• 13.10.2006, 18:40:16
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Österreich in Anekdoten Buchpräsentation im Hohen Haus

Wien (PK) - Nationalratspräsident Andreas Khol lud heute Nachmittag
zur Präsentation eines neuen Buches ins Hohe Haus. Die beiden
Journalisten Dieter Kindermann und Gerhard Vogl trugen eine
erkleckliche Menge Anekdoten aus mehreren Jahrzehnten zusammen und
stellen diese in ihrem Werk "Politik aus nächster Nähe. Österreichs
Geschichte in Geschichten" der Öffentlichkeit vor. An der
Präsentation des Bandes nahm ein ebenso zahlreiches wie illustres
Publikum teil.

Khol meinte, es sei eines der Privilegien des
Nationalratspräsidenten, Bücher aussuchen und vorstellen zu können,
und es freue ihn, nun dieses Buch als letztes vor Beendigung seiner
Amtszeit zu präsentieren. Das Buch erinnere ihn, und dies sei als
großes Kompliment gedacht, an die "Tante Jolesch" von Friedrich
Torberg, das den Untergang einer Epoche in Anekdoten darstelle.
Kindermann und Vogl hingegen demonstrierten anschaulich das
österreichische politische System in Anekdoten. Der
Nationalratspräsident würdigte die beiden Herausgeber und gab sich
als begeisterter Leser der sechs veröffentlichten Bücher von Gerhard
Vogl zu erkennen. Dieter Kindermann wiederum sei für seine
ausgezeichneten Reportagen bekannt und er, Khol, hoffe, dass diese
noch einmal in Buchform erscheinen werden, denn das sei
"Zeitgeschichte in höchster Qualität".

Nach einführenden Worten von Barbara Köszegi, der Programmleiterin
des Verlages Kremayr & Scheriau, in dem das Opus publiziert wurde,
erläuterte Dieter Kindermann die Intentionen der beiden Herausgeber.
Er dankte Präsident Khol für die Gelegenheit, dieses Werk im Hohen
Haus vorstellen zu dürfen und verwies in diesem Zusammenhang auf die
jüngsten Innovationen im Parlament, dabei besonders das neue
Besucherzentrum und die Adaptierung des Palais Epstein für
Parlamentszwecke würdigend. Auch Kindermann wies auf die besondere
Bedeutung der Anekdote hin und schloss seine Rede mit einem konkreten
Beispiel aus dem vorliegenden Werk.

Mit einer Lesung von Kammerschauspieler Franz Robert Wagner endete
die Veranstaltung.

Aus nächster Nähe

"Die Anekdote scheint die kongeniale Form zur Tradierung
österreichischer Geschichtsbilder zu sein", meinen Kindermann und
Vogl in ihrem Buch, und in der Tat gelingt es ihnen, mit ihren
Schnurren, Geschichten und Apercus ein detailreiches Spiegelbild
unseres Landes, seiner Bewohner und seiner Geschichte zu entwerfen.
Sie geben damit einerseits den jüngeren Generationen in leicht
verdaulichen Dosen gleichsam "Nachhilfeunterricht" in Heimatkunde und
helfen den älteren Semestern, sich an Erlebtes in heiterer Form zu
erinnern.

In ihrer Sammlung folgen sie einem Motto von Bruno Kreisky, dem
selbst eine der Hauptrollen in diesem Buch zukommt. Kreisky meinte
einmal: "Es gibt für alles in Österreich eine Anekdote, ja unsere
ganze Geschichte lässt sich auflösen in Anekdoten." Die Palette
reicht dabei von der berühmten Antwort Kaiser Ferdinands anno 1848
auf die Meldung, die Revolutionäre seien in die Burg eingedrungen
("Ja, dürfen s´ denn das?") über die skeptische Frage des K&K-
Außenministers Berchthold über die Nachricht, in Russland stünde eine
Revolution bevor ("Revolution in Russland, wer soll denn die machen?
Vielleicht der Herr Trotzki aus dem Café Zentral?") bis hin zu
legendären Sagern unserer Tage, die von den Prominenten der Gegenwart
stammen. Mitunter wird eine kolportierte Anekdote selbst zur
Anekdote, wenn etwa darüber berichtet wird, Bundeskanzler Kreisky
habe sich partout den Namen seines neuen Sozialministers nicht merken
können und diesen dann selbst aufgefordert, zu sagen, wie er denn
heiße. Der Mann hieß Weißenberg und nicht, wie im Buch behauptet,
Weissenberger. Und sein Vorgänger wiederum war Rudolf Häuser und
nicht, wie im Buch zu lesen, Rudolf Häusler. Namen sind eben nicht
immer Schall und Rauch. Auch dann nicht, wenn man Karl Schwarzenberg
heißt und eigentlich als Familienoberhaupt zum Fürsten avanciert und
nicht länger nur Prinz wäre. Kreiskys launige Replik ob dieser
Neuigkeit: "Wir sind eine Republik. Prinz bleibt Prinz."

Doch nicht nur die Politik, auch andere Bereiche des
gesellschaftlichen Lebens kommen bei Kindermann und Vogl nicht zu
kurz. Sport, Kultur, Wirtschaft, Presse, in all diesen Bereichen gab
und gibt es Persönlichkeiten, die nie um eine flotte Formulierung
verlegen sind. Krankl und Polster, Qualtinger und Klimt, Meinl und
Mautner Markhof, Chorherr und Kisch, sie alle haben die eine oder
andere Schnurre zum Besten gegeben und sorgen so dafür, dass man in
Österreich auch weiterhin sagen kann: "Die Lage ist hoffnungslos,
aber nicht ernst."

Das Buch "Österreich aus nächster Nähe", kongenial illustriert von
Ironimus, ist im Verlag Kremayr und Scheriau erschienen, umfasst 272
Seiten und ist im Buchhandel erhältlich.

HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung finden Sie - etwas
zeitverzögert - auf der Website des Parlaments im
http://www.parlament.gv.at/pls/portal/url/PAGE/SK/FOTOALBUM/:
http://www.parlament.gv.at

(Schluss)

Eine Aussendung der Parlamentskorrespondenz
Tel. +43 1 40110/2272, Fax. +43 1 40110/2640
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