wäre. Kreiskys launige Replik ob dieser Neuigkeit: "Wir sind eine Republik. Prinz bleibt Prinz."

Doch nicht nur die Politik, auch andere Bereiche des gesellschaftlichen Lebens kommen bei Kindermann und Vogl nicht zu kurz. Sport, Kultur, Wirtschaft, Presse, in all diesen Bereichen gab und gibt es Persönlichkeiten, die nie um eine flotte Formulierung verlegen sind. Krankl und Polster, Qualtinger und Klimt, Meinl und Mautner Markhof, Chorherr und Kisch, sie alle haben die eine oder andere Schnurre zum Besten gegeben und sorgen so dafür, dass man in Österreich auch weiterhin sagen kann: "Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst."

Das Buch "Österreich aus nächster Nähe", kongenial illustriert von Ironimus, ist im Verlag Kremayr und Scheriau erschienen, umfasst 272 Seiten und ist im Buchhandel erhältlich.

HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung finden Sie - etwas zeitverzögert - auf der Website des Parlaments im
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